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Wieslocher Rundschau, 17-01-2002 |
Frauen in den
Konzentrationslagern Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück
Ein
Mahnmal aus 51 Lebensbildern
(kob). Leider kennt auch die heutige Zeit Internierungslager, in
denen Menschen unter unwürdigen, lebensbedrohenden Bedingungen
festgehalten und drangsaliert werden. Dass mit der Besorgnis
darüber die Leiden der Frauen in den Konzentrationslagern des
Dritten Reiches nicht vergessen werden, ist das Anliegen einer
Wanderausstellung mit 50 Frauenporträts und Lebensschicksalen in
der Volkshochschule Wiesloch, Ringstraße 1. Dr. Ursula
Krause-Schmitt vom Studienkreis Deutscher Widerstand betreut die
bundesweit gezeigte Austellung und bringt sie jeweils auf den
neuesten Erkenntnisstand. Wichtigste Botschaft der vielen von
der Verfolgung betroffenen Frauen ist nicht die Darstellung
eigenen Leidens, sondern der Hinweis auf ihnen nahestehende
Leidensgenossinnen, denen es schlimmer ergangen sei und deren
Schicksal dem Vergessen entrissen werden müsse. Solche
Schicksale ereigneten sich meist in gleicher Weise: Wer Mitglied
der kommunistischen Partei war, zu den Zeugen Jehovas oder den
Bibelforschern, den Sinti und Roma oder den Nichtsesshaften
gehörte, wer wegen seines Eintretens für die Juden,
pazifistischer Aktionen, Kontakten mit Ausländern und ähnlichem
mit dem herrschenden Regime in Konflikt geriet, wurde in den
Jahren ab 1933/34 verhaftet, vor Gericht gestellt, von der
Familie getrennt und zum Beispiel in die Konzentrationslager
Moringen, Lichtenburg oder Ravensbrück verbracht und musste dort
Zwangsarbeit leisten. Die damalige Öffentlichkeit nahm an diesem
Vorgehen keinen Anstoß, sondern fand es vielfach in Ordnung.
Unter dem Zustrom von festgenommenen Frauen aus den besetzten
Gebieten in den Jahren 1938 und 1939 war die Aufnahmefähigkeit
des großen Lagers Ravensbrück rasch erschöpft und die Opfer
mussten in Zelten oder im Freien kampieren. In den Lagern musste
man Gefängniskleidung aus grobem Stoff tragen. Unterwäsche, die
wärmte und die Haut schützte, gab es kaum. Wegen ihrer
Fertigkeiten waren die Frauen begehrte und billige Arbeitskräfte
vor allem für die kriegswichtige Industrie, auch mussten sie
sich in Lagerbordellen einsetzen lassen. Doch wehe denen, die
unter den harten Lebensbedingungen krank wurden. Sie wurden in
der schlimmsten Konsequenz ins Sterbelager verfrachtet. Gleichwohl gab es in den Lagern auch
Gelegenheiten zu helfendem mitmenschlichem Verhalten
untereinander. Dem Aufsichtspersonal waren solche Kontakte
jedoch untersagt.
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Dezidierte Ausführungen von Dr. Ursula
Krause-Schmitt (li.) Fotos: KHP
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Erschütternde Berichte des Naziterrors |
Nach dem Krieg war der
geringe Prozentsatz der überlebenden Frauen oft von schweren
Krankheiten gezeichnet. Auch lebten sie in der
Nachkriegsgesellschaft sehr zurückgezogen und trafen sich
allenfalls in Kreisen der Leidensgenossinnen. Der Kampf um
Anerkennung als Opfer staatlicher Verfolgung scheiterte manchmal
an formaljuristischen Argumenten. Mitglieder der Bibelforscher
standen in der DDR weiter unter Druck; mit dem Verbot der
kommunistischen Partei in der BRD stand auch der Rentenanspruch
der dort aktiven Frauen auf dem Spiel. So berichtet es
jedenfalls die Referentin. Auch sei es nicht einfach, an den
Orten des Leidens und der Vernichtung Gedenkstätten einzurichten und zu erhalten.
Frau Dr. Ursula Krause-Schmitt wendet sich gegen die Idee eines
Schlussstrichs und fordert Solidarität mit den betroffenen
Frauen, die die Erlebnisse in der dunklen Epoche nie wieder
losgelassen haben. Sie sind so ziemlich die einzigen Zeuginnen
der Vorgänge, denn in Ravensbrück z. B. hat die Lagerverwaltung
bei Kriegsende alle Akten verbrannt. Um so mehr Beachtung
dürften neun der Ausstellung beigegebene Mappen mit
Zeitzeugnissen finden.
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