Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.

Rundbrief Nr. 9, März 2002

 [Home] [Wir über uns] [Liste der Mitgliederrundbriefe]

Liebe Mitglieder und FördererInnen des Studienkreises,

wie Sie aus diesem Rundbrief ersehen können, tut sich gleich zu Beginn des Jahres 2002 einiges im Studienkreis. Dabei hoffen wir auch weiterhin auf Ihre Unterstützung.
Barbara Leissing Hartmut Mohr

DER ALTE/NEUE VORSTAND


In der Mitgliederversammlung am 8. Dezember 2001 im Club Voltaire kandidierten die bisherigen Vorstandsmitglieder bis auf Wolfgang Keim (Beisitzer) für eine weitere Wahlperiode. Sie wurden auch alle einstimmig wieder gewählt. Es sind dies:

Heiko Lüßmann, Vorsitzender
Barbara Leissing und Cora Mohr, Stellvertreterinnen
Margret Hamm, Hartmut Mohr und
Artur Roth, Beisitzer.

Neu als Beisitzer wurden gewählt:

Elke Hartig und Dirk Krüger, die sich allen Mitgliedern in diesem Rundbrief vorstellen.

Neuer Mitgliedsbeitrag
Die Mitgliederversammlung vom 8. Dezember 2001 hat entsprechend dem Vorstandsantrag, der allen Mitgliedern mit der Einladung vom 20.11.2001 zugesandt wurde, einstimmig die Festsetzung des Mitgliedsbeitrags auf 80 EUR ab 2002 beschlossen!

zurück zum Inhaltsverzeichnis

WIR FREUEN UNS


Ehemalige Zwangsarbeiter zu Besuch

Vier ehemalige Zwangsarbeiter aus Polen und Tschechien (s. Foto) waren auf Einladung der Arbeitsgruppe Ausgegrenzte Opfer für eine Woche in ihren früheren "Einsatzort" Frankfurt gekommen. Sie nahmen als Ehrengäste an der Gedenkveranstaltung "Die Erinnerung bleibt - eine Lesung aus Briefen und Berichten von vergessenen Opfern des Nationalsozialismus"  am 27. Januar 2002 im Historischen Museum teil. Es musizierte das Klassenorchester der Klasse 8FL3 der Wöhlerschule, dem wir herzlich für ihren ausgezeichneten Beitrag danken.

Tadeusz Grabal (aus Polen), Jaroslav Vrba und Jaroslav Sima (aus Tschechien)  (von links, am Tisch sitzend) und Zdenek Halas (aus Tschechien, nicht im Bild) am 25. Januar zu Besuch im Studienkreis. Siggi Hess von der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank gießt Tee nach. (Foto: Cora Mohr)

Von der AG wurde auch ein Besuchsprogramm für die Zeit vom 21. bis 28. Januar ausgearbeitet. Besonders beeindruckend dabei war die Stadtrundfahrt zu Stätten der Zwangsarbeit mit Willi Malkomes (DGB). Es gab auch einen kleinen Empfang durch Kulturdezernent Nordhoff, bei dem die Gäste endlich die längst beschlossene "Soforthilfe" erhielten.

Bei der Vorbereitung und der Betreuung der Gäste waren Mitglieder des Studienkreises sehr engagiert dabei: neben Ursula Krause-Schmitt auch Elke Hartig und Cora Mohr. Auch Heiko Lüßmann und Hartmut Mohr diskutierten bei der "Tea-Time" im Studienkreis, die Lutz Reimers gut vorbereitet hatte, angeregt mit den Gästen und waren beeindruckt von deren Schilderungen über ihr Leben als Zwangsarbeiter in Frankfurt.

Diese wenn auch für alle Beteiligten durchaus arbeitsreiche Aktion war erkennbar nicht nur für die ehemaligen Zwangsarbeiter sondern auch für die OrganisatorInnen und BetreuerInnen ein beeindruckendes und bereicherndes Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst.

zurück zum Inhaltsverzeichnis

VORSTANDS-/MITGLIEDERTERMINE

In der ersten Sitzung des neu gewählten Vorstands am 19. Januar wurden folgende Termine für  seine Sitzungen im Jahr 2002 vereinbart: 23.02., 23.03., 20.04., 25.05., 22.06., 20.07., 17.+18.08., 28.09., 26.10., 23.11. und 14.12. jeweils von 14-17 Uhr in den Räumen des Studienkreises - Ausnahmen: Sitzung vom 22.06. von 10-13 Uhr und Termin 17.-18.08. als Klausurtagung (Ort/Zeit noch festzulegen).

Interessierte Mitglieder können an allen Vorstandssitzungen teilnehmen.

Auch den Termin für die Mitgliederversammlung 2002 hat der Vorstand schon beschlossen: Dafür vorgesehen ist der 30. November. Außerdem sollen interessierte Mitglieder am 22. Juni von 14-17 Uhr zu einem besonderen, vorbereitenden Treffen zur Mitgliederversammlung über die bisherige Pro- und Contra-Diskussion zum Namen des Studienkreises eingeladen werden.

ES STELLEN SICH VOR



Elke Hartig (Beisitzerin):
Ich bin Jahrgang 1956, Mensch, Mutter, Freundin und Lehrerin für Pflegeberufe. Seit einigen Jahren betätige ich mich ehrenamtlich in den Gruppen "Stadtteilerkundung Rödelheim", "LAGG Initiative gegen das Vergessen" und "AG Ausgegrenzte Opfer".
Politisch und konfessionell inaktiv - aber nicht uneingeschränkt neutral - engagiere ich mich aktiv für Kontakte mit ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus verschiedenen Ländern. Soweit es meine beruflichen Verpflichtungen erlauben, liegen meine außerfamiliären Schwerpunkte auf der Suche nach Fakten über die Thematik "Widerstand im Bereich der Kranken- und Kinderkrankenpflege während der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945 in Deutschland". Ich habe schon seit Jahren intensive Kontakte zum Studienkreis vor allem über die Gruppe Stadtteilerkundung und die AG Ausgegrenzte Opfer und freue mich auf eine weiterhin positive und konstuktive Zusammenarbeit.

Dirk Krüger (Beisitzer): 
Ich bin 61 Jahre alt und arbeite als Lehrer an einer Grundschule, bin verheiratet und habe eine Tochter. Obwohl ich in Wuppertal wohne, will ich versuchen, dass meine Mitarbeit im Vorstand darunter nicht leidet. Wichtig ist für mich, dass ich den Studienkreis mit einem Vorstandsmandat versehen im Ballungsraum NRW wirkungsvoller vertreten kann. Das betrifft meine Mitgliedschaft in zahlreichen literarischen Gesellschaften, vor allem aber in der VVN/BdA NRW sowie in der Gesellschaft für Exilforschung.

Meine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte lassen meine  enge, jahrelange  Beziehung zum Studienkreis deutlich werden: Der wichtigste Schwerpunkt wurde seit 1968, den Wechselbeziehungen zwischen Literatur und antifaschistischem Widerstand nachzuspüren. Den Anfang bildeten die Ereignisse in Spanien 1936-1939 und die Reaktion der Schriftsteller darauf. Hier habe ich mich spezialisiert auf die Kinder- und Jugendliteratur, die im Exil entstanden ist und die ein wichtiger eigenständiger Beitrag zum antifaschistischem Widerstand wurde.
Engagiert habe ich mich z.B. auch in der regionalen Widerstandsforschung mit Schwerpunkt Arbeiterschriftsteller. Dazu liegen inzwischen Veröffentlichungen vor. Seit ca. fünf Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem jüdischen Widerstand, wozu ich z.Z. eine größere Veranstaltungsreihe vorbereite. Ein letzter Punkt betrifft mein Bemühen, das Thema Widerstand in die Schulen bis hin zu den Grundschulen zu tragen. Erste Erfahrungen stelle ich noch vor.

zurück zum Inhaltsverzeichnis

WIR GRATULIEREN

Wir gratulieren Peter Gingold zu seinem "zweiten Geburtstag": den 23. April. An diesem Tag im Jahr 1943 gelang ihm die unglaubliche Flucht aus den Fängen der berüchtigten Gestapozentrale in Paris. Er entwickelte in der ausweglosen Situation einen Plan, mit dem er die Nazis täuschte. Indem er glaubhaft angab, dass er einen geheimen Treffpunkt denunziere, wenn er die Gelegenheit haben würde, ohne offensichtliche Verfolgung dorthin zu kommen. Der Sicherheitsdienst der Nazis ließ sich darauf ein. Am Boulevard St. Martin konnte er durch eine Hintertür des Hauses in ein völlig anderes Viertel flüchten und sich in Sicherheit bringen. Danach war Peter weiter in der Resistance tätig.

zurück zum Inhaltsverzeichnis

PROJEKTE DES STUDIENKREISES


Eine Fundgrube für Forscher

"Da waren ja noch viel mehr im KZ Theresienstadt als wir bisher zufällig entdeckt haben!"  ruft Hartmut Mohr ganz überrascht aus. Gemeinsam mit Lutz Reimers testet er ganz fasziniert das neue Abfrage- und Suchprogramm für die Entschädigungsakten am PC im Studienkreis. Beide sind erstaunt, was Wolfgang Form, der Leiter der Forschungsgruppe "NS-Justiz in Hessen" an der Philipps-Universität in Marburg und wichtiger Helfer des Studienkreises beim Projekt Entschädigungsakten von den gewünschten Suchmöglichkeiten schon realisiert hat:

Gezielte Abfragen nach Familiennamen, Geburtsort, EmigrantInnen, Schutzhaft- und U-Haftgefangenen, nach Konzentrationslager und Todesart durch Verfolgung, hier noch differenziert nach den Todesarten wie Hinrichtung, Ermordung, Suizid, Soldatentod und für tot erklärt. Bei der Antragstellung für Entschädigungen kann noch unterschieden werden zwischen Verfolgten, Angehörigen oder sonstigen Personen usw.

Und ganz wichtig - eine Volltextsuche nach Worten/Wortteilen in den eingegebenen Datensätzen ist natürlich auch überall möglich! U.a. nach den wichtigen Originaldokumenten, die in ca. jeder 7. der insgesamt 986 Entschädigungsakten zu finden sind (ca. 350 Dokumente könnten es insgesamt werden) und die wir schon jetzt besonders sichern. Dabei handelt es sich um Anklageschriften, Urteile, persönliche Briefe und amtliche Schreiben wie Todesnachrichten und Entlassungsscheine aus dem KZ u.ä. besondere Dokumente aus der NS-Zeit.

Die Entschädigungsakten ein besonderer Fundus für Recherchen zur NS-Zeit (neben Bilbliothek und Dokumentationsarchiv des Studienkreises) - insbesondere mit dem neuen Suchprogramm! Nutzen Sie diese Quelle!

Beispiel Suchmaske "Konzentrationslager"
(Ergebnis: 116  bei 302 erfaßten Datenssätzen/Fällen)

Wer kann uns helfen?

Bei der Eingabe der Entschädigungsakten benötigen wir dringend Unterstützung für unseren Mitarbeiter Lutz Reimers, dessen ABM-Vertrag für dieses Projekt übrigens erfreulicherweise um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Die Akten müssen vor der Eingabe jeweils aufbereitet werden - eine einfache Zuarbeit, die aber doch wertvolle Zeit kostet und unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Christel Mathes alleine nicht mehr bewältigen kann.
Die meisten Anfragen von den vielen Interessierten an der Website des Studienkreises beziehen sich auf unser Archiv und unsere umfangreiche Bibliothek. Aber gewünschte Detailauskünfte können wir immer noch nicht online sondern nur in der Rossertstr. geben, weil von der Bibliothek erst rund 4.400 von mehr als 14.000 Titeln im Datenerfassungsprogramm "Allegro" eingegeben sind!
Beim Archiv wurde - auch aufgrund fehlender Mittel (s. hierzu unsere Spendenaufrufe u.a. im Rundbrief Nr. 8) - überhaupt noch nicht mit der Datenerfassung begonnen!
Hier müssen wir bald etwas bieten! Vor allem die Dateneingabe bei "Allegro" soll beschleunigt und unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Rosemarie Schlung dabei unterstützt werden!

Wir appellieren an unsere Mitglieder:
Nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf, wenn Sie dem Studienkreis hier zumindest zeitweise helfen können!

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Ausstellungstermine

 

"Frauen im Konzentrationslager 1933-1945.
Moringen, Lichtenburg, Ravensbrück"

07.10. - 30.11.02  Neu-Strelitz (VHS)
"Kinder im KZ Theresienstadt - Zeichnungen und Gedichte"

11-03. - 22.03.02

 Offenbach (VHS)

22.04. - 12.05. 02

 Heidenheim (Naturtheater)

27.05. - 15.06.02

 Hamburg (Universität)
10.01. - 02.11.02  Froslev, Dänemark (Gedenkstätte)

04.11. - 30.11.02

 Flensburg (dänische Zentralbibliothek und Nicolaikirche)

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Termine anderer Veranstalter


04.04.2002, 19.30 Uhr Heidelberg
Ausstellungseröffnung mit Konzert: "Jewels" - eine Ausstellung von Giorgio Hupfer, die bis 26. Mai im Dokumentationszentrum präsentiert wird; Kontakt/Info: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Bremeckgasse 2, 69117 Heidelberg, Tel.: (06221) 98 11 02, Fax: 98 11 77

14.04.2002, 13 Uhr  Weimar/Buchenwald
Jährliche Selbstbefreiungsfeier am Glockenturm auf dem Ettersberg. Einzelheiten zu Busfahrten ab Frankfurt sind noch nicht bekannt. Kontakt/Info: DGB, Horst Koch-Panzner, Tel.: (069) 27 30 05 74

09.05.-11.05.2002  Iserlohn
Tagung: "Orte der Vernichtung in Belarus - Die Geschichte des Minsker Ghettos und des KZ Trostenez", Ev. Akademie Iserlohn, Anmeldeschluss: 15.04.2002; Kontakt/Info: IBB Internationales Bildungs- und Begegnungswerk e.V, Thomasstr. 1, 44135 Dortmund, Tel.: (0231) 95 20 96-0, Fax: (0231) 52 12 33, E-Mail: ibb-dortmund@t-online.de 

23.05.2002, 19.30 Uhr  Heidelberg 
Vortrag: "Die Shoah-Foundation und ihre Arbeit"  von Cara Noble, eine deutschlandweite Premiere im Dokumentationszentrum; Kontakt/Info: Dokumenta-tions- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Bremeckgasse 2, 69117 Heidelberg, Tel.: (06221) 98 11 02, Fax: 98 11 77

23.05.-26.05.2002  Weimar
37. bundesweites Gedenkstättenseminar, Seminarort:  Europäische Jugendbildungs- und Begegnungsstätte; Kontakt/Info: Europäische Jugendbildungs- und Begegnungsstätte, Jenaer Str. 2/4, 99425 Weimar, Tel.: (03643) 8 27-112, Fax: 8 27-111, E-Mail: thimm@ejbweimar.de

Zahlen des Monats Februar 2002
168 Mitglieder nach erfolgter Bereinigung 2002;
554 (56%) Entschädigungsakten  bzw. 631 Datensätze bearbeitet und dort 88 Originaldokumente gesichert; 4.360 Bücher in Allegro erfaßt

Ach so! Wir brauchen auch unbedingt noch ein weiteres stabiles Bücherregal für unsere Bibliothek, weil uns der Platz für die Neuzugänge ausgeht! Für ein weiteres neues Regal fehlt uns aber das Geld (das letzte kostete uns rd. 1.000 DM bzw. rd. 500 EUR).

Wer kann uns zu einem gebrauchten/neuen Regal verhelfen? Bitte rufen Sie uns an!

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Impressum

Hrsg.: Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 
Herstellung: Barbara Leissing, Hartmut Mohr 
Der Rundbrief erscheint mindestens halbjährlich. 
Bezugsadresse: Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945, Rossertstr. 9, 60323 Frankfurt, 
Tel.: (069) 72 15 75, Fax: (069) 71 03 42 54, email: kontakt@studienkreis-widerstand-1933-45.de
Internet: www.studienkreis-widerstand-1933-45.de 
Bankverbindung: 
- SEB Frankfurt/M., Konto 1 074 456 500, BLZ 500 101 11
- Postbank Frankfurt/M., Konto 314 124 603, BLZ 500 100 60  
Öffnungszeiten: Di-Do 10-17 Uhr

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Übersicht über die letzten Mitgliederrundbriefe