Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.

Presseberichte

<<Zurück zur Seite Presseberichte  
 
OFFENBACH-POST, 10-01-2005

"360 Geburten, aber nur ein Kind überlebte"
Ausstellung zeigt Schicksale von Frauen in Konzentrationslagern / Erinnerung an "unermessliches Leid" in der Nazi-Zeit


Dreieich (fel)• Es ist nur eines dieser bewegenden Schicksale der Nazi-Zeit, an das die Ausstellung „Frauen im Konzentrationslager 1933 - 1945. Moringen - Lichtenburg - Ravensbrück" in der Stadtbücherei Sprendlingen mit Schautafeln und Biografien erinnern möchte: Eine junge Frau im Alter von 27 Jahren, die kurz vor Kriegsende von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager Ravensbrück nördlich von Berlin gesteckt wird.

Dort im Frauen-KZ soll Ilse Reibmayr, 1917 in Graz geboren, Mitinhaftierten bei der Entbindung helfen. Gerade erst sind 500 schwangere Frauen, die nach dem Warschauer Aufstand im Dezember 1944 verhaftet wurden, eingeliefert worden. Die Erinnerung der KZ-Überlebenden spricht für sich: „In den drei Monaten, von kurz vor Weihnachten bis Ende März, habe ich 360 Geburten begleitet. Von den Kindern hat nur ein einziges überlebt. Seine Mutter aber, eine Österreicherin, ist beim Weitertransport ums Leben gekommen.

Die Wanderausstellung, die gestern im Galerieraum der Bücherei vom „Studienkreis Deutscher Widerstand" und Überlebenden der ,,Lagergemeinschaft Ravensbrück" eröffnet wurde, soll an das „unermessliche Leid" in der Nazi-Zeit vor 60 Jahren erinnern: „Es ist wichtig, dass sich auch die nachfolgenden Generationen mit diesem Thema befassen", betont Stadträtin Renate Borgwald bei ihrer Ansprache. „Die Erinnerungen müssen wach gehalten werden."

Sie hofft, dass sich viele Schulklassen mit den persönlichen Schicksalen der KZ-Frauen beschäftigen. „Auch in unserer heutigen Demokratie müssen wir immer danach streben, dass sich solch eine grausame Zeit nicht wiederholt", ergänzt Borgwald und hat dabei auch die Debatte um Fremdenfeindlichkeit, Toleranz und Integration im Sinn.

Ursula Krause-Schmitt vom „Studienkreis Deutscher Widerstand" unterstreicht, dass dies die einzige Ausstellung ist, die ausschließlich den Widerstand und die Verfolgung von Frauen, die sich nicht "angepasst" verhalten hätten, in den Mittelpunkt rückt. „Drei Orte sind dabei zentral: Die Konzentrationslager in Mohringen, Lichtenberg und Ravensbrück", so Krause-Schmitt.
 

Über das Schicksal von KZ-Frauen informieren 22 Schautafeln
mit Biografien von 51 weiblichen Häftlingen.
Die Ausstellung „Frauen im Konzentrationslager 1933 - 1945"
läuft noch bis 21. Januar in der Stadtbücherei. Foto: El-Cheikh

Auf Schautafeln und durch Ausstellungsvitrinen erhalten die Besucher Informationen über diese Frauen-KZ und ihre Häftlinge, die in politisch oder religiös begründete „Schutzhaft" kamen.

Die Ausstellung lebt von deren Gesichtern und soll verdeutlichen, dass die Nazis nicht nur die Wünsche und Hoffnungen dieser Frauen zerstört haben, sondern auch deren Leben: "Die Überlebenden leiden heute noch unter ihren traumatischen Erinnerungen", betont Krause-Schmitt. „Auch nach 1945 erlitten sie neue Kränkungen, etwa durch die erbitterte Auseinandersetzung über Entschädigungen und die Gesellschaft, die sich nicht wirklich um die Frauen gekümmert hat." Viele trauten sich aus Scham auch heute noch nicht, von ihren Erlebnissen zu berichten. So zum Beispiel eine Frau namens Maria A., die aus Ravensbrück nach Buchenwald überstellt wurde und dort als Zwangsprostituierte arbeiten musste.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 21. Januar und ist zu den üblichen Öffnungszeiten der Stadtbücherei geöffnet.
 

Zum Seitenanfang