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FRANKFURTER NEUE PRESSE, 24-09-2003 |
Jugendbücherei Bornheim stellt
Werke von Kindern aus dem KZ Theresienstadt aus
Gedichte aus einer dunklen
Zeit
Bornheim. Viele der ausgestellten Bilder sind
überraschend bunt, zeigen herrlich grüne Wiesen und bunte
Blumen. Andere sind grau und stellen den Alltag der jungen
Künstler dar. Gezeigt werden die sehr gegensätzlichen Bilder bis
zum 2. Oktober in der Kinder- und Jugendbücherei Bornheim. Dort
wurde jetzt die kleine, aber ein drucksvolle Wanderausstellung
„Kinder im KZ Theresienstadt -
Zeichnungen, Gedichte, Texte" eröffnet. Erstmals wurde
dabei auch der neue Ausstellungskatalog präsentiert.
„Wir wollen den Blick vor allem auf die Menschen- und besonders
die Kinderrechte werfen, wie etwa ein Zuhause, Freunde, und Zeit
zum Spielen", sagt Ursula Krause Schmitt, Mitredakteurin des Katalogs. Und dass Kinder nicht
wegen Herkunft, Religion oder Hautfarbe diskriminiert werden
dürften. Die Ausstellung zeige, wie in der NS-Zeit einer großen
Gruppe ihr Recht auf Leben genommen worden sei. Dabei kämen nun
endlich die Kinder von damals selbst zu Wort.
Neben den ausgestellten Texten und Bildern enthält der Katalog
auch Interviews mit Überlebenden des Lagers Theresienstadt.
Dabei handelt es sich um das Ehepaar Gertrud und Erich Rohan,
das heute in der Nähe von Frankfurt lebt, und die in Frankfurt
geborene Edith Erbrich, geborene Bär. Auch heute noch fällt es
ihnen oftmals schwer, über die Ereignisse von damals zu
berichten. Als Frau Ebrich erzählt, wie die damals Achtjährige
nach der Befreiung des Lagers ihre alte Großmutter in der Siechenhalle des Lagers fand, versagt ihr für einen Moment
die Stimme. Das Schicksal des Großvaters blieb damals unbekannt,
erst 1995 entdeckte sie bei einem Besuch der heutigen Gedenkstätte das Gewissheit bringende Grab.
Die meisten erhaltenen Originalzeichnungen und -gedichte sind
heute im Jüdischen Museum in Prag zu sehen. Für die Ausstellung
wurden die Exponate nach thematischen Schwerpunkten geordnet:
Diskriminierung und Deportation, Ankunft in Theresienstadt und
Trennung von den Familien sowie die Bemühung der Insassen, den
Kindern das Leben zu erleichtern. Von vielen der jungen Künstler
sind kaum Daten bekannt, oft nur der Name, Geburtsdatum, Ankunft
im Lager und Deportation.
„Von den mehr als 11000 Kindern in Theresienstadt haben
lediglich 1000 überlebt", fast Krause-Schmitt das Morden
zusammen. Zusammengestellt wurde die Wanderausstellung vor
zweieinhalb Jahren. „Seitdem wurde sie in ganz Deutschland
gezeigt und war auch schon in Dänemark zu sehen", sagt Hartmut
Mohr, Vorstandsmitglied des Studienkreises Deutscher Widerstand
1933-1945.
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Edith Erbrich, Gertrud und
Erich Rohan (v.l.)
erzählten von der Verfolgung durchs NS-Regime.
Ihr Schicksal bewegte. Foto: Weiss |
Zur
Ausstellungseröffnung in Bornheim war auch die Klasse 9c der
Ernst-Reuter Schule gekommen. Von den Erzählungen der Schwestern
Hella Uhrig und Edith Erbrich, die 1945 im Alter von zwölf und
acht Jahren nach Theresienstadt kamen, waren sie sichtlich
aufgewühlt. „Man sitzt irgendwie sprachlos da, wenn man diese
Geschichten direkt erzählt bekommt", erzählt Annette Kuba. Zur
Vorbereitung hätten sie auch den Film „Schindlers Liste"
gesehen. Auf Grund des Wissens um die Schrecken, die die Opfer
erleben mussten, sei es ihnen sehr schwer gefallen, Fragen zu
formulieren. „Wir wussten nicht, was wir ihnen zumuten dürfen,
ohne respektlos zu sein", wendet Annette Kuba sich an die
Schwestern. Inzwischen, so beruhigt Edith Erbrich, könnten sie
beide recht frei darüber reden. „Vor 20 Jahren war das noch
anders." Geholfen habe Ihnen, dass sie 1995 einen
Leidensgenossen kennen gelernt hätten, der das von ihnen Erlebte
bestätigte. Doch erst jetzt hätten sie die Kraft gefunden, mit
dem Erlebten auch an die Öffentlichkeit zu gehen. (hau)
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