Nachdem in den vergangenen
Ausgaben der informationen regelmäßig Beiträge zu unterschiedlichen Aspekten des
Systems der Konzentrationslager erschienen sind, haben wir uns entschlossen, in
der nun vorliegende Ausgabe diese Thematik in den Mittelpunkt zu stellen und
damit verschiedenen, oft wenig erforschten Aspekten mehr Aufmerksamkeit zu
schenken.
- Jens-Christian Wagner beleuchtet in seinem Beitrag den
Überlebenskampf und das widerständige Verhalten der KZ-Häftlinge in
Mittelbau-Dora. Geleitet wird sein Beitrag durch die Frage, ob der Widerstand in
Mittelbau-Dora durch die KPD angeführt worden war - eine Aussage, die in der
DDR-Publizistik weit verbreitet war.
- Ob Häftlinge in den Konzentrationslagern eine „eigene"
Sprache sprachen und welche Form diese annahm, ist Thema des Beitrages von
Nicole Warmbold. Mit ihrer Forschungen zur Lagersprache in den
Konzentrationslagern Sachsenhausen, Dachau und Buchenwald greift sie ein bis
heute wenig beachtetes Thema auf.
- Die Häftlinge des KZ Lichtenburg stehen im Mittelpunkt
des Beitrages von Sven Langhammer. Er beschreibt in diesem Zusammenhang nicht
nur die Zusammensetzung der hessischen Häftlingen in der Lichtenburg, sondern
auch, welche frühen Konzentrationslager Anfang der 1930er Jahre für das heutige
Hessen zuständig waren.
- Gegen die Meinung, dass bezüglich der
Konzentrationslager alles gesagt sei, bezieht Katja Sabisch Position. Sie geht
in Ihrem Beitrag der soziologischen Bedeutung des medizinischen Versuchs in den
Krankenrevieren der Konzentrationslager nach.
- Mit dem Konzentrationslager Dachau aufs Engste
verknüpft ist die Biografie von Pater Leonhard Roth, die Franz Pawelka
vorstellt. Sein Beitrag bildet somit auch eine Fortsetzung der letzten Ausgabe
der informationen zum Thema „Kirche zwischen Zustimmung, Anpassung und
Widerstand". Roth war KZ-Häftling in Dachau, Pfarrer im dortigen
Internierungslager und setzte sich für die Einrichtung einer KZ-Gedenkstätte
ein.
Ebenfalls biografisch angelegt, jedoch nicht mehr zum
Themenschwerpunkt gehörend, ist der Beitrag von Christoph von Weitzel über den
deutsch-amerikanischen Maler Franz Herda und sein couragiertes Verhalten im
München der 1930er Jahre.
Ludwig Elm wendet sich in seinem Beitrag der Zeit nach
1945 zu und analysiert die Geschichtspolitik der frühen Bundesrepublik unter
Adenauer.
Protest und Widerstand gegen die NS-„Euthanasie" und
pädagogische Arbeit mit Menschen mit Lernschwierigkeiten stehen im Mittelpunkt
der Betrachtungen von Uta George und Bettina Winter. Ihr Beitrag liefert
wichtige Anregungen für die historisch-politische Bildungsarbeit.
Abgerundet werden die informationen durch eine Würdigung
zum 100. Geburtstag von Hans Schwert, verfasst von Ulrich Schneider und dem
traditionellen Rezensionsteil sowie der Rubrik „Wieder gelesen". Für letztere
hat Jana Mikota Hilsenraths Roman „Der Nazi und der Friseur" wiederentdeckt.
Die Redaktion