Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.

Presseberichte

<<Zurück zur Seite Presseberichte  
 
FRANKFURTER NEUE PRESSE, 24-09-2003

Jugendbücherei Bornheim stellt Werke von Kindern aus dem KZ Theresienstadt aus
Gedichte aus einer dunklen Zeit


Bornheim. Viele der ausgestellten Bilder sind überraschend bunt, zeigen herrlich grüne Wiesen und bunte Blumen. Andere sind grau und stellen den Alltag der jungen Künstler dar. Gezeigt werden die sehr gegensätzlichen Bilder bis zum 2. Oktober in der Kinder- und Jugendbücherei Bornheim. Dort wurde jetzt die kleine, aber ein drucksvolle Wanderausstellung „Kinder im KZ Theresienstadt - Zeichnungen, Gedichte, Texte" eröffnet. Erstmals wurde dabei auch der neue Ausstellungskatalog präsentiert.

„Wir wollen den Blick vor allem auf die Menschen- und besonders die Kinderrechte werfen, wie etwa ein Zuhause, Freunde, und Zeit zum Spielen", sagt Ursula Krause Schmitt, Mitredakteurin des Katalogs. Und dass Kinder nicht wegen Herkunft, Religion oder Hautfarbe diskriminiert werden dürften. Die Ausstellung zeige, wie in der NS-Zeit einer großen Gruppe ihr Recht auf Leben genommen worden sei. Dabei kämen nun endlich die Kinder von damals selbst zu Wort.

Neben den ausgestellten Texten und Bildern enthält der Katalog auch Interviews mit Überlebenden des Lagers Theresienstadt. Dabei handelt es sich um das Ehepaar Gertrud und Erich Rohan, das heute in der Nähe von Frankfurt lebt, und die in Frankfurt geborene Edith Erbrich, geborene Bär. Auch heute noch fällt es ihnen oftmals schwer, über die Ereignisse von damals zu berichten. Als Frau Ebrich erzählt, wie die damals Achtjährige nach der Befreiung des Lagers ihre alte Großmutter in der Siechenhalle des Lagers fand, versagt ihr für einen Moment die Stimme. Das Schicksal des Großvaters blieb damals unbekannt, erst 1995 entdeckte sie bei einem Besuch der heutigen Gedenkstätte das Gewissheit bringende Grab.

Die meisten erhaltenen Originalzeichnungen und -gedichte sind heute im Jüdischen Museum in Prag zu sehen. Für die Ausstellung wurden die Exponate nach thematischen Schwerpunkten geordnet: Diskriminierung und Deportation, Ankunft in Theresienstadt und Trennung von den Familien sowie die Bemühung der Insassen, den Kindern das Leben zu erleichtern. Von vielen der jungen Künstler sind kaum Daten bekannt, oft nur der Name, Geburtsdatum, Ankunft im Lager und Deportation. „Von den mehr als 11000 Kindern in Theresienstadt haben lediglich 1000 überlebt", fast Krause-Schmitt das Morden zusammen. Zusammengestellt wurde die Wanderausstellung vor zweieinhalb Jahren. „Seitdem wurde sie in ganz Deutschland gezeigt und war auch schon in Dänemark zu sehen", sagt Hartmut Mohr, Vorstandsmitglied des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933-1945.

Edith Erbrich, Gertrud und Erich Rohan (v.l.) erzählten von der Verfolgung durchs NS-Regime. Ihr Schicksal bewegte. Foto: Weiss

Edith Erbrich, Gertrud und Erich Rohan (v.l.)
erzählten von der Verfolgung durchs NS-Regime.
Ihr Schicksal bewegte. Foto: Weiss

Zur Ausstellungseröffnung in Bornheim war auch die Klasse 9c der Ernst-Reuter Schule gekommen. Von den Erzählungen der Schwestern Hella Uhrig und Edith Erbrich, die 1945 im Alter von zwölf und acht Jahren nach Theresienstadt kamen, waren sie sichtlich aufgewühlt. „Man sitzt irgendwie sprachlos da, wenn man diese Geschichten direkt erzählt bekommt", erzählt Annette Kuba. Zur Vorbereitung hätten sie auch den Film „Schindlers Liste" gesehen. Auf Grund des Wissens um die Schrecken, die die Opfer erleben mussten, sei es ihnen sehr schwer gefallen, Fragen zu formulieren. „Wir wussten nicht, was wir ihnen zumuten dürfen, ohne respektlos zu sein", wendet Annette Kuba sich an die Schwestern. Inzwischen, so beruhigt Edith Erbrich, könnten sie beide recht frei darüber reden. „Vor 20 Jahren war das noch anders." Geholfen habe Ihnen, dass sie 1995 einen Leidensgenossen kennen gelernt hätten, der das von ihnen Erlebte bestätigte. Doch erst jetzt hätten sie die Kraft gefunden, mit dem Erlebten auch an die Öffentlichkeit zu gehen. (hau)
 

Zum Seitenanfang