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ECKERNFÖRDER ZEITUNG
23-01-2007 |
Freiheit - einen Tag vor dem Gang in die Gaskammer
Einen ganz besonderen Abend zum Gedenken an die Opfer des
Nationalsozialismus erlebten Besucher der Kirchengemeinde Altenholz.
Altenholz - Auf dem Altar im Eivind-Bergrav-Zentrum brennen Kerzen,
daneben ein Strauß gelber Tulpen, und unten auf den Stufen flackert das
Licht der Menora, des siebenarmigen Leuchters, als Symbol für das
Judentum. Dazu einige Augenblicke Klezmer - weinende jüdische Musik mit
der Klarinette von Ulrich Lehna. Dann erzählt Edith Erbrich, was sie, am
28. Oktober 1937 in Frankfurt am Main als Edith Bär geboren, als Kind
einer katholischen Mutter und eines jüdischen Vaters während der NS-Zeit
in Frankfurt und später im Konzentrationslager in Theresienstadt erlebt
hat. Immer wieder macht die 69 Jährige kleine Pausen, atmet schwer. Doch
sie wirkt heute stark, wenn sie davon spricht, wie es war, als sie als
„Mischling" den Judenstern tragen musste, nicht zur Schule gehen und nicht
mit ihren Freundinnen spielen durfte.
Man verspürte ihre Angst, als sie am 14. Februar 1945 mit dem Vater und
der älteren Schwester nach Theresienstadt deportiert wurde. Das Gefühl,
als sie die Hand der Mutter loslassen musste, habe sie nie vergessen, sagt
sie. Denn die Mutter durfte nicht mit. „Da habe ich meine Mutter das erste
Mal weinen sehen." Bilder, die in ihrem Gedächtnis so lebhaft geblieben
sind. Die Riegel vom Wagon hört sie heute noch zugehen. Sie bewundert die
Mutter, die sich nie scheiden lassen hat, auch nicht nach vier Wochen
Beugehaft, wie sie nach 60 Jahren im hessischen Staatsarchiv heraus
gefunden hat. Dann erzählt Edith Erbrich von den demütigenden Behandlungen
im Sammel- und Durchgangslager Theresienstadt. Als man ihr die schönen
Haare abschnitt, sie vom Vater und später von der großen Schwester
trennte. Ständig war da die Angst, den Vater und die Schwester nie mehr
wieder zu sehen, der Hunger, und sie wurde Tag und Nacht beobachtet.
Dann kam der Tag der Befreiung in der Nacht zum 8. Mai 1945 - einen Tag,
bevor sie in Auschwitz vergast werden sollten. Wochenlang waren sie
unterwegs nach Hause zur Mutter. Eine Lehrerin mit viel
Einfühlungsvermögen und vor allem die Gespräche mit ihrer Schwester halfen
ihr, das Erlebte zu verarbeiten. Zu Hause wurde auch später nie über diese
Zeit gesprochen. „Ich hätte so viele Fragen gehabt", sagt Edith Erbrich.
„Aber wir sollten das Thema ruhen lassen. Das haben wir respektiert."
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Berichtete über ihre grausamen Kindheitserlebnisse:
Edith Erbrich
FOTO: LAUTERBACH |
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