Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.

"informationen" Nr. 64, November 2006 
Im griechischen Widerstand – Ein Gespräch mit Manolis Glesos

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Manolis Glesos, 1922 geboren, ist Präsident des „Griechischen Nationalkomitees für die Entschädigungsforderungen an Deutschland“. Er wurde zur Symbolfigur des griechischen Widerstandes, seit er im Mai 1941 unter den Augen der deutschen Wachmannschaft gemeinsam mit einem Widerstandsgefährten die deutsche Reichskriegsflagge von der Akropolis holte. Manolis Glesos lebt in Athen und hat vor kurzem eine zweibändige Geschichte des griechischen Widerstandes veröffentlicht.

Wir danken Damianos Vassiliadis, Sprecher des Nationalkomitees für die Entschädigungsforderungen, dass er unsere Fragen und die Antworten von Manolis Glesos übersetzt hat.
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Lieber Manolis Glesos, in der deutschen Öffentlichkeit ist über die Okkupation Griechenlands 1941 bis 1944 wenig bekannt, noch weniger über die damals von der Wehrmacht, von SS-Truppen und von der deutschen Militär- und Zivilverwaltung begangenen Besatzungsverbrechen. Auch vom antifaschistischen Widerstand und
dessen Verankerung in der griechischen Bevölkerung wissen nur wenige.
Wann und wie hat der griechische Widerstand gegen die faschistische Okkupation begonnen, in welchen Stationen hat er sich bis zur Befreiung entwickelt?

Der nationale Widerstand des griechischen Volkes in den Jahren 1941–1944 stellt – nach der Erhebung der Griechen gegen die Türken im Jahre 1821 – den zweiten Höhepunkt in der neuesten griechischen Geschichte dar. Er begann mit der Abwehr des faschistischen Angriffs der Italiener am 28. Oktober 1940
2 und ging ohne irgendeine Anordnung staatlicher Macht im Wortsinn direkt vom griechischen Volk aus. Der Widerstand lässt
sich in drei chronologisch und qualitativ getrennte Abschnitte, je nach den Existenzphasen des griechischen Staates, einteilen:
Für den ersten Abschnitt (1940–1941) hat sich die Bezeichnung „Heldenepos 1940–1941“ eingebürgert. Trotz der Existenz eines mächtigen, eines faschistischen Staates („Staat des 4. August“)
3, entwickelt sich ein allgemeiner Volkswiderstand gegen die Aggressoren – zuerst gegen die italienischen Angreifer vom 28. Oktober
1940 an, als Mussolinis Truppen in Griechenland einfielen, und dann gegen die Okkupation Hitler-Deutschlands vom 6. April 1941 an, dem Tag des Überfalls der deutschen Wehrmacht.
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Während des zweiten Abschnitts (1941) erweiterte sich der Widerstand in einem ungeahnten Ausmaß („Schlacht um Kreta“), obwohl das diktatorische Regime unterging und die griechische Regierung in den Nahen Osten floh5. Es handelt sich um eine historische Premiere: ein Volk in seiner Gesamtheit leistete einer angreifenden fremden Macht Widerstand.
Der dritte Abschnitt (1941–1945) brachte nochmals eine Steigerung: der nationale Widerstand fand organisierte, kollektive Formen und entfaltete sich erfolgreich bis hin zur Befreiung und bis zur Bildung eines  neuen griechischen Staates.

Du selbst warst Mitglied des Widerstandes – im Rahmen welcher Organisation warst Du aktiv, und wie sahen
Eure Aktivitäten aus?

Als Mitglied einer patriotisch-antifaschistischen Gruppe ohne einen bestimmten Namen, die sich bereits im Jahre 1938 an einem Athener Gymnasium gebildet hat, habe ich vom ersten Tag der Okkupation an am Widerstand teilgenommen. Im Herbst 1941 sind die Mitglieder unserer Gruppe der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) beigetreten und haben im Rahmen der Nationalen Befreiungsfront (EAM) in der Panhellenischen Jugendorganisation (EPON) und in der Griechischen Volksbefreiungsarmee (ELAS) mitgearbeitet. Meine Aufgaben betrafen politisch-ideologische und Organisationsfragen, am bewaffneten Kampf war ich ebenfalls beteiligt. Wegen meiner Zugehörigkeit zum Widerstand wurde ich in Abwesenheit zum Tode verurteilt. 1942 inhaftierte mich die deutsche Besatzung einen Monat lang, 1943 die italienische Besatzung drei Monate lang und im Jahr 1944 steckten mich die griechischen Kollaborateure für die Dauer von acht Monaten ins Gefängnis.

Welche politischen Bündnisse gab es im Widerstand? Haben diese Bündnisse bis zur Befreiung oder gar über die Befreiung hinaus gehalten oder kam es zur Aufspaltung?

Hierzu eine doppelte Antwort, zunächst für den politischen Bereich: Bündnisse gab es zwischen den linken Organisationen, nämlich der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), der Bauernpartei Griechenlands (AKE), der Sozialistischen Partei Griechenlands (SKE) und der Vereinigung der Volksdemokratie (ELD). Diese Organisationen bildeten am 27. September 1941 die Nationale Befreiungsfront (EAM), die über die Befreiung hinaus lebendig blieb. Außerdem arbeiteten zehn Jugendorganisationen der Linken zusammen, die am 23. Februar 1943 die gemeinsame Panhellenische Jugendorganisation (EPON) bildeten. Auch sie existierte bis nach der Befreiung. Am 20. März 1943 haben dann die bürgerlichen Parteien und einige andere Organisationen die Demokratische Freie Front (EDEM) konstituiert, die sich aber schon wieder im Mai 1943 aufgelöst hat. Schließlich ist Mitte des Jahres 1943 der Nationale Bund der Hochschulen (ESAS) entstanden, in Saloniki trat eine weitere Hochschulorganisation hinzu. Die von den Universitäten ausgehenden Aktivitäten fanden mit der Befreiung ihr Ende. Nun zum militärischen Bereich: Am 5. Juli 1943 kam es zur Unterzeichnung einer Abmachung, die den gemeinsamen Generalstab der Partisanen ins Leben rief. Er wurde von vier Widerstandsorganisationen, EAM, ELAS sowie EDES (Nationaler Demokratischer Griechischer Verband) und EKKA (Nationale und Soziale Befreiung) gebildet. Der gemeinsame Generalstab löste sich jedoch schon im Januar 1944 wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten wieder auf. Leider hat diese Spaltung der Widerstandsorganisationen den in Griechenland operierenden englischen Truppen die Möglichkeit für ihre dann erfolgte Intervention geliefert.
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Wie lässt sich das Verhältnis zwischen der Zivilbevölkerung der Städte und Dörfer und den kämpfenden Partisanen beschreiben?

Die Beziehung der Landbevölkerung wie der Stadtbewohner zu den Widerstandsorganisationen und ihren bewaffneten Kräften war vertrauensvoll und stabil. Das lässt sich leicht erklären: die Widerstandsbewegung ist, wie schon erwähnt, aus dem Volk hervorgegangen und war in der Bevölkerung verankert. Außerdem galt auch für uns die Grundregel, dass keine politische Widerstandsorganisation auf Dauer erfolgreich existieren und operieren kann, wenn sie keine Informationen, keinen Proviant und keine medizinische Versorgung erhält und
wenn sie vom Nachschub abgeschnitten ist. Diese lebensnotwendige Zuarbeit kann und konnte nur von der Zivilbevölkerung geleistet, getragen und gewollt werden – und hierauf konnten wir uns verlassen.

Gab es Widerstandsaktionen, Rettungsversuche angesichts der Deportation der griechischen Juden?

Gewiss. Alle Widerstandsorganisationen versuchten, den griechischen Juden beizustehen und ihnen vor allem klar zu machen, dass sie sich nicht den deutschen Behörden stellen sollten, wenn sie sich retten wollten. Leider folgten die griechischen Juden vielfach den Ratschlägen ihrer religiösen Führer. Wir haben sehr genaue Zahlen: Nur 8.22 6 griechische Juden wurden gerettet, und von diesen Geretteten wurden 6.576 von griechischen Familien versteckt. Ungefähr 1.000 konnten in den Nahen Osten fliehen und rund 650 haben sich den Partisanen angeschlossen. Ergebnis: Von ungefähr 77.300 Juden in Griechenland wurden nahezu 70.000 von den deutschen Besatzungsbehörden festgenommen und deportiert, nur 2000 sind aus den Vernichtungslagern zurückgekehrt.7

Mit welchen Methoden wurden griechische Männer zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert, gab es dagegen Widerstand?

Die Deportation zur Zwangsarbeit in Deutschland wurde mit Waffengewalt bewerkstelligt. Deutsche Militärkräfte umzingelten Dörfer oder ganze Stadtviertel, nahmen Geiseln, erschossen auf der Stelle diejenigen, die sie für Widerstandsangehörige hielten, die anderen schickten sie als Zwangsarbeiter nach Deutschland. Alle griechischen Widerstandsorganisationen haben jedoch solche Deportationen nach Deutschland auch verhindert. Dies gelang mit Hilfe von Demonstrationen und am 25. Februar 1943 durch die Vernichtung der im
Arbeitsministerium aufbewahrten Listen, auf denen die Namen der Arbeiter festgehalten waren. Griechenland war wohl das einzige von den Nazis besetzte Land in Europa, wo im großen Umfang die Deportation von Zwangsarbeitern verhindert werden konnte.

Es gab deutsche Soldaten, die zu den griechischen Partisanen überwechselten und in deren Reihen mitgekämpft haben. Hast Du solche „deutsche Mitstreiter“ kennen gelernt?

Diese „Überläufer“ sammelten sich im „Antifaschistischen Komitee Deutscher Soldaten Freies Deutschland“. Diese Organisation bildete mehrere Kampfeinheiten, die im Rahmen der ELAS gekämpft haben. Den Kommandeur einer dieser Einheiten mit dem Tarnnamen „Manolis“ habe ich dann 1960 in Ostberlin bei den Feierlichkeiten zum 15. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland kennen gelernt.

Kann man tatsächlich von einem breiten, nicht auf „die Linke“ begrenzten griechischen Widerstand sprechen?

Ja, das ist völlig richtig. Der griechische Widerstand war, wie ich schon ausgeführt habe, in der Bevölkerung verankert. Als entscheidende Elemente der gemeinsamen Haltung und des Verhaltens sind zu nennen:
1. Ablehnung der deutschen Okkupation generell,
2. Ablehnung gegenüber den Anordnungen der deutschen Besatzungsbehörden,
3. versteckte Waffenlagerung,
4. Kranken- und Verwundetenversorgung sowie Fluchthilfe für griechische und englische Gefangene,
5. Ausführung von Sabotageakten und
6. die Ablehnung von Kollaboration mit den Besatzungsbehörden (Kollaboration gab es zwar, aber in verhältnismäßig geringem Umfang).

Die Einheit des griechischen Widerstands ist nach der Befreiung zerbrochen. Welche Faktoren waren aus Deiner heutigen Sicht maßgeblich?

Dieser Bruch ist auf die Schwäche des bürgerlich-politischen Lagers zurückzuführen und auf dessen Unfähigkeit, seine Ablehnung einer Zusammenarbeit mit den Linkskräften zu überwinden. Aber auch die Unfähigkeit der Linken, selbstbewusst die Macht in die Hand und die Führung einer gemeinsamen Volksregierung zu übernehmen, zählt zu den Gründen, die zum Auseinanderbrechen des Widerstandsbündnisses geführt haben. Die Linkskräfte gingen statt dessen immer neue Kompromisse mit der Vertretung der englischen Interventionstruppen und der von ihnen kontrollierten königlich-griechischen Regierung ein.

Ist denn ein positives politisches Vermächtnis des griechischen Widerstandes erhalten geblieben? Wie würdest du ein solches Erbe beschreiben?

Eine positive Erbschaft bleibt die Erfahrung der Einheit, der Gemeinsamkeit des griechischen Volkes, darüber hinaus der historische Beitrag des griechischen Widerstandes zum Niedergang des Naziregimes. Dieses fortwirkende Vermächtnis trug zur Bestätigung eines neuen griechischen Nationalbewusstseins und zum Vertrauen in die eigene Kraft bei. Es verankerte auch den Glauben an die Menschenrechte und an das Recht auf Widerstand. Das Bewusstsein dieser Rechte finden wir in der heutigen Bereitschaft zum Widerstand auch gegen die Folgen der Globalisierung und in dem Bemühen wieder, zum weltweiten Kampf gegen Unterdrückung
und anhaltende Knechtschaft beizutragen.

Seit vielen Jahren kämpfst du mit Freunden und Kampfgefährten dafür, dass eine deutsche Regierung endlich
die Verantwortung für das Unrecht der Okkupation und für die riesigen Schäden übernimmt, die vor allem der Zivilbevölkerung, aber auch der wirtschaftlichen Substanz Griechenlands damals zugefügt wurden. Jede deutsche Regierung, vor kurzem auch das höchste deutsche Gericht, hat diese Entschädigungsforderung fundamental abgelehnt. Wie bewertest Du diese Weigerung, kann sie deiner Meinung nach doch noch überwunden werden?

Es geht um die Wiederherstellung des Rechts, das schamlos verletzt wurde. Menschheitsverbrechen verjähren nicht. Griechenland hat durch Krieg, Okkupationsverbrechen, Geisel- und Judenmord mit über 800 000 Toten 15% seiner damaligen Bevölkerung, davon über eine halbe Million Menschen allein durch eine Politik der Aushungerung verloren. Die moralische, rechtliche und politische Frage lautet: Warum ist es möglich, dass Italien und Bulgarien, die beiden anderen ehemaligen Okkupationsmächte, ihren Reparationsverpflichtungen nach dem Pariser Beschluss der Alliierten von 1946 nachgekommen sind und dass allein Deutschland sich diesen
Verpflichtungen verweigert? Schließlich war Nazi-Deutschland dafür verantwortlich, dass die Italiener und die Bulgaren 1941 bis 1944 Teile Griechenlands als Besatzungszonen beherrschen konnten. Schon eine kurze Übersicht ergibt, wobei ich die Frage deutscher Schulden aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg hier außer
Acht lasse: Deutschland schuldet dem griechischen Staat nach Berechnung der Pariser Konferenz der Siegermächte von 1946 bis heute den Betrag von 3,5 Mrd US-Dollar für die Plünderung griechischer Bodenschätze, für Währungsbetrug, für die Schäden, die Nazi-Deutschland der griechischen Wirtschaft und der Infrastruktur während der Besatzung zugefügt hat. Deutschland hat Griechenland 1942 eine Zwangsanleihe in
Höhe von 2,5 Mrd US-Dollar im heutigen Wert von 13 Mrd Dollar aufgenötigt, um auf diese Weise die Stationierungskosten der deutschen Besatzungsarmee und die Versorgung des Rommel-Corps in Afrika zu decken – die Rückzahlung steht bis heute aus. Schließlich schuldet Deutschland Entschädigungsleistungen an griechische Bürger für die Beschlagnahme, Plünderung und Zerstörung von deren Eigentum und Vermögen und für die den Menschen selbst zugefügten Leiden. Wir betteln nicht, wir verlangen! Nach meiner Auffassung ist es Sache jedes deutschen Bürgers, sich diesem Problem zu stellen und uns behilflich zu sein, damit Griechenland zu seinem und den griechischen Opfern zu ihrem Recht verholfen wird.8

Anmerkungen

1 Zum historisch-politischen Hintergrund wird auf weitere, allerdings spärliche deutschsprachige Literatur verwiesen: Hagen Fleischer: Im Kreuzschatten der Mächte. Griechenland 1941–1944. Frankfurt/Main und Bern, 1986; Loukia Droula, Hagen Fleischer (Hg.): Von Lidice bis Kalavrita. Berlin 1999, dort insbes. der Beitrag von Hagen Feischer: Deutsche ‚Ordnung’ in Griechenland 1941–1944 (S. 151 ff.); Karl Giebeler (Hg.): Versöhnung ohne Wahrheit. Deutsche Kriegsverbrechen in Griechenland im Zweiten Weltkrieg. Mannheim/Möhnesee, 2001; Martin Seckendorf: Ein einmaliger Raubzug. Die Wehrmacht in Griechenland 1941–1944, in: Johannes Klotz (Hg.): Vorbild Wehrmacht? Köln, 1998, S. 98ff. Die nachfolgenden Anmerkungen geben zusätzliche Erläuterungen zu historisch-politischen Daten, die von Manolis Glesos erwähnt werden.

2 Die italienische Armee marschierte am 28.10.1940 vom bereits besetzten Albanien aus in Griechenland ein. Vorausgegangen war das griechische Nein („Ochi“) vom 25.10.1940 zu einer Unterwerfung unter ein italienisches Ultimatum (seitdem ist der 25.10. griechischer Nationalfeiertag). Die Griechen warfen den italienischen Angriff zurück und Hitler ordnete, u.a. um eine Niederlage des verbündeten Italien abzuwenden, die Vorbereitung des im April 1941 eingeleiteten deutschen Angriffs auf Griechenland an.

3 Seit 1936 wurde Griechenland von General Metaxas diktatorisch regiert. Die von Metaxas bewunderten faschistischen Mächte Deutschland und Italien nahmen auf dessen Sympathien keine Rücksicht, sondern verfolgten ihre machtpolitischen Interessen, überfielen Griechenland und plünderten es aus. Metaxas starb im
Januar 1941 während der erfolgreichen Abwehr des italienischen Angriffs.

4 Strategisches Motiv für den deutschen Angriff und die Besetzung Griechenlands waren – neben der psychologisch wichtigen Verhinderung einer Niederlage der italienischen Achsenmacht – u.a. die Sicherung des über den Balkan laufenden Nachschubs für die deutsche Afrika-Armee, die Sicherung der Ölinteressen in Rumänien und die Vertreibung britischer Expeditionstruppen.

5 Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Athen am 27.4.1941 floh die griechische Regierung nach Kairo. In Athen bildete sich eine Kollaborationsregierung. Ende Mai 1941 gelang deutschen Luftlandetruppen
schließlich die Vertreibung englischer Verbände auf der Insel Kreta, auch gegen den erbitterten Widerstand kretischer Zivilisten, der von den deutschen Truppen auch nach Beendigung der Kämpfe mit erbarmungsloser Brutalität bekämpft wurde. Griechenland wurde danach in je eine italienische, bulgarische und deutsche Besatzungszone aufgeteilt. Die deutsche Zone sicherte u.a. die wirtschaftliche Ausbeutung Griechenlands (kriegswichtige Bodenschätze, Nahrungsmittel).

6 Die britische Politik unter Churchill und die in Griechenland erneut eingesetzten britischen Verbände unterstützten die konservativen Widerstandsformationen und deren Kämpfe gegen die linken Widerstandsverbände (EAM /ELAS), was schließlich
– nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Aufteilung der Interessensphären zwischen der Sowjetunion und Großbritannien und der Zuordnung Griechenlands zur britischen Einflußzone
– zum Ausbruch des griechischen Bürgerkrieg 1945 bis 1949 beitrug. Das im Kalten Krieg massiv entwickelte Engagement der USA, das Griechenland vor der „Gefahr des Kommunismus“ retten sollte, führte schließlich zur
Niederlage der linken, gegenüber der deutschen Okkupation siegreichen griechischen Widerstandsbewegung und zur Vertreibung vieler Tausend griechischer Partisanen und deren Familien in die Emigration.

7 Vgl. hierzu insbes. Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Band 2, S. 737 ff.; Stichwort „Griechenland“ in: Enzyklopädie des Holocaust, Band 1, 1995.

8 Hinweis zum Hintergrund und zum Verständnis dieser Forderungen: Heike Schrader: Eine Frage der Gerechtigkeit, in: junge Welt vom 8.12.2005. Bericht von einem Symposium zur Entschädigungsfrage in Athen im Dezember 2005 (www.widerstand-und-repression-in-griechenland.de); Hellas unter dem Hakenkreuz, Pressespiegel zu einer Veranstaltungsreihe im März 2002 in Berlin (www.geocities.com/griechenlandunterdemhakenkreuz/pressespiegel.htm).
 

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