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FRANKFURTER RUNDSCHAU, 02-05-2007 |
Wettlauf gegen die Zeit
Dokumente des Studienkreises Deutscher Widerstand verfallen / Tag der
offenen Tür
Das Dokumentationsarchiv des Studienkreises Deutscher Widerstand
1933-1945 öffnete seine Türen. Seit 40 Jahren wirkt die Initiative gegen
das Vergessen und archiviert Lebensgeschichten von Widerstandskämpfern.
WESTEND - Viele Zeitzeugen, die im Nationalsozialismus Widerstand
leisteten, kommen in der Geschichtsschreibung nicht vor. Sie starben,
bevor Widerstandsforscher ihre Arbeit aufnahmen. Zahlreiche Biografien
wären verschüttet, gäbe das Dokumentationsarchiv des Studienkreises
Deutscher Widerstand 1933 bis 1945 im Frankfurter Westend nicht. "Wir
haben früh angefangen, Zeitzeugen aus dem antifaschistischen Widerstand
über ihr Leben zu befragen, um gegen das Verdunkeln der Geschichte
anzugehen", sagt Christoph Jetter, ehemaliges Vorstandsmitglied. Durch das
"Wirtschaftswunder" und kollektives Verdrängen sei die
Erinnerungskultur Jahrzehnte lang blockiert worden, ergänzt Thomas
Altmeyer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Einrichtung.
Befragung von Zeitzeugen
Kürzlich stellte der Studienkreis in der Bibliothek,
Rossertstraße 9, seine Arbeit vor. Er hatte sich im Februar 1967 nach
einer Frankfurter Konferenz von Erziehungswissenschaftlern und Historikern
gegründet. Deren Anliegen war, die Geschichtsvermittlung an Schulen zu
demokratisieren. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten der Politologe
Wolfgang Abendroth, Oskar Müller, einer der Väter der Hessischen
Verfassung, sowie der Philosoph Heinz Joachim Heydorn.
Zehn Jahre später begannen Gewerkschafter des DGB Hessen, Zeitzeugen zu
ihrer Lebensgeschichte zu befragen. Sie begannen, diese Ausführungen mit
Schreibmaschine zu tippen und zu kopieren. So schildert Jetter die Anfänge
der "Oral History" und des Archivs in der Rossertstraße. Ziel sei gewesen,
vor allem den kaum beachteten politischen Widerstand der Arbeiterbewegung
zu dokumentieren. Er sei im Gegensatz zum jüdischen und christlichen
Widerstand von der Forschung vernachlässigt worden, erklärt Altmeyer den
Besuchern.
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Bild: Christoph Boeckheller
Thomas Altmeyer (Mitte) vom
Studienkreis Deutscher Widerstand zeigt Besuchern aufgeschriebene
Erinnerungen von Nazi-Gegnern |
Im Archivbestand befinden sich verstaubte Kassetten
mit Interviews, die nur teilweise verschriftlicht und auf
Computerdateien gesichert sind. Bis unter die Decke stapeln sich
Archivkästen mit Dokumenten, darunter Todesurteile, Lebensläufe,
Entschädigungsakten sowie Schriftstücke der
Süddeutschen Ärzte- und Sanitätshilfe und der Centrale Suisse
Sanitaire, die nach 1945 für Opfer des Faschismus Kuren
organisierten. "Wir arbeiten gegen die Zeit an, die Schrift droht zu
verblassen", so Altmeyer.
Besucher kritisierten die ihrer Meinung nach zu geringe Förderung
der Stadt. Eine halbe Stelle reiche nicht aus, um die Daten vor dem
Verfall zu retten. "Das Wissen vom Aufstand gegen Ungerechtigkeit
wird später nie wieder neu zu beschaffen sein", sagt Maria del
Carmen Gonzales. |
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Gitta Düperthal
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