Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.

Rundbrief Nr. 14, Juni 2004

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Gravierende Änderungen stehen bevor
Die Anpassung an die finanzielle Situation erzwingt Personalentscheidungen und erfordert mehr ehrenamtliches Engagement bei der Bewältigung der Aufgaben des Studienkreises.

GRAVIERENDE ÄNDERUNGEN


Seit Anfang dieses Jahres hat sich der Vorstand zunehmend mit der schon seit längerem kritischen Finanzsituation des Studienkreises befasst. Was sich bereits im letzten Jahr abzeichnete, hat den Vorstand nun zu notwendigen Entscheidungen im personellen Bereich gezwungen, über die wir die Mitglieder im Rahmen dieses Rundbriefes informieren wollen.

DIE FINANZIELLE LAGE

Die Eigenmittel des Studienkreises sind erschöpft. Konnten in den vergangenen Jahren Haushaltsdefizite noch durch Eigenmittel aus den Rücklagen ausgeglichen werden, so muss nun konstatiert werden, dass die Grenze endgültig erreicht ist. Der Fehlbetrag für den Haushaltsabschluss 2003 beläuft sich auf 12.379,62 €. In ersten Prognosen musste der Vorstand davon ausgehen, dass sich der Fehlbetrag für 2004 noch erhöhen wird!
 
Wie konnte es dazu kommen? In der langfristigen Planung des Vorstandes für die Jahre 2002 bis 2005 gingen wir von einer Erhöhung der institutionellen Förderung durch die Stadt Frankfurt um 33% auf 41.000 € aus. Bei Antragstellung standen die Chancen noch relativ gut, dann aber veränderte sich die finanzielle Situation der Stadt drastisch und der Studienkreis musste statt einer Erhöhung der Zuwendung deren Reduzierung realisieren.

Für das Haushaltsjahr 2004 ist maximal noch mit einer Förderung in Höhe von 25.000 € zu rechnen. Bereits im Haushaltsjahr 2002 wurde uns deutlich, dass unser künftiger Handlungsspielraum extrem eingeengt wird. Dies führte zu äußerster Sparsamkeit im Sachmittelbereich und zu unseren Spendenaufrufen, deren Ergebnisse dank Ihrer Hilfe zwar erfreulich waren, aber leider die Finanzlücke nicht schließen konnten.

Zusätzliche unvorhergesehene Ausgaben, wie u.a. Nachzahlungen im Personalbereich z.B. an die Berufsgenossenschaft sowie geringere Einnahmen u.a. durch säumige Mitgliedsbeiträge in Höhe von
2.234 € allein für das Jahr 2003 verschärften die finanzielle Schieflage und machten schnelle Entscheidungen notwendig.

KÜNDIGUNG UNUMGÄNGLICH

Wie bereits auf der letzten Mitgliederversammlung angekündigt, sind finanzielle Einsparungen nur mehr im Personalbereich möglich. Da die bereits beschlossene Streichung des Weihnachtsgeldes allein nicht mehr ausreicht, wurde die Streichung der Stelle von Folker Behrens für den Bereich der Verwaltung des Studienkreises unumgänglich. Der Vorstand bedauert die für den Sommer ausgesprochene betriebsbedingte Kündigung von Folker Behrens außerordentlich, da er seine Aufgaben mit großem Engagement für den Studienkreis ausgeführt hat.

Wie die Verwaltungsarbeiten nach dem Ausscheiden von Folker Behrens bewältigt werden können ist organisatorisch noch zu klären. Sicher ist jedoch, dass in Zukunft eine Vielzahl der laufenden Geschäfte des Studienkreises ehrenamtlich getätigt werden müssen.

PROJEKT DIGITALISIERUNG DER BIBLIOTHEK UND DES ARCHIVS

Für das wichtige Projekt der Digitalisierung unserer Bibliothek und des Archivs haben wir mit 65.486 € bisher knapp die Hälfte der von uns in der Projektplanung veranschlagten Fördermittel auftun können. Dies war eine gute Voraussetzung für einen erfolgreichen Start.

Bisherige Förderer des Projektes sind die BGAG-Stiftung Walter-Hesselbach, die Bosch-Stiftung, die Firma Bosch, der Arbeitslosenfonds der EKHN, die Claudy-Stiftung, die Stiftung hessen media, die Naspa-Stiftung sowie einige Privatspenden. Allerdings zeichnen sich inzwischen die Grenzen weiterer Fördermittel ab. Damit müssen auch hier die ursprünglichen Planungen dahingehend geändert werden, ehrenamtliche Mitarbeit im Projekt stärker zu verankern.

PERSONELLE KONSEQUENZEN BEIM PROJEKT

Wegen der beschränkten Projektmittel mussten wir auch am Arbeitsvertrag mit unserem Mitarbeiter Lutz Reimers im beiderseitigen Einvernehmen Änderungen vornehmen: Nach Auslaufen der ABM am 15.03.2004 wurde u.a. die Arbeitszeit auf 30,8 Stunden reduziert.

Da die erfreulicher Weise von der Stiftung hessen media zur Verfügung gestellten Fördermittel in Höhe von 20.000 € zum Teil für die Verwirklichung des Beitrages des Studienkreises zum Internetauftritt "Topografie der NS-Zeit in Frankfurt - Widerstand" der Stadt Frankfurt vorgesehen sind, wurde ab
01. Mai 2004 die Wochenarbeitszeit von Ursula Krause-Schmitt für 5 Monate um zusätzliche 10 Stunden aufgestockt.

Schließlich hat der Vorstand beschlossen, alle weiteren Arbeiten im Rahmen des Projektes, die nicht durch ehrenamtliche Mitarbeit geleistet werden können, nur noch im Rahmen von Werkverträgen zu vergeben.

DER STUDIENKREIS BRAUCHT IHRE UNTERSTÜTZUNG

Um die Arbeit des Studienkreises auch in Zukunft erfolgreich weiterführen zu können, bedarf es einer breiten Unterstützung seiner Mitglieder und FördererInnen.

Diese Unterstützung kann sehr unterschiedlich aussehen:
- ehrenamtliche Mitarbeit in der Verwaltung, im Rahmen der Projekte der Vermittlungsarbeit oder im Projekt Digitalisierung der Bibliothek und des Archivs
- rechtzeitige und regelmäßige Zahlung der Mitgliedsbeiträge und der Abogebühren für die "informationen", Teilnahme am Abbuchungsverfahren
- Spenden für die laufende Arbeit und die Projekte und die Verbreitung des Spendenaufrufs.
Bitte beachten Sie den beiliegenden Spendenaufruf!
- Werbung von neuen Mitgliedern und Förderern.
Bitte beachten Sie die beiliegende Mitgliederwerbung (Flyer)!

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Was tut sich beim Projekt?


Bereits seit Monaten wird mit Hochdruck an der Realisierung der Digitalisierung der Bibliothek gearbeitet. So erfolgt die Dateneingabe für die Bibliothek im Rahmen der Einarbeitung in das internetfähige Archivprogramm FAUST seit Anfang des Jahres nur noch in dieses neue Programm. Und seit Anfang April werden die ca. 8.000 vorher im Bibliotheksprogramm ALLEGRO erfassten Titel bzw. Datensätze Zug um Zug in das Programm FAUST übernommen. Dabei werden unsere MitarbeiterInnen von Hubertus Hettenkofer, einem Programmierer, unterstützt.

Für das Programm FAUST wurden von H. Hettenkofer zwei Eingabeplätze und ein Rechercheplatz im Studienkreis eingerichtet, ein zweiter Platz wäre hier noch möglich. Bisher sind Ursula Krause-Schmitt und Lutz Reimers sowie die ehrenamtliche Mitarbeiterin Rosemarie Schlung mit der Dateneingabe befasst. Unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Alexandra Stolze soll später noch hinzukommen. Ziel ist, dass Ende 2004 die gesamte Bibliothek mit über 15.000 Titeln im Internet verfügbar ist.

Parallel dazu wird bereits die digitale Erfassung des Archivs mit dem FAUST- Programm konzipiert. Hier will unser engagierter Förderer Hermann Unterhinninghofen nach Eintritt in den Vorruhestand im Sommer dieses Jahres uns als ehrenamtlicher Helfer tatkräftig unterstützen. Als Einstieg in die Archiverfassung mit mehr als 10.000 Dokumenten will er die uns von Alfred Hausser übergebene Kartei der Süddeutschen Ärzte- und Sanitätshilfe der Centrale Sanitäre Suisse zur Betreuung von politisch und "rassisch" Verfolgten des NS-Regimes und deren Angehöriger nach 1945 nach entsprechender Einweisung digital erfassen. Eine lobens- und nachahmenswerte Unterstützung!

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Schulpraktikum im Studienkreis

 
Aljoscha (12. Klasse) aus Wiesbaden und Jascha (9. Kl.) aus Frankfurt absolvierten im März ihr Schulpraktikum im Studienkreis. Sie erhielten Einblick in die alltägliche Arbeit (von Anfragen, Besuchern bis hin zum Ausstellungstransport), lernten die Bibliothek mit ihren verschiedenen Findmöglichkeiten (von Katalog bis FAUST-Datenbank) kennen sowie die Datenbank zur Entschädigung, halfen beim Ordnen der CSS-Kartei (Kartei der Centrale Sanitaire Suisse, s. oben).

Ein weiterer Schwerpunkt der Praktika waren eigenständige und selbstgewählte Recherchen. Jascha wollte etwas über Swingjugendliche und das Jugend-KZ Moringen wissen, Aljoscha interessierte sich für Widerstand in Wiesbadener Betrieben. Beide wurden fündig und nahmen sich selbst über das Wochenende Bücher und Videos mit; häufig sahen wir sie lesend und in der Bibliothek stöbernd.

Aber es gab auch "staubige Schwerarbeit": Großer Dank von allen im Studienkreis Beschäftigten und Ehrenamtlichen, dass die beiden Praktikanten den komplizierten Umbau eines Archivregals in die Hände nahmen. Es war eine gute, interessante, gemeinsame Zeit mit vielen Gesprächen und Diskussionen! Noch einmal herzlichen Dank und alles Gute!
 

Jascha mit Lutz Reimers beim Studium der Entschädigungsdatenbank

Jascha mit Lutz Reimers beim Studium der Entschädigungsdatenbank

Aljoscha sortiert Akten der CCS-Kartei

Aljoscha sortiert Akten der CCS-Kartei.
Fotos: Ursula Krause-Schmitt

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Wir gratulieren


Arno Lustiger ist am 7. Mai 80 Jahre alt geworden. Dazu gratulieren wir auch an dieser Stelle nachträglich sehr herzlich. Es ist der Historiker Arno Lustiger, der in seinen Büchern den jüdischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland und Europa, den jüdischen Widerstand im Spanischen Bürgerkrieg und die stalinistische Verfolgung der Juden ins geschichtliche Bewusstsein gerückt hat.

Für seine historischen Forschungen wurde ihm die Professorenwürde der Frankfurter Goethe Universität verliehen, die er im Rahmen einer Gastprofessur am Fritz Bauer Institut wahrnehmen wird. Auch dazu einen herzlichen Glückwunsch.

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Ausstellungstermine

"Kinder im KZ Theresienstadt - Zeichnungen, Gedichte, Texte"

03.11.-16.11.04 Hanau (Hanauer Kulturverein)

und nach vier Ausleihen Januar-März 2004 schon die ersten Termine für 2005:

▪ 02.01.-15.01.05 Koblenz (Förderverein Mahnmal)
▪ 17.01.-30.01.05 Schwalbach (Jugendbildungswerk)
▪ 01.02.-13.02.05 Kassel (Ev. Fröbelseminar)
▪ 14.02.-27.02.05 Homberg/Effze (Theodor-Heuß-Schule) und Fritzlar (König-Heinrich-Schule)
28.02.-02.04.05 Erfurt (Thüringer Verband der Antifaschisten)
▪ 07.11.-28.11.05 Mörfelden-Walldorf (Rathaus)

und sogar schon eine Buchung für 2006!

▪ 15.01.-15.02.06
Wiesbaden
(Stadtarchiv)

"Frauen im Konzentrationslager 1933-1945. Moringen, Lichtenburg, Ravensbrück"

25.01.-31.01.05 Kassel (Ev. Fröbelseminar)
28.04.-15.05.05 Siegen
(Universitätsbibliothek)

Weitere Informationen zu den Ausstellungen und die Ausleihe können fernmündlich bei unserer Geschäftsstelle eingeholt und auch bei unserer Homepage abgefragt werden.

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Termine anderer veranstalter


25.06.-27.06.2004 Weimar/Buchenwald
Seminar:
"Der Schoß ist fruchtbar noch ... - Eine Fahrt in die Vergangenheit", Besuch der KZ-Gedenkstätte Buchenwald; Kostenbeitrag 50 €; Kontakt/Info: DGB-Region Ffm-Rhein-Main, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77, 60329 Ffm, unser Mitglied Horst Koch-Panzner, Tel.: (069) 27 30 05 74,
Fax: 27 30 05-79, E-Mail: horst.koch-panzner@dgb.de

02.07.-04.07.2004 Luxemburg
Seminar: "Unterdrückung und Widerstand - Die deutsche Besetzung von Luxemburg 1940-1945"; mit Besuch der Gedenkstätte Hinzert; Kostenbeitrag 80 € ; Kontakt/Info: DGB-Bildungswerk Region Frankfurt
-Rhein-Main, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77, 60329 Frankfurt, Horst Koch-Panzner (s. erstenTermin)

Bildungsurlaub - DGB-Bildungswerk Hessen e.V. in Kooperation mit Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V.:

- 28.06.-02.07.2004 Auschwitz/Polen
Spurensuche in Auschwitz-Birkenau und Krakau;
- 06.09.-10.09.2004 Auschwitz/Polen
Frauen und Auschwitz;
-
19.09.-24.09.2004 Lublin/Polen
Belzec, Sobibor, Treblinka - Die Vernichtungslager der "Aktion Reinhardt";
-
18.10.-22.10.2004 Auschwitz/Polen
Sinti und Roma im Konzentrationslager in Auschwitz-Birkenau.

Info: DGB-Bildungswerk Hessen e.V., Wilh.-Leuschner-Str. 69-77, 60329 Ffm, Tel.: (069) 27 30 05 61, Fax: -66, E-Mail: bildungswerk@hessen.dgb.de

25.06.2004 Abfahrt 14 Uhr Pfungstadt
Darmstädter Geschichtsrundgang 1933-1945:
""Widerstand und Verfolgung in Darmstadt in der Zeit des Nationalsozialismus"; Stadtführung: unser Mitglied Christoph Jetter und Hanni Skroblies, Bus-Abfahrt am Stadthaus II in Pfungstadt, Kirchstr.; Kosten 8,-€, Anmeldung erwünscht; Kontakt/Info: Arbeitskreis ehem. Synagoge Pfungstadt, unser Mitglied Renate Dreesen (Vors.), Tel./Fax: (06157) 8 44 70, E-Mail: rdreesen@gmx.net; weitere Infos s. auch Homepage: www.synagoge-pfungstadt.de

26.09.2004 12 Uhr Darmstadt
Gedenkveranstaltung
am Güterbahnhof Darmstadt - "Denkzeichen Güterbahnhof"; Einweihung des Denkmals; Kontakt/Info: Renate Dreesen (s. oben) und Christoph Jetter, Tel.: (06151) 71 96 53, E-Mail: chjetter@t-online.de; weitere Infos s. auch Homepage: www.denkzeichen-gueterbahnhof.de
Zu dem Projekt ist jetzt die Dokumentation "Darmstadt als Deportationsort - Zur Erinnerung an die aus dem ehemaligen Volksstaat Hessen unter dem Nazi-Regime deportierten Juden und Sinti" erschienen, 126 Seiten, 5,-€ Spendenpreis; Kontakt/Info: Renate Dreesen und Christoph Jetter (s. oben)

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Impressum

Hrsg.: Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 
Herstellung: Hartmut Mohr 
Der Rundbrief erscheint mindestens halbjährlich. 
Bezugsadresse: Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945, Rossertstr. 9, 60323 Frankfurt, 
Tel.: (069) 72 15 75, Fax: (069) 71 03 42 54, email: kontakt@studienkreis-widerstand-1933-45.de
Internet: www.studienkreis-widerstand-1933-45.de 
Bankverbindung: 
- SEB Frankfurt/M., Konto 1 074 456 500, BLZ 500 101 11
- Postbank Frankfurt/M., Konto 314 124 603, BLZ 500 100 60  
Öffnungszeiten: Dienstag - Donnerstag 10-17 Uhr

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