Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.

Presseberichte

<<Zurück zur Seite Presseberichte  
 
GOTHAER TAGESPOST/THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG
14-03-2007

Was es heißt, Tag und Nacht in Angst zu leben
Edith Erbrich erzählt von ihrer Zeit im KZ Theresienstadt

Neudietendorf. (tlz/lys) Es ist nicht leicht, sich als Zeitzeugin hinzustellen und von seinem Leben zu erzählen. Doch Edith Erbrich tut es seit Jahren wieder und wieder. „Es ist wichtig, jungen Menschen von dieser Zeit zu erzählen. Und ich bin es den Kindern schuldig, die das KZ Theresienstadt nicht überlebt haben." Gestern ist die 69-Jährige zu Gast im von-Bülow-Gymnasium Neudietendorf. Der Kontakt kam über das Aktionsbündnis gegen rechte Gewalt zustande.

Sieben Jahre alt war Edith Erbrich, als sie am 14. Fe bruar 1945 mit ihrer Schwester und dem Vater zur Frankfurter Großmarkthalle bestellt und dann auf dem Bahnhof in Viehwaggons verladen wurde. Die Mutter wollte sie in die ungewisse Zukunft begleiten, durfte aber nicht. Sie war Christin, der Vater Jude. „Da mals hab' ich meinen Vati das erste Mal weinen sehen."

Die Schüler der Klasse 7b erfahren auch von ihrer Kindheit vor der Deportation. Sie hören vom offenen Haus ihrer Eltern, in das Freunde zum Spielen kamen und deren Religion keine Rolle spielte. Sie hören, was sich unter den Nationalsozialisten änderte. Wie kontrolliert das Leben wurde und jeder sich in Gefahr begab, der zu jüdischen Familien Kontakt hatte. Die Mädchen durften nicht zur Schule und bei Fliegeralarm nicht in den öffentlichen Bunker. In einer Bombennacht brannte auch ihr das Wohnhaus ab.
 

"Aber ihr habt doch jetzt Pause ..."

"Aber ihr habt doch jetzt Pause ..." - Nach ihrem Vortrag war Edith Erbrich positiv überrascht, weil sich die Schüler gleich um sie scharten und ihr Fotoalbum durchblättern
FOTO: WERNER


Was ein Leben in ständiger Angst heißt, was hungrig sein bedeutet, das führt sie den Gymnasisten vor Augen. Sie schildert den entwürdigenden Alltag im KZ. „Ich habe in Theresienstadt meine Freunde, meine Kindheit und meinen Großvater verloren."

Die Schüler hören von der Befreiung und den wochenlangen Nachhauseweg. Und erfahren, wie sie als Rentnerin über den Studienkreis Deutscher Widerstand dazu kam, ihre Erlebnisse für den Katalog zur Wanderausstellung „Kinder im KZ Theresienstadt" aufzuschreiben und an Schulen zu gehen. Das Aktionsbündnis gegen rechte Gewalt möchte die Ausstellung möglichst noch in diesem Jahr nach Gotha holen.


Zum Seitenanfang