"informationen" Nr. 67, Mai 2008
Editorial
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In diesen Tagen jährt sich ein Ereignis zum 75. Mal, das
symbolhaft für den Beginn der Barbarei der Nationalsozialisten steht: die
Bücherverbrennungen. Im Frühjahr 1933 wurde in die Flammen geworfen, was nicht
mehr gelesen, erinnert und gedacht werden sollte. Die Werke der besten deutschen
Literaten und Wissenschaftler gingen in Flammen auf. Es waren vor allem
Studenten, die auf Marktplätzen und vor Universitäten die Scheiterhaufen
auftürmten und die Bücher herbeischafften. Angesichts den lodernden Flammen
fühlten sie sich als Wegbereiter einer „neuen Zeit", als Hoffnungsträger. Sie
wollten die Hochschulen „säubern" und umkrempeln und später das Leben - ihres
und das der ganzen Nation.
In ähnlichen Worten äußerte sich Götz Aly über eine andere Studentengeneration.
Der renommierte, immer streitbare Historiker will bei den „68ern" denselben
Utopismus, dieselbe Radikalität festgestellt haben. In seinem neuen Buch „Unser
Kampf 1968" stellt er gewagte Thesen auf: Der Aufbruch der Studenten 1968 habe
dem ihrer Väter von 1933 aufs Haar geglichen. Vor allem der Hang zu totalitärem
Denken und Handeln vereine die beiden Generationen. Aly erntete Widerspruch von
vielen Seiten. Mag sein, dass es an der Oberfläche gewisse Ähnlichkeiten des
studentischen Aufbegehrens von „1933" und „1968" gebe, aber die politischen
Motive der Aktivisten seien doch gänzlich andere, stellen seine Kritiker klar.
Auch diese Ausgabe der informationen kann dazu beitragen, den Blick zu schärfen:
Sie widmet sich den Wissenschaften in der NS-Zeit. Die Beiträge von Michael
Grüttner und Ludwig Elm zeigen, dass Professoren, Dozenten und Studenten die
Machtübernahme der Nationalsozialisten durchaus nicht nur aus ideologischen
Motiven begrüßten: Die Vertreibung der jüdischen und politisch missliebigen
Professoren machte viele Stellen frei - junge Dozenten rückten nach und kamen
auf der akademischen Karriereleiter voran.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft, der
Vorläuferin der Max-Planck-Gesellschaft, die Rüdiger Hachtmann in seinem Beitrag
analysiert. Hier reichten die Reaktionen auf die neuen Verhältnisse von
Opportunismus bis zu offenem Entgegenkommen. Und wollen Ingenieure, Techniker
und Naturwissenschaftler nicht lediglich immer nur die besten Bedingungen für
ihre Forschungen? Die genannten Beiträge, aber auch der von André Wilkening über
die Entwicklungen im Fachbereich der Nordistik, blicken aber auch auf
Kontinuitätsfragen nach dem Ende der NS-Zeit. Gleiches gilt für das Interview
mit Heinz Düx, der die Versäumnisse der Juristen in der Verfolgung von
NS-Verbrechen beleuchtet.
Einen weiteren Schwerpunkt des Heftes bildet die Erinnerungsarbeit - diesmal mit
Hilfe sehr unterschiedlicher Medien. Anlässlich des demnächst anlaufenden
Stauffenberg-Films „Walküre", der schon im Vorfeld für Furore sorgte - vor allem
wegen seines Hauptdarstellers und Produzenten, des bekennenden Scientologen Tom
Cruise -, untersucht Thomas Altmeyer die bisher vorliegenden filmischen
Bearbeitungen über den militärischen Widerstand des 20. Juli 1944. Sandra Schulz
erläutert die Arbeit des Kölner Künstlers Günter Demnig, der mit seinen
„Stolpersteinen" schon in vielen Städten auf ermordete NS-Verfolgte aller
Opfergruppen aufmerksam gemacht hat.
Schließlich stellt Cora Mohr auf der hier gegenüberliegenden Seite das jüngste
Forschungsprojekt des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933-1945 vor:
„Frauenprojekt. Frankfurt - Ravensbrück".
Die Arbeit wird dazu beitragen, Verfolgung und Widerstand sehr konkret zu
verorten - und kann damit sicher Beispiel für ähnliche Forschungen in anderen
Regionen sein.
Die Redaktion hofft, dass auch diese Ausgabe der informationen viel Stoff zum
Nachdenken bietet, aber auch zum Mitreden in den aktuellen, oft verwirrenden und
nicht selten verwirrten Diskussionen über unsere Vergangenheit.
Die Redaktion
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