"informationen" Nr. 63, Mai 2006
Wolfgang Abendroth im griechischen
Widerstandl
Nach Texten von Wolfgang Abendroth.
Zusammengestellt von Friedrich-Martin Balzer
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Der Jurist, der marxistische Sozialist und Antifaschist Wolfgang Abendroth
(1906-1985), dessen
100. Geburtstag sich am 2. Mai 2006 jährt, hat sich
wiederholt zu seiner Rolle im griechischen Widerstand geäußert.1
In einem bisher unveröffentlichten
Exposé über seine „wissenschaftliche Entwicklung“
hat er dies ausführlich getan.
Titel und Inhalt des Manuskripts sind von
Bedeutung, weil er seine Widerstandstätigkeit
als Angehöriger des Bewährungsbataillons
999 als Teil seiner „wissenschaftlichen
Entwicklung“ verstand. Zur gleichen Zeit
machten seine späteren Kollegen in Justiz
und Wissenschaft, Bürokratie und Politik
ihre Karriere im „Dritten Reich“. Abendroth
pflegte bei der Verteidigung der Normen
des Grundgesetzes immer wieder auf den
Gelehrtenkalender Kürschner hinzuweisen:
„Die ‚herrschende Meinung’ zur ‚Interpretation’,
in Wirklichkeit zur Umdeutung des
normativen Sinnes der wichtigsten Generalklauseln
der bundesrepublikanischen Verfassung
wurde von einer Professorenschar
geprägt, die ihre Sporen im Verfassungssystem
vor 1945 erwarb; ihre damaligen juristischen
Leistungen
findet man im ‚Gelehrtenkürschner’
von 1940/41 verzeichnet,
man möge sie an Hand dessen und der
juristischen Zeitschriften diese Jahre nachprüfen
(z.B. Ernst Forsthoff, F.A. Freiherr
von der Heydte, Ernst Rudolf Huber, Hans
Peter Ipsen, Hans Carl Nipperdey, die
Schule Carl Schmitts usw.). Nach Wiederherstellung
der alten Eigentumsstrukturen
und der sonstigen Restauration im CDU-Staat
waren diese Professoren besonders
berufen, als frühere Verfechter des ,Führerstaates‘
oder aller möglichen ‚Ordnungs’-Lehren oder Theorien vom ,totalen Staat‘
nunmehr die ‚freiheitlich-demokratische
Grundordnung’ zu definieren.“2
Aufgewachsen in einer sozialistischen
Lehrerfamilie gelangte Abendroth schon
früh in den revolutionären Flügel der
deutschen Arbeiterbewegung. Dadurch
allein wird – auch nach eigenem Bekunden
– „seine wissenschaftliche Entwicklung
verständlich“3. Abendroths Universitäten
zur Zeit des Faschismus, abgesehen
von seinem zeitwilligen Promotionsstudium
über Völkerrecht in der Schweiz,
waren die Bedingungen des illegalen, konspirativen
Widerstandes, im Zuchthaus,
im Strafbataillon 999, unter den griechischen
Widerstandskämpfern, in britischen
Kriegsgefangenenlagern in Ägypten
und in Wilton Park. Ohne Geringschätzung
des Beitrages, den Intellektuelle für
die Arbeiterbewegung leisten können, lernte und lehrte Abendroth ganz nach
seiner Maxime: „Auf den normalen jungen
Arbeiter kommt es mir viel mehr an als auf
den normalen Jungintellektuellen“.4
Sein
„bester Schüler“ unter den Politischen war
ein junger Berliner Kommunist, Werner Illmer,
den Abendroth bereits im Zuchthaus
Luckau schätzen gelernt hatte.5
Deutsche
Antifaschisten in
Griechenland
Er ging mit Abendroth während des
Krieges in Griechenland auf dem Peloponnes
zur ELAS über. Gemeinsam mit
anderen deutschen Antifaschisten schufen
sie ab Juli 1943 eine illegale Organisation,
die ihre Vertrauensleute in vielen faschistischen
Stellungen auf dem Peloponnes
hatte. Sie organisierten das systematische
Abhören der antifaschistischen Sender
und die Aufklärungsarbeit unter den Soldaten
der Hitlerwehrmacht. Sie nahmen
mit griechischen Partisanen Kontakt auf,
versorgten sie mit Arzneimitteln, manchmal
auch mit Waffen und warnten sie vor
geplanten Terror- und Vernichtungsaktionen
der faschistischen Besatzungsbehörden
gegen die griechische Bevölkerung.
Ihre Tätigkeit stand von Anfang an unter
der realen Gefahr, dabei Leib und Leben
zu riskieren. Werner Illmer selbst wurde
bei einer Propaganda-Aktion unter den
deutschen Soldaten gefangen genommen
und erschossen.
Unter der Überschrift „Deutsche Antifaschisten
in Griechenland“ berichtete
Abendroth in dem erwähnten Exposé über
seine „wissenschaftliche Entwicklung
vor dem Dritten Reich und in der Illegalität“
zunächst über die Hintergründe seines
Wirkens im antifaschistischen Widerstand
in Griechenland und beantwortet
die Frage, wie er, ein deutscher Intellektueller
und Strafgefangener des „Bewährungsbataillons
999“, zu den Partisanen in
Griechenland stieß.
„Seit 1942 hatte das Dritte Reich damit
begonnen, seine ‚Zuchthäuser’ für seine
Wehrmacht zu mobilisieren. Vorher war,
wer mit Zuchthaus ‚bestraft’ war, ‚wehrunwürdig’
(wie er die ‚bürgerlichen Ehrenrechte’
– Wahlrecht, die Befugnis, als Trauzeuge
bei der Eheschließung mitzuwirken
etc. – verloren hatte). Die Zahl der
mit Zuchthaus Bestraften war jedoch so
stark angewachsen, daß ihre militärische
Verwertung erforderlich gewesen war. Sie
wurden nun ‚bedingt wehrwürdig’ und zu
besonderen Kampfeinheiten, den ‚Bewährungsbataillonen
999’, deren es viele (ca.
30) gab, zusammengefaßt. Das bedeutete
erstens, daß ihre Soldaten viele
Rechte des ‚normalen’ Soldaten (Möglichkeit
Urlaub zu bekommen oder ‚befördert’
zu werden – also einen höheren Dienstgrad
als den des einfachen Soldaten zu
erhalten) nicht erhielten. Es bedeutete
zweitens, daß in den Kompanien dieser
‚Bewährungsbataillone’, die grundsätzlich
von (vom Standpunkt
der Nationalsozialisten
aus gesehen) besonders zuverlässigen
Offizieren und Unteroffizieren kommandiert
wurden, zwei divergente Schichten
nebeneinander standen: ‚gewöhnliche’ Kriminelle und politische Zuchthäusler,
also Antifaschisten. Das Dritte Reich hoffte, durch Privilegien für die
‚Kriminellen’ die ‚Politischen’ unter Kontrolle halten zu können und eben
deshalb deren militärischen Einsatz riskieren zu können ... Ich selbst – von
Beruf Jurist und der Gestapo Anfang 1937 in die Hände gefallen – wurde Anfang
Februar 1943 in Berlin eingezogen,
mit vielen anderen (die ich z.T. aus meiner Strafanstalt kannte) zum
‚Ausbildungslager’ Heuberg, einem früheren Konzentrationslager, in Württemberg
transportiert und dort einer Kompanie des V. Btl. 999 zugeteilt. Bei der
Aufstellung der einzelnen Kompanien wurde darauf geachtet, daß möglichst keine
‚Politischen’ in die gleiche ‚Einheit’ kommen sollten, die sich aus ihrer
früheren politischen Arbeit im gleichen Teil des Deutschen Reiches oder aus dem
gleichen Zuchthaus kennen konnten. Trotzdem war es schon in dieser Zeit im
Ausbildungslager möglich, herauszubekommen, wer ‚Politischer’ war. Denn, die
‚Politischen’ entstammten (wenn man von wenigen Angehörigen einer christlichen
Sekte, der ‚Zeugen Jehovas’, absieht) ausnahmslos den verschiedenen Richtungen
der illegalisierten Arbeiterbewegung, die Mehrheit der KPD, eine kleinere Zahl
der ‚rechten’ KPD-Opposition, der SAP6
oder dem aktivistischen ‚linken’ Flügel der SPD, und konnten sich an den
Verhaltensweisen und nach vorsichtigem geistigen ‚Abtasten’ in Unterhaltungen
bald erkennen. Aber wir waren in meiner Kompanie die Minderheit (und so war es
seit diesem zweiten Einberufungs-Schub zu ‚999’ – der erste lag ein halbes Jahr
vorher – in allen Bataillonen). Die frühere Zerstrittenheit der einzelnen
Richtungen der Arbeiterbewegung untereinander war aber für uns alle längst
überwunden und durch das selbstverständliche Bekenntnis zur antifaschistischen
Einheitsfront, zum unbedingten Kampf gegen das Dritte Reich und zum
‚Defaitismus’, also zum Willen, alles zu tun, um seine Niederlage in diesem
Krieg herbeizuführen, ersetzt worden.
Wir hatten vorerst damit gerechnet, in Nordafrika eingesetzt zu werden. Nach der
Veränderung der Kriegslage in den ersten Monaten 1943 wurden wir jedoch Anfang
Juli 1943 zum Balkan transportiert und erfuhren, daß wir nach Griechenland
kommen würden. Unsere Versuche, bei einem kurzen Zwischenaufenthalt im
jugoslawischen Mazedonien mit der Bevölkerung und dadurch mit den dortigen
Partisanen Kontakt zu bekommen, schlugen
wegen der sprachlichen Schwierigkeiten fehl. Auch bei einer abermals auf wenige
Tage beschränkten Stationierung in Saloniki und bei einem kurzfristigen Einsatz
im Olymp-Bereich gelang uns das nicht.
Das konnte nur bei längerem Aufenthalt an einem Ort besser werden, wie wir bald
wußten, zumal von uns niemand neugriechisch konnte und nur ein einziger – ein
SAP-Kamerad aus Hamburg, Arthur Riehl – altgriechisch.
Die illegale Organisation der ‚Politischen’ in beiden Kompanien war sehr eng und
funktionierte.
Als wir bald darauf nach Lemnos weitergebracht und dort in Kastron stationiert
wurden, änderte sich das Bild bald. Zwei Dinge kamen uns zu Hilfe: die (wenn man
die Studenten, die wegen der Kriegslage zu Hause bleiben und nicht
weiterstudieren konnten, und die Lehrer des Gymnasiums, die Mediziner und
Anwälte mitzählt) relative Intelligenzschicht sprach Französisch, aber manche
Seeleute, die nun ‚zu Hause’ saßen, auch ein Englisch, das zwar nicht dem
sogenannten Oxford-Englisch entsprach, wie es unsere zwei Intelligenzler unter
dem Politischen Riehl (ein Volkswirt) und ich gelernt hatten, das wir aber doch
langsam verstehen konnten. So
konnten wir zwischen unseren ‚Politischen’ (und denen einer weiteren Kompanie
des XXII. Bataillons ‚999’, die bald in der Nähe auf Lemnos stationiert wurde)
erste Berührungen vermitteln. Die illegale Organisation der ‚Politischen’ in
beiden Kompanien war sehr eng und funktionierte – von einem Komitee mit einem
Leipziger
KPD-Genossen, Werner Schmiedgen, dem gleichfalls Leipziger SAP-Kameraden Kurt
Sonntag und einem Leipziger KPD-Opposition-Genossen Emil Kirsten gut kombiniert
– ausgezeichnet.
Allerdings waren noch einige Schwierigkeiten zu überwinden. Die politische
Situation in Griechenland (und zwar auch auf Lemnos) kannten wir zunächst nur
unzureichend; und deshalb bedurfte es anfänglich großer Vorsicht. Wir wußten
wohl, daß die Mehrheit der Bevölkerung schon wegen der bitteren Erfahrungen, die
sie zur Zeit der Hungersnot zu Beginn der deutschen Okkupation hatte machen
müssen, von ihren nationalsozialistischen Besetzern nichts wissen wollte, obwohl
sie sich uns ‚999’-ern gegenüber freundlich verhielt, weil sie wußte, daß wir
keine ‚durchschnittlichen’ deutschen Soldaten waren. Aber wir wußten auch, daß
es – besonders in der ökonomischen Oberschicht – Gruppierungen gab, die – schon,
weil sie Geschäfte mit der Besatzung machen wollten – durchaus anders dachten
und jederzeit bereit gewesen wären, uns bei der ‚Geheimen Feldpolizei’, wenn man
so will, der Wehrmachts-Gestapo, zu denunzieren, wenn sie von unserer Aktivität
erfahren hätten. Wir wußten auch, was die Metaxas7-Diktatur
vor dem italienischen (und dann auch deutschen) Angriff auf sie zu bedeuten
hatte und daß man also der Polizei und den Verwaltungsbeamten, die sie
hinterlassen hatte, nicht trauen dürfe (und hatten also sehr unsere Zweifel,
wenn sie – oder auch ein Teil der Ärzte und der Rechtsanwälte – sich bei uns
durch anti-nationalsozialistische Äußerungen gleichsam ‚anbiedern‘ wollten, wenn
sie mit uns ins Gespräch kamen). Wir erfuhren auch bald von den Gegensätzen
zwischen EDES8 und ELAS9 auf dem Kontinent und lernten langsam, sie zu
durchschauen. So wurde uns auch die EAM zum Begriff und auch die Rolle, die die
KKE10
in ihr spielte. Von den Kombinationen der Exil-Regierungspolitik in Ägypten
erfuhren wir dadurch, daß wir den britischen Sender Jerusalem systematisch
abhörten. Deshalb setzten wir uns bald zum Ziel, feste Verbindungen zu KKE und
EAM zu bekommen; denn zu dieser Zeit gab es in unserem Inselbereich noch keine
ELAS-Einheiten.
Dabei kam uns bald die Dummheit unserer Armee-Führung zu Hilfe. Die Kommandantur
zur Insel-Verwaltung, die
von der militärischen Inselkommandantur errichtet war, war neu zu besetzen, weil
ihr bisheriger Chef (wahrscheinlich wegen irgendeiner der in solchen
Dienststellen üblichen Korruptionsaffären) abberufen und durch einen
österreichischen Freiherrn (und Oberleutnant der Hitler-Armee) ersetzt worden.
Er suchte sich einen neuen ‚Stab’ von Schreibern, weil die bisherigen ihm mit
dem, was vor seiner Dienstzeit lag, zu sehr verfilzt zu sein schienen. Und so
wollte er ‚politische’ 999er haben, die die sachliche Voraussetzung,
Fremdsprachen (Englisch und Französisch) zu verstehen und mindestens ein wenig
zu sprechen und ein wenig von Verwaltung zu begreifen, erfüllten. Denn bei
politischen Zuchthäuslern glaubte er – mit Recht – sicher zu sein, daß sie mit
Korruption nichts zu tun haben wollten. Also holte er den SAP-Kameraden Arthur
Riehl und mich als ‚Schreiber’ (ohne Dienstgrad natürlich) in seine
Kommandantur. Dadurch konnten wir bald an alle ‚Verwaltungsakten’ herankommen;
vor allem aber lernten wir nun die griechische Administration (einschließlich
des Chefs ihrer Polizei) und die Oberschicht genauer kennen, weil wir uns mit
allen ohne Dolmetscher unterhalten konnten. Nur – Neugriechisch konnten wir
nicht. Weil wir bei ‚dienstlich’ erforderlichen Gesprächen mit den
Bürgermeistern der Dörfer oder ‚Dienstverpflichteten’ Bauern, Fischern und
Seeleuten oder auch Geistlichen auf ihn angewiesen blieben, ihm aber natürlich
überhaupt nicht trauen konnten, half uns das zunächst auch nur begrenzt weiter.
So blieben wir auf die Zufallskontakte mit griechischen Studenten auf den
Straßen und Cafes auch weiter angewiesen (und auf alle Vorsicht, die dabei
erforderlich war). Doch die konnten wir nun auch intensiver pflegen, weil unsere
Stellung in der Inselkommandantur uns aus der Kaserne herausgeführt und uns
ebenso das Rundfunk-Abhören wesentlich erleichtert hatte.
Bald kam uns jedoch ein weiterer Zufall zu Hilfe. Das von Metaxas errichtete
Konzentrationslager auf Aghios Efstratios war von den Engländern befreit worden,
die aber diese winzige Insel ebenso wenig okkupiert hatten wie die Deutschen.
Administrativ gehörte sie aber zu ‚unserer‘ Inselkommandantur. Also wurde ich
(zusammen mit dem Mann, dem mit der Inselkommandantur betrauten Offizier) mit
einem ‚Kaiki‘ dorthin beordert, um die ‚Tatbestände‘ festzustellen und das, was
die von den Engländern befreiten Häftlinge hinterlassen haben mochten, nach
Kastron auf Lemnos zu bringen.
Mein ‚neuer’ Inselkommandant war übrigens – anders als sein österreichischer
Vorgänger, der ein korrekter, anständiger, wenn auch relativ reaktionärer, aber
nicht nazistischer Mann gewesen war – typische Durchschnittsware dessen, was im
Dritten Reich in der Armee aufstieg. Auch das war mein – und unser – Glück. Denn
deshalb ‚soff’ er sich mit dem Bischof dieser kleinen Klosterinsel fest,
brauchte dabei den Dolmetscher, damit sie gemeinsam trinken konnten und
beauftragte mich, die Verladung der paar Betten aus dem KZ mit ein paar
griechischen Inselbewohnern, die er dazu ‚dienstverpflichtet’ hatte, weiter
durchzuführen.
... wie stark die antifaschistische Solidarität auch über den Kreis der
konspirativ unmittelbar Beteiligten hinaus in der griechischen Bevölkerung
wirkte ...
Dabei sprach mich ein griechischer Mann auf Französisch an, offensichtlich ein
Intellektueller. Er wußte über die ‚999’-Situation Bescheid und begann lange
Diskussionen über die Geschichte der deutschen und internationalen
Arbeiterbewegung. Er examinierte mich gleichsam über die verschiedenen Phasen
der Entwicklung der Kommunistischen Internationale, um dann – als ich sie
offensichtlich sehr genau kannte – politisch offen zu reden. Er ließ sich über
die Lage in der 999-Kompanien auf Lemnos orientieren und gab mir
als ‚Anlaufstelle’ für uns bzw. für sich den Zahnarzt Noullas in Kastron an.
Von nun an bestand also ein steter systematischer Kontakt mit KKE und EAM auf
der Insel. Die gegenseitige Information (und Teilnahme an der Willensbildung)
hat voll funktioniert und bestanden, bis der Rückzugsbefehl der Wehrmacht für
die deutsche Inselbesatzung im August 1944 eintraf. Von unserer Position in der
deutschen
‚Inselkommandantur’ aus konnte durch den kommunistischen Zahnarzt Noullas manche
Unterdrückungsaktion in Form von ‚Dienstverpflichtung’ der Bevölkerung für die
deutschen militärischen Belange der EAM auf der Insel gleichsam vorangekündigt
werden. Und auch als unser Kamerad Riehl wegkommandiert und durch einen
Kriminellen ersetzt wurde, änderte sich daran nichts, weil er nur halb willens,
aber jedenfalls nicht fähig war, mich zu kontrollieren; übrigens der leitende
Offizier auch nicht. Als unser Kamerad Emil Kirsten, der ebenso im Zentrum
unserer konspirativen Arbeit gestanden hatte – übrigens als einziger von uns
allen – wegen eines schweren Bombenschadens für seine Familie in Leipzig
Heimaturlaub erhalten hatte, aber dort – wie wir rasch erfuhren – im
Zusammenhang mit der dortigen illegalen Organisationswelt der Gestapo in die
Hände gefallen war, fürchteten wir zwar sehr um unsere Situation auf der Insel.
Aber er hat nichts preisgegeben.
In dieser Zeit hat übrigens ein eigenes Erlebnis mir deutlich gezeigt, wie stark
die antifaschistische Solidarität auch über den Kreis der an der konkreten
Zusammenarbeit mit der lokalen KKE und EAM konspirativ unmittelbar Beteiligten
hinaus in der griechischen Bevölkerung wirkte. Ich war mit einem Maschinengewehr
im Arm bei einem Besuch auf einem militärischen Stützpunkt meiner Kompanie
mehrere Meter tief gestürzt und war erst Stunden, dann Tage lang ohne
Bewußtsein. Das Lazarett der Insel hatte nur einen deutschen Arzt als Leiter,
der im Privatberuf Kinderarzt war und glaubte, ich habe Rippenbrüche und
Gehirnerschütterung. Trotz seiner Behandlungsversuche wurde mein Zustand ständig
schlechter. Die griechischen Kameraden, die bald merkten,
daß ich nicht mehr zu konspirativen Zusammenkünften kam und Aufträge (wie
Beschaffung von deutschen Ausweisen für sie) nicht mehr erledigen konnte, weil
ich nicht mehr auf der Kommandantur arbeitete, haben einen griechischen
Arzt zu dem deutschen Chef des Lazaretts gleichsam heran vermittelt, der (mit
dessen Zustimmung) mich diagnostizierte und trotz meiner ständigen
Bewußtlosigkeit richtig erkannte, daß ich einen Darmverschluß hatte und mich
operierte, so daß mein Leben gerettet wurde. Ich verdanke es also griechischer
Solidarität.
Fast die gesamte Presse der drei westlichen Besatzungszonen und der BRD hatte
allen Köpfen seit 40 Jahren ein völlig verzerrtes Bild der griechischen
Ereignisse eingehämmert.
So blieb die Lage, bis ich im August von dem Rückzugsbefehl für die Besatzung
der Insel erfuhr. Gleichzeitig wurde die Truppe angewiesen, große Sprengungen
auf der Insel vorzunehmen. Einer unserer Kameraden, der österreichische Genosse
Willi Wehofer war, früher Sozialdemokrat, als Mitglied der KP Österreichs zu
einer langen Zuchthausstrafe verurteilt gewesen – als deutscher Aufsichtsmann im
Elektrizitätswerk der Insel eingesetzt gewesen und sollte die Sprengung der
elektrischen Versorgungsanlagen organisieren. Stattdessen verschwand er mit
allen Unterlagen über das Elektrizitätswerk und wurde zunächst in Kastron
illegal untergebracht. Wenige Tage später mußte ich ihm folgen. Nach wenigen
Tagen, die wir in einer Höhle in den Bergen an der Küste lebten, wurden wir,
weil der Abzug der deutschen Truppen sich verzögert hatte und sie uns
systematisch suchten, von den griechischen Genossen nachts durch ein Boot nach
Lesbos gebracht. Um Lemnos wurde noch einige Tage gekämpft.
Lesbos war inzwischen von einer Einheit der ELAS befreit, die noch dem
britischen Oberkommando für den Mittleren Osten unterstand. Die englische Armee
verlangte unsere Auslieferung als Kriegsgefangene, obwohl wir in der
Insel-Verwaltung tätig waren. Die ELAS stellte uns frei, nach Bulgarien zu
gehen. Wir haben das nicht
getan, weil ich wegen meiner früheren Konflikte mit der Stalin’schen Führung und
den bitteren Erfahrungen seit der Periode der Prozesse gegen die Opposition
1936/37 nicht in die Gefahr neuer Gegensätze hineingezogen
werden wollte. So gelangten wir über das britisch okkupierte Chios nach Ägypten
in ein Kriegsgefangenen-Lager. Die britische Armee versuchte, uns über die ELAS
in ihrem Lager in Mahdi zu vernehmen. Aber Wehofer und ich haben ihr natürlich
keine Auskünfte gegeben.“11
In der BRD hielt es Abendroth stets für notwendig, an die Situation in
Griechenland, wie sie seit dessen Befreiung von der Herrschaft des Dritten
Reiches durch die Partisanen der ELAS und dann seiner Okkupation durch die
Flotte und die Armee Churchills und die Armee der königlichen Regierung in Kairo
entstanden war, ins Gedächtnis zu rufen.
Fast die gesamte Presse der drei westlichen Besatzungszonen und der BRD hatte
„allen Köpfen seit vierzig Jahren ein völlig verzerrtes Bild der damaligen
griechischen Ereignisse eingehämmert.“12 Gleichzeitig
erinnerte Abendroth daran, dass es „keinen Krieg (und erst recht keinen
Bürgerkrieg) ohne tragische Folgen für die Bevölkerung“13
gibt.
„Zahlreiche ehemalige politische Gefangene Hitlers, die mit den
‚Bewährungsbataillonen’ 999 in Griechenland eingesetzt waren und dort Verbindung
zum EAM und ELAS aufgenommen hatten – auch ich –, haben diesen ganzen Prozeß
(oft mit bitteren Folgen für sich selbst) miterleben müssen und waren nach ihrer
Rückkehr nach Deutschland über das vorurteilsbestimmte falsche Bild entsetzt,
das die durch die Propaganda des Kalten Krieges getäuschte westliche Bevölkerung
über sie hatte.“14
Umso mehr betrachtete Wolfgang Abendroth es als seine Aufgabe, immer wieder an
den „gemeinsamen Kampf mit den Griechen“15 zu erinnern.
Obwohl Abendroth nur etwa 375 Tage vom 20. September 1943 bis etwa zum 20.
Oktober 1944, bis zu seiner britischen Kriegsgefangenschaft, am griechischen
Widerstand aktiv beteiligt war, davon ca. die letzten 30 Tage als Mitglied der
EAM mit militärischem Dienstrang in der ELAS: Es waren diese Erfahrungen im
griechischen antifaschistischen Widerstand, die Abendroth befähigten und bereit
machten, gleich zur Stelle zu sein, als am 21. April 1967 die Obristen in
Griechenland mit Unterstützung der CIA gegen die demokratisch gewählte Regierung
putschten und nach vorübergehendem Scheitern im November 1973 unter Papadopoulos
erneut die Macht an sich rissen.
Im Zeichen der internationalen Solidarität erinnerte Abendroth daran, dass das
„Dritte Reich“ während des Zweiten Weltkriegs „das griechische Volk schamlos
unterdrückt“16 habe. Das griechische Volk sei dann am Ende des
Zweiten Weltkrieges „durch den britischen Imperialismus, vereint mit den
griechischen herrschenden Klassen und unter Wiederseinsetzung auch der
korruptesten Elemente der griechischen herrschenden Klassen, die noch kurz
vorher Hitler unterstützt hatten, niedergewalzt“ worden.
„Es konnte dann gleichwohl noch eine formale Demokratie unter Ausnutzung des
Gleichgewichtsspieles der Großmächte bewahren, aber diese nur noch formale
Demokratie konnte jetzt [durch den Putsch vom 21. April 1967] mit einem
Federstrich durch die griechischen Generäle beiseite gefegt werden. Das war nur
möglich, weil die griechische Arbeiterklasse 1944 und wieder 1946/47 geschlagen
worden war. Wir hoffen, dass diese griechische Arbeiterklasse und dass die
griechischen Intellektuellen, die mit ihnen gemeinsam kämpfen, bald die Chance
erhalten, die Freiheit Griechenlands wieder herzustellen. Aber das werden die
demokratischen Kräfte Griechenlands nicht können ohne die Solidarität der
Arbeiterklasse und der Intellektuellen in den Ländern Westeuropas, die es den
herrschenden Klassen ihrer Länder unmöglich machen müssen, die Diktatur der
faschistischen Offiziere in Griechenland zu unterstützen.“17
Es sei für uns auch „eine nationale Pflicht, die Ehre des deutschen Volkes
dadurch wiederherzustellen, dass wir unsere Regierung zwingen, die ebenso
schamlose Unterstützung der griechischen Diktatur durch Belieferung von Waffen
einzustellen. Das Schicksal der griechischen Arbeiter und Intellektuellen, die
heute dieser Wiederholung des alten Metaxas-Regimes ausgeliefert sind, ist kein
Einzelfall der Staatenwelt der spätkapitalistischen Gesellschaft.“18
Als Papadopoulos im November 1973 nach seiner zwischenzeitlicher Vertreibung
Abendroth in seiner Rede am 20. November 1973 in Frankfurt19 –
in Solidarität mit den griechischen Arbeitern und Studenten: „Das Regime des
Putsches vom 21. April 1967 ist sich gleich geblieben, trotz aller
Schönheitsoperationen, die im Interesse seiner besseren Verkäuflichkeit in den
bürgerlichen Demokratien Westeuropas an ihm vorgenommen worden sind.
Papadopoulos20, seine Obristen und seine Geheimpolizei
bleiben, was sie immer waren, ob sie mit oder ohne Markezinis21,
mit oder ohne angekündigte Scheinwahlen zu einem Scheinparlament auftreten. Die
Demonstrationen und Massenaktionen der griechischen Studenten und Arbeiter haben
den Schleier der Anpassungsideologien zerrissen, mit dem CIA, amerikanischer
Imperialismus, die Interessen des ...
Antikommunismus, der in allen Ländern der Vorwand ist für jede
Gewalttat, für die Zerstörung demokratischer Rechte und für die Errichtung der
reaktionären und faschistischen Diktaturen ...internationalen
Monopolkapitals und der Regierungen der westeuropäischen NATO-Partner
Griechenlands die Öffentlichkeit betrügen wollten. Die nackte Gewalt, mit der
die Mörderbande, die Griechenland regiert, das Volk noch einmal niederwerfen
konnte, läßt sich nun nicht mehr vertuschen. Deshalb sind die Opfer, die die
tapferen
Studenten und Arbeiter von Athen in diesen Tagen bringen mussten, nicht umsonst
gewesen. Sie sind für die Freiheit Griechenlands, für die Demokratie und auch
für die Verteidigung demokratischer Rechte gegen die Gewaltherrschaft des
amerikanischen Imperialismus und seiner Lakaien in den anderen Ländern Europas
gebracht worden. Wir dürfen und werden sie niemals vergessen. [...]
Die griechische Demokratie wurde am 21. April 1967 durch die Militärdiktatur
zerstört, weil jeder wusste, dass die bevorstehenden Wahlen eine Linksmehrheit
ergeben hätten. Der Vorwand war der Antikommunismus, der in allen Ländern der
Vorwand ist für jede Gewalttat, für die Zerstörung demokratischer Rechte und für
die Errichtung der reaktionären und faschistischen Diktaturen, wenn das
Monopolkapital fürchten muß, dass das Volk gelernt hat, seine demokratischen
Rechte gegen seine Ausbeuter und gegen die Politik der amerikanischen
Militärstützpunkte zu gebrauchen. Das galt damals für Griechenland, es galt vor
kurzem in Chile, es gilt jetzt wieder in Athen. Es gilt für uns – wenn auch in
gemäßigten Formen – hier in der Bundesrepublik Deutschland. Wer hier nach dem
Berufsverbot für Kommunisten schreit, wird morgen, wenn es nottut, die
Demokratie vollends zerstören, wenn das Volk nicht aufpasst.
Nur die geschlossene Front des Volkes kann hier, wo es noch nicht so weit ist,
die Aushöhlung der demokratischen Rechte hindern. Kommunisten, Sozialisten,
Demokraten müssen gemeinsam kämpfen, um die Demokratie in Griechenland, in
Chile, in Spanien, in Portugal wiederherzustellen, um in solchen Ländern wie der
Bundesrepublik die Demokratie zu schützen. Das ist die Lehre, für die wir den
Arbeitern und Studenten von Athen zu danken haben. Und deshalb gilt ihnen unsere
Solidarität!“22
1980 beklagte Abendroth, dass es den westdeutschen Kommunikationsmitteln möglich
sei, „solche wichtigen Diskussionen und Demonstrationen wie den Krefelder
Kongress gegen die Atomwaffen und die Frankfurter Tagung der FIR (des
internationalen Zusammenschlusses der Widerstandskämpfer gegen das Dritte Reich,
von den französischen, italienischen und griechischen Partisanen, gleichgültig
ob Kommunisten, Sozialisten, Christen oder der Gaullisten, bis zur deutschen
VVN) einfach totzuschweigen“.23 Es
müsse „das strategische Ziel“ verfolgt werden, „die gegenseitige Toleranz, die
sich in diesen Kämpfen notwendig ergibt, zu einer einheitlichen Konzeption
weiter zu entwickeln, durch die die abhängig arbeitende Klasse auch wieder zu
einer parlamentarischen Repräsentanz gelangen kann.“24
In seinem letzten Lebensjahr, im Oktober 1984, besuchte Wolfgang Abendroth mit
seiner Frau, der Historikerin Dr. Lisa Abendroth, noch einmal Griechenland als
Teilnehmer des Kongresses der „Internationalen Vereinigung Demokratischer
Juristen“ in Athen. Seine Hoffnung, dort noch viele alte Bekannte zu treffen,
erfüllte sich nicht. Viele seiner ehemaligen Mitstreiter waren inzwischen
gestorben.25 In seinem Hotel
zeigte er den Angestellten seinen alten Ausweis der Widerstandsorganisation und
wurde geradezu ehrfürchtig behandelt. Für den Teilnehmer Martin Kutscha26
war Abendroths offene Art beeindruckend, frei von jedem bei Professoren weit
verbreiteten Standesdünkel die aktuellen politischen Probleme anzusprechen.
Dabei ging es ihm immer um die „gemeinsame Sache“, nie um die Selbstdarstellung
seiner Person. Über seine Aktivitäten im griechischen Widerstand sprach er
nicht. „Wahrscheinlich war er dafür zu bescheiden“.27
Anlässlich der 100. Wiederkehr seines Geburtstages am 2. Mai 2006 lohnt es sich,
nicht nur an den wissenschaftlichen Politiker Wolfgang Abendroth28
zu erinnern, sondern sich bewusst zu werden, was zu tun ist. Der griechische
Musiker Mikis Theodorakis, selbst KZ-Opfer griechischer (Folter-)Zustände hat in
seinem Protest29 gegen den
EU-Beschluß wider den „Kommunismus“30
einen Weg dafür gewiesen. Die Zukunft der demokratischen Bewegung in allen
Ländern hängt auch davon ab, wie sehr wir uns der Vergangenheit erinnern und uns
in die gegenwärtigen herrschenden Verhältnisse, so gut es eben geht, einmischen,
getreu der Aufgabe, der sich Abendroth ein Leben lang verpflichtet fühlte: Jenes
Begreifen zu fördern, das rationales Eingreifen im Interesse von Demokratie,
Frieden, Antifaschismus und Sozialismus ermöglicht. Abendroths revolutionärer
Mut zur Einheit der Arbeiterbewegung wird dabei – trotz aller unvermeidlichen
Differenzen und Widersprüche – ein großes Vorbild bleiben. Nach der Ermordung
des linkssozialistischen Arbeiterführers Grigoris Lambrakis im Jahre 1963 malten
abermals unterlegene griechischen Arbeiter und Intellektuelle den Buchstaben Z
auf Häuser und Straßen, was im Altgriechischen so viel bedeutet wie: Er lebt.31
Zwanzig Jahre nach dem Tode von Wolfgang Abendroth am 15. September 1985 lebt
Abendroth zwar nicht bei allen, die das Glück hatten, bei ihm – vor dem
Epochenwechsel der Jahre 1989ff. – in die Schule der wissenschaftlich
begründeten Solidarität zu gehen, wohl aber bei den wenigen, die an seinen
Grundüberzeugungen festhalten, in ihren Köpfen und Herzen und in ihrem Bestreben
nach einer anderen, besseren Welt fort.
Anmerkungen
1 Wolfgang Abendroth: Ein Leben in der Arbeiterbewegung.
Gespräche, aufgezeichnet und herausgegeben von Barbara Dietrich und Joachim
Perels, (Suhrkamp Verlag), Frankfurt/M. 11976, 21977, 31981 288 S.
[Gesamtauflage 17.000], hier S. 183–189; Wolfgang Abendroth: Der gemeinsame
Kampf mit den Griechen. In:
Information der Interessengemeinschaft ehemaliger deutscher Widerstandskämpfer
in den vom Faschismus okkupierten Ländern (IEDW), 3/1978, (September), S. 11–12.
Unter dem Titel „999er kämpfen mit den griechischen Partisanen“ nachgedruckt in:
DGB-Bildungswerk Hessen und Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der
Geschichte des Deutschen Widerstandes 1933–1945 (Hrsg.), Hessische
Gewerkschafter im Widerstand 1933–1945, Gießen 1983, [2. unveränderte Auflage
1984], S. 294-297; Wolfgang Abendroth: Deutsche Ausweise für griechischen
Widerstand. In: die tat, 30. Jg., (1979), Nr. 2 vom 12. Januar 1979, S. 14.
2 Wolfgang Abendroth: SPD auf Kommunistenjagd, in: Neues Forum
4/1972, S.15-18, hier: S. 17.
3 Wolfgang Abendroth: Meine wissenschaftliche Entwicklung vor
dem Dritten Reich und während der Illegalität, [Ms. im IISG], 1983, 12 S.
Abschrift in Privatarchiv Friedrich-Martin Balzer (PAB).
4 Interview mit Prof. Wolfgang Abendroth [geführt von 3
Mitgliedern der DKP-Ortsgruppe Tübingen am 12. August 1976 in Stuttgart]. in:
Aktion Gläsernes Rathaus, 2. Jg., (1976), Nr. 6, (August/September), S. 3–4.
Siehe Friedrich-Martin Balzer: Wolfgang Abendroth als Berater der organisierten
Studentenbewegung, demnächst nachlesbar in der 2. Auflage der CD-ROM
Friedrich-Martin Balzer (Hrsg.): Wolfgang Abendroth für Einsteiger und
Fortgeschrittene, Bonn 2. Auflage 2006.
5 Wolfgang Abendroth: Ein Leben in der Arbeiterbewegung, a.a.O.,
S. 182. Zur Person Werner Illmer (1914– 1944) siehe: Institut für
Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED (Hrsg.): Deutsche
Widerstandskämpfer 1933-1945. Biographien und Briefe, Band 1, Berlin/DDR, 1970,
S. 448–450.
6 SAP = die im Oktober 1931 nach dem Parteiausschluss u.a. der
linken Reichstagsabgeordneten Max Seydewitz und Kurt Rosenfeld aus der SPD
gegründete „Sozialistische Arbeiterpartei“.
7 Ioannis Metaxas, (1871–1941), faschistischer General, der den
Monarcho-Faschismus in Griechenland von 1936 bis 1941 anführte. Siehe
neuerdings: Hannibal Velliadis: Metaxas-Hitler. Griechisch-deutsche Beziehungen
während der Metaxas-Diktatur 1936–1941, übersetzt von Gerhard Blümlein, Berlin
2006.
8 EDES = national-republikanische, bürgerliche Widerstandsgruppe
unter Führung des ehemaligen Obersten der griechischen Armee Napoleonas Zervas.
9 ELAS = die aus der linksgerichteten Widerstandsgruppe EAM im
Frühjahr 1942 hervorgegangene paramilitärische Organisation unter Führung des
Kommunisten Aris Velouchiotis. Nach dessen Absetzung übernahm Stephanos Seraphis
das Kommando über die kommunistische ELAS. Im Sommer 1943 verfügte die ELAS über
ca. 16.000 Kämpfer, die EDES über ca. 7.000. Ein Jahr später hatte sich die
Anzahl bei der ELAS
verdreifacht, bei der EDES verdoppelt. Insgesamt wurden etwa 70.000 bis 80.000
Griechen im Partisanenkrieg oder bei Vergeltungsaktionen von deutschen,
italienischen und bulgarischen Truppen, getötet, rund 1.700 griechische Dörfer
zerstört.
10 KKE = Kommunistische Partei Griechenlands.
11 Wolfgang Abendroth: Meine wissenschaftliche Entwicklung aaO.
12 Wolfgang Abendroth: Leserbrief. In: Frankfurter Rundschau,
40. Jg., (1984), vom 19. Dezember 1984, S. 4.
13 Ebenda.
14 Ebenda.
15 Siehe Fußnote 1.
16 Wolfgang Abendroth: Sozialistisches Zentrum – notwendige
politische Gegenmacht. Referat über die gesellschaftlichen Bedingungen der
Gründung eines sozialistischen Zentrums und dessen Aufgaben. In: Sozialistische
Hefte, 7. Jg., (1968), 3/1968, (März), S. 157–166, hier: S. 157.
17 Ebenda.
18 Ebenda.
19 In: Informationsdienst, hg. vom Ausschuss
„Griechenland-Solidarität Bundesrepublik Deutschland“ vom 21. November 1973,
verantwortlich für den Inhalt Josef Weber, Düsseldorf, S. 2–4.
20 Georgios Papadopoulos (1919–1999), griechischer Politiker,
errichtete am 21. April 1967 mit Unterstützung einer Militärjunta ein
diktatorisches Regime mit Ausnahmezustand, Gleichschaltung der Presse,
Massenverhaftungen und -Deportationen sowie Konzentrationslagern auf den Inseln
Jaros und Leros. Nach einem gescheiterten Gegenputsch des Königs Konstantin II.
im Dezember 1967 mußte Papadopoulos ins Exil gehen. Am 1. Juni 1973 rief
Papadopulos die Republik aus und wurde selbst Staatspräsident. Nach einem
unblutigen Putsch gegen ihn im November 1973 übernahm General Phaidon Dimitriou
Gizikis die Präsidentschaft. Papadopulos wurde verhaftet und schließlich zu
lebenslanger Haft verurteilt, in der er 1999 verstarb.
21 Spyros Markezinis, griechischer Politiker, vom 1.10.1973 bis
25.11.1973 griechischer Premierminister.
22 Ebenda. Eine Analyse der griechischen Arbeiterbewegung in
den 60er Jahren liefert Wolfgang Abendroth: Sozialgeschichte der europäischen
Arbeiterbewegung, 13. Aufl. [83. Tausend], Frankfurt am Main 1981, S. 204–06.
Zum zentralen Begriff der Solidarität im Denken von Wolfgang Abendroth siehe
Abendroths letzte Veröffentlichung „Warum Solidarität?“ [letzte politische
Äußerung von Wolfgang Abendroth, siehe Vorbemerkung von Lisa Abendroth], in:
Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft, 8. Jg., (1985), H. 29,
(Oktober), S. 402–403 und „Solidarität ist nur wirklich, wenn sie konkret ist“.
In: Gewerkschaftliche Monatshefte, 28. Jg., (1977), H. 4, (April), S. 233–236.
23 Ganz im Sinne der Feststellung von William Blum „The media’s
most effective tool – silence“. Zit. nach Richard Albrecht: Karl Liebknecht und
Genossen. Die „Ausrottung der Armenier“ während des Ersten Weltkrieges und die
deutsche politische Linke 1914/18. (unveröffentlicht)
24 Wolfgang Abendroth: Die abermals verpaßte Chance. In:
express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit,
Offenbach, Nr. 12 vom 22 . Dezember 1980, S. 6.
25 Im Privatarchiv Lisa Abendroth befinden sich Briefe der
griechischen Antifaschisten Christos Cargopulos vom 26. November 1983 und
Panayiotis Kemerlis vom 28. März 1984, die beide ihre lebhafte Erinnerung und
Dankbarkeit an Wolfgang Abendroth bezeugen.
26 Siehe den Brief von Martin Kutscha an Andreas Diers vom
18.11.2005. Diers hat u.a. Abendroths Tätigkeit im griechischen Widerstand in
seiner Dissertation detailliert und wissenschaftlich untersucht: Andreas Diers:
Arbeiterbewegung – Demokratie – Staat. Wolfgang Abendroth. Leben und Werk
1906–1948, Hamburg 2006.
27 Ebenda.
28 Neben der gerade erschienenen höchst aufschlussreichen
Arbeit von Diers über Abendroths erste Lebenshälfte (1906-1948) wird auf den
Band Friedrich-Martin Balzer/Hans Manfred Bock/Uli Schöler (Hrsg.): Wolfgang
Abendroth 1906–1985. Wissenschaftlicher Politiker. Bio-Bibliographische
Beiträge, Opaden 2001 und an die zum 100. Geburtstag erscheinende 2. Auflage der
CD-ROM „Friedrich-Martin Balzer (Hrsg.): Wolfgang
Abendroth für Einsteiger und Fortgeschrittene, Bonn 2006“ verwiesen, auf der
dieser Beitrag auch nachzulesen sein wird. Bezug über
www.friedrich-martin-balzer.de
29 „Im Namen meiner gefallenen Genossen“. Eine Erklärung von
Mikis Theodorakis. In: Junge Welt vom 3.1.2006, S. 6. Die Erklärung des
80-jährigen Komponisten, Schriftstellers und Politikers richtet sich gegen einen
Beschluss des EU-Parlaments „Über die Notwendigkeit der internationalen
Verurteilung der Verbrechen totalitärer kommunistischer Regimes“.
30 Wolfgang Abendroth: Zur Rolle des Antikommunismus heute,
[Verbesserte Fassung des in den Marxistischen Blättern 5/1973, S. 24–32 zuerst
erschienenen Aufsatzes] in: Das Argument, 16. Jg., (1974), Nr. 87, (November),
H. 7–9, S. 634–645.
31 Siehe den Filmklassiker von Constantin Costa-Gavras und
Jorge Semprun: „Z“ nach dem gleichnamigen Roman von Vassilis Vassilikos. Während
meiner 30-jährigen Tätigkeit als Lehrer habe ich diesen Film wiederholt meinen
Schulklassen im Unterricht vorgeführt.
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