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Widerstand ohne Volk
Operation Walküre – Symbol des Aufstandes des Gewissens
/ Von Sara Pollege
Es gab ihn, den deutschen Widerstand zur nationalsozialistischen
Zeit. Und um nicht zu denken, dass der Widerstand und die
Opposition der Deutschen gegen das NS-Regime nur Filmmaterial
für einen Hollywood-Blockbuster waren, sondern eine geschichtliche
Tatsache, fand in der vergangenen Woche im Rumänischen
Kulturinstitut (ICR) eine Konferenz zu dem Thema statt. Organisiert
von der Deutschen Botschaft und dem ICR, fanden sich an diesem
Abend viele Persönlichkeiten ein, um über das Thema
zu debattieren. Der Publizist Emil Hurezeanu, Holger Scherf,
Stellvertretender Leiter der Deutschen Botschaft in Bukarest,
Thomas Altmeyer vom Studienkreis Deutscher Widerstand, Professor
Mihai Chioveanu, Horia-Roman Patapievici, Leiter des ICR,
und Dan Croitoru nahmen an der Tischrunde teil. Im Mittelpunkt
der Konferenz stand Claus von Stauffenberg, welcher den gescheiterten
Staatsstreich vom 20. Juli 1944 ausführte, die sogenannte
Operation Walküre.
Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg, so sein
kompletter Name, war eine der zentralen Figuren bei dem Attentat
auf Hitler. Von Stauffenberg, ein konservativer Patriot, sympathisierte
zunächst mit dem NS-Regime, aufgrund des verbrecherischen
Charakters und der Hoffnungslosigkeit der militärischen
Lage des nationalsozialistischen Regimes fand er jedoch zum
aktiven Widerstand. So kam es dazu, dass von Stauffenberg,
Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres, eine entscheidende
Rolle bei der Operation Walküre spielte. Das gescheiterte
Attentat hatte seinen Tod zur Folge.
Holger Scherf betonte die Wichtigkeit dieses Ereignisses,
welches bis heute von großer Bedeutung ist und als Symbol
für den „Aufstand des Gewissens“ steht. Thomas
Altmeyer verwies in seiner Powerpoint-Präsentation auf
die Verschiedenartigkeit der Gruppen, die in den Widerstand
gingen. So gab es nicht nur eine militärische Opposition,
sondern auch Kirche, Gewerkschaften, Sozialdemokraten und
die kommunistische Partei, ebenso wie Frauen, Jugendliche
und Juden versuchten gegen das verbrecherische Regime anzukämpfen.
Insgesamt wurden 42 Attentate auf Hitler ausgeführt,
er überlebte alle wie durch ein Wunder. Operation Walküre
kam einem Erfolg jedoch am nächsten. Hätte die Aktentasche
mit der Bombe, welche Stauffenberg zur Konferenzbesprechung
in die Baracke bei Rastenburg in Ostpreußen einschmuggelte,
nicht vor einem stabilen Tischfuß gestanden, welcher
die Detonation schwächte, so wäre Hitler nicht nur
mit leichten Verletzungen davongekommen. So kam es dazu, dass
der lange und gründlich vorbereitete Plan, welcher von
Gerneral Friedrich Olbrich, Oberst Albrecht Ritter Mertz von
Quirnheim, Henning von Tresckow und Claus von Stauffenberg
ausgearbeitet wurde, scheiterte.
Trotzdem sind Claus von Stauffenberg und die Operation Walküre
in die Geschichte eingegangen. Das Attentat ist ein Beispiel
für Zivilcourage und Moral, wobei Altmeyer betonte, dass
der Widerstand nicht nur aus dem militärischen Milieu
kam, sonder aus vielen verschiedenen Gesellschaftsschichten.
Dass es keinen gemeinsamen Maßstab gab, keine Einheit,
die zur Überwindung der Konfliktgrenzen zwischen den
einzelnen Widerstandsgruppen führte, sei seiner Meinung
auch der Grund dafür, warum der Widerstand erfolglos
blieb. Weiter erwähnte er auch, dass sich nur eine Minderheit
der deutschen Bevölkerung für den Widerstand entschied.
„Die Deutschen waren kein Widerstandsvolk, es war eher
ein Widerstand ohne Volk.“ Er verwies auch darauf, Filme
mit Vorsicht zu genießen. Die meisten seien keine historischen
Dokumente, sondern dienen zur Unterhaltung. So weisen viele
Filme, wie auch „Operation Valkyrie“ mit Tom Cruise
als Hauptdarsteller, Fehler auf.
Prof. Mihai Chioveanu erläuterte die Schwachpunkte des
deutschen Widerstandes. Auch wenn er die Zivilcourage der
einzelnen Personen bewundernswert fand, so sollte man auch
den Bewegungsgrund eines jeden Attentäters hinterfragen,
denn nicht alle hatten ideologische Gründe. Der Widerstand
in Deutschland hatte es nicht leicht, kein Aufständler
kam ohne Strafe davon. Alle wurden beseitigt, sodass es keine
Unruhestifter mehr gab, die andere mitreißen konnten.
Der wirkliche Widerstand habe erst nach Stalingrad begonnen.
Der interessante Abend endete mit einer Filmvorführung
des ZDF-Dokumentarfilms über das Leben von Stauffenberg
und mit Ausschnitten aus dem Kinofilm „Operation Valkyrie“,
um den Zuhörern auch vor Augen zu führen, wovon
in den letzten Stunden gesprochen wurde. Der Widerstand zeigt,
dass nicht alle Deutschen Nazis waren und dass es Menschen
mit Gewissen gab. Zivilcourage war zu dieser Zeit eine Seltenheit,
die viel Mut voraussetzte. |