Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.

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Neue Westfälische, Herforder Kreisanzeiger (Hiddenhausen/Kreis Herford) 04/05-03-2006

Die Kinder aus Theresienstadt
Ausstellung in der Petrikirche

Herford (heit). Nur 2.440 Kinder haben das Konzentrationslager Theresienstadt überlebt, 2.440 von rund 11.000. Zeichnungen, Gedichte und Texte dieser Kinder sind jetzt in einer bewegenden Wanderausstellung in der Petrikirche am Wilhelmsplatz zu sehen.

Konzipiert wurde die Ausstellung vom Frankfurter „Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945”. „Die Dokumentation des Geschehenen ist uns wichtig”, erklärt Lutz Reimers vom Studienkreis. Die Kinderbilder auf den großen Tafeln erzählen vom Leben in Theresienstadt. Fast dokumentarisch sind Straßenzüge festgehalten, Alltagsszenen oder das „Zimmer 28 im Mädchenwohnheim.” Aus dem Kommentar erfährt man, dass Familien nicht zusammenleben durften. Auch Träume wurden von den Kindern aufgezeichnet, bunte Blumen und Zierfische, oder Erinnerungen an früher wie der familiäre Sederabend.

Die Texte der Kinder geben einen unmittelbar Eindruck in ihre Welt. Nüchtern beschreibend die einen, literarisch die anderen. Verzweiflung klingt durch. „Mein Zuhause fort, mein Zimmer fort, mein Hund fort, mein Spielzeug fort, fort, fort, alles fort.” Gleichzeitig regt sich auch Widerstand. Trotz Verbot gehen die Kinder zur Schule, werden heimlich unterrichtet. Plötzlich hat das Lernen wieder einen Reiz. Die Urheber der Ausstellungsstücke sind meist ebenfalls dokumentiert. In der Konfrontation mit den Namen, dem Alter liegt ein eigener Schrecken: Die Kinder treten aus der Anonymität. Und oft liest man: Abtransport nach Auschwitz, nicht überlebt.

Wolfram Kötter, Pfarrer der Petrikirche, will mit der Ausstellung in seiner Kirche „wachhalten, was verloren geht”. Zum Thema hat er außerdem eine Veranstaltungs- und Gottesdienstreihe vorbereitet, Zeitzeugen werden erzählen. Um die Brücke in die heutige Zeit zu schlagen, sind auch Fotografien von Jürgen Escher zu sehen. „Gewalt an Kindern, wenn auch in anderer Form, geschieht noch immer”, erklärt Kötter. Eschers Bilder zeigen Kinder aus Kriegs-oder Krisengebieten in aller Welt, als „Stolpersteine” sind sie im Kirchraum verteilt.

• Eröffnung am Sonntag, 5. März, 10 Uhr, mit dem Gottesdienst „Schmetterling leben hier nicht” um zehn Uhr.
 

Programm zur Ausstellung

Sonntag, 5. März, 11 Uhr: " „Kinder im KZ Theresienstadt”. Einführung in die Ausstellung.

Mittwoch, 15. März, 11 und 19 Uhr: „Anne Frank - verstecktes Leben”. lm Stadttheater Herford.

Donnerstag, 16. März, 19.30 Uhr: „Mit Erinnerungen heute leben.” Überlebende erinnern sich.

Mittwoch, 22. März, 20 Uhr: „Die Bürde des Gestern wiegt noch heute.” Zwei Generationen im Gespräch.

Samstag, 1. April, 15 Uhr: „Hella, Ellen und Ben T- Geschichten von Angst und Sehnsucht” Für Kinder ab 6.

• Die sonntäglichen Gottesdienste bis zum 2. April haben jeweils ein Thema der Ausstellung als Schwerpunkt.

Leben im KZ: Pfarrer Wolfram Kotter (li.) holte die Ausstellung nach Herford.

Leben im KZ:
Pfarrer Wolfram Kötter (li.) holte die Ausstellung nach Herford. Lutz Reimers hängte
die Tafeln extra schief auf, damit die Erinnerung
nicht erstarrt, sondern in Bewegung bleibt.  
FOTO:HEITHOLT

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