Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.

"informationen" Nr. 63, Mai 2006 
Wolfgang Abendroth im griechischen Widerstandl
Nach Texten von Wolfgang Abendroth. Zusammengestellt von Friedrich-Martin Balzer
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Der Jurist, der marxistische Sozialist und Antifaschist Wolfgang Abendroth (1906-1985), dessen
100. Geburtstag sich am 2. Mai 2006 jährt, hat sich wiederholt zu seiner Rolle im griechischen Widerstand geäußert.
1 In einem bisher unveröffentlichten Exposé über seine „wissenschaftliche Entwicklung“ hat er dies ausführlich getan.

Titel und Inhalt des Manuskripts sind von Bedeutung, weil er seine Widerstandstätigkeit als Angehöriger des Bewährungsbataillons 999 als Teil seiner „wissenschaftlichen Entwicklung“ verstand. Zur gleichen Zeit machten seine späteren Kollegen in Justiz und Wissenschaft, Bürokratie und Politik ihre Karriere im „Dritten Reich“. Abendroth pflegte bei der Verteidigung der Normen des Grundgesetzes immer wieder auf den Gelehrtenkalender Kürschner hinzuweisen:

„Die ‚herrschende Meinung’ zur ‚Interpretation’, in Wirklichkeit zur Umdeutung des normativen Sinnes der wichtigsten Generalklauseln der bundesrepublikanischen Verfassung wurde von einer Professorenschar geprägt, die ihre Sporen im Verfassungssystem vor 1945 erwarb; ihre damaligen juristischen Leistungen findet man im ‚Gelehrtenkürschner’ von 1940/41 verzeichnet, man möge sie an Hand dessen und der juristischen Zeitschriften diese Jahre nachprüfen (z.B. Ernst Forsthoff, F.A. Freiherr von der Heydte, Ernst Rudolf Huber, Hans Peter Ipsen, Hans Carl Nipperdey, die Schule Carl Schmitts usw.). Nach Wiederherstellung der alten Eigentumsstrukturen und der sonstigen Restauration im CDU-Staat waren diese Professoren besonders berufen, als frühere Verfechter des ,Führerstaates‘ oder aller möglichen ‚Ordnungs’-Lehren oder Theorien vom ,totalen Staat‘ nunmehr die ‚freiheitlich-demokratische Grundordnung’ zu definieren.“
2

Aufgewachsen in einer sozialistischen Lehrerfamilie gelangte Abendroth schon früh in den revolutionären Flügel der deutschen Arbeiterbewegung. Dadurch allein wird – auch nach eigenem Bekunden – „seine wissenschaftliche Entwicklung verständlich“
3. Abendroths Universitäten zur Zeit des Faschismus, abgesehen
von seinem zeitwilligen Promotionsstudium über Völkerrecht in der Schweiz, waren die Bedingungen des illegalen, konspirativen Widerstandes, im Zuchthaus, im Strafbataillon 999, unter den griechischen Widerstandskämpfern, in britischen Kriegsgefangenenlagern in Ägypten und in Wilton Park. Ohne Geringschätzung des Beitrages, den Intellektuelle für die Arbeiterbewegung leisten können, lernte und lehrte Abendroth ganz nach seiner Maxime: „Auf den normalen jungen Arbeiter kommt es mir viel mehr an als auf den normalen Jungintellektuellen“.
4 Sein „bester Schüler“ unter den Politischen war ein junger Berliner Kommunist, Werner Illmer, den Abendroth bereits im Zuchthaus Luckau schätzen gelernt hatte.5

Deutsche Antifaschisten in Griechenland

Er ging mit Abendroth während des Krieges in Griechenland auf dem Peloponnes zur ELAS über. Gemeinsam mit anderen deutschen Antifaschisten schufen sie ab Juli 1943 eine illegale Organisation, die ihre Vertrauensleute in vielen faschistischen Stellungen auf dem Peloponnes hatte. Sie organisierten das systematische Abhören der antifaschistischen Sender und die Aufklärungsarbeit unter den Soldaten der Hitlerwehrmacht. Sie nahmen mit griechischen Partisanen Kontakt auf, versorgten sie mit Arzneimitteln, manchmal auch mit Waffen und warnten sie vor geplanten Terror- und Vernichtungsaktionen der faschistischen Besatzungsbehörden gegen die griechische Bevölkerung. Ihre Tätigkeit stand von Anfang an unter der realen Gefahr, dabei Leib und Leben zu riskieren. Werner Illmer selbst wurde bei einer Propaganda-Aktion unter den deutschen Soldaten gefangen genommen und erschossen. 

Unter der Überschrift „Deutsche Antifaschisten in Griechenland“ berichtete Abendroth in dem erwähnten Exposé über seine „wissenschaftliche Entwicklung vor dem Dritten Reich und in der Illegalität“ zunächst über die Hintergründe seines Wirkens im antifaschistischen Widerstand in Griechenland und beantwortet die Frage, wie er, ein deutscher Intellektueller und Strafgefangener des „Bewährungsbataillons 999“, zu den Partisanen in
Griechenland stieß.

„Seit 1942 hatte das Dritte Reich damit begonnen, seine ‚Zuchthäuser’ für seine Wehrmacht zu mobilisieren. Vorher war, wer mit Zuchthaus ‚bestraft’ war, ‚wehrunwürdig’ (wie er die ‚bürgerlichen Ehrenrechte’ – Wahlrecht, die Befugnis, als Trauzeuge bei der Eheschließung mitzuwirken etc. – verloren hatte). Die Zahl der
mit Zuchthaus Bestraften war jedoch so stark angewachsen, daß ihre militärische Verwertung erforderlich gewesen war. Sie wurden nun ‚bedingt wehrwürdig’ und zu besonderen Kampfeinheiten, den ‚Bewährungsbataillonen 999’, deren es viele (ca. 30) gab, zusammengefaßt. Das bedeutete erstens, daß ihre Soldaten viele Rechte des ‚normalen’ Soldaten (Möglichkeit Urlaub zu bekommen oder ‚befördert’ zu werden – also einen höheren Dienstgrad als den des einfachen Soldaten zu erhalten) nicht erhielten. Es bedeutete zweitens, daß in den Kompanien dieser ‚Bewährungsbataillone’, die grundsätzlich von (vom Standpunkt der Nationalsozialisten aus gesehen) besonders zuverlässigen Offizieren und Unteroffizieren kommandiert wurden, zwei divergente Schichten nebeneinander standen: ‚gewöhnliche’ Kriminelle und politische Zuchthäusler, also Antifaschisten. Das Dritte Reich hoffte, durch Privilegien für die ‚Kriminellen’ die ‚Politischen’ unter Kontrolle halten zu können und eben deshalb deren militärischen Einsatz riskieren zu können ... Ich selbst – von Beruf Jurist und der Gestapo Anfang 1937 in die Hände gefallen – wurde Anfang Februar 1943 in Berlin eingezogen,
mit vielen anderen (die ich z.T. aus meiner Strafanstalt kannte) zum ‚Ausbildungslager’ Heuberg, einem früheren Konzentrationslager, in Württemberg transportiert und dort einer Kompanie des V. Btl. 999 zugeteilt. Bei der Aufstellung der einzelnen Kompanien wurde darauf geachtet, daß möglichst keine ‚Politischen’ in die gleiche ‚Einheit’ kommen sollten, die sich aus ihrer früheren politischen Arbeit im gleichen Teil des Deutschen Reiches oder aus dem gleichen Zuchthaus kennen konnten. Trotzdem war es schon in dieser Zeit im Ausbildungslager möglich, herauszubekommen, wer ‚Politischer’ war. Denn, die ‚Politischen’ entstammten (wenn man von wenigen Angehörigen einer christlichen Sekte, der ‚Zeugen Jehovas’, absieht) ausnahmslos den verschiedenen Richtungen der illegalisierten Arbeiterbewegung, die Mehrheit der KPD, eine kleinere Zahl der ‚rechten’ KPD-Opposition, der SAP
6 oder dem aktivistischen ‚linken’ Flügel der SPD, und konnten sich an den Verhaltensweisen und nach vorsichtigem geistigen ‚Abtasten’ in Unterhaltungen bald erkennen. Aber wir waren in meiner Kompanie die Minderheit (und so war es seit diesem zweiten Einberufungs-Schub zu ‚999’ – der erste lag ein halbes Jahr vorher – in allen Bataillonen). Die frühere Zerstrittenheit der einzelnen Richtungen der Arbeiterbewegung untereinander war aber für uns alle längst überwunden und durch das selbstverständliche Bekenntnis zur antifaschistischen Einheitsfront, zum unbedingten Kampf gegen das Dritte Reich und zum ‚Defaitismus’, also zum Willen, alles zu tun, um seine Niederlage in diesem Krieg herbeizuführen, ersetzt worden.

Wir hatten vorerst damit gerechnet, in Nordafrika eingesetzt zu werden. Nach der Veränderung der Kriegslage in den ersten Monaten 1943 wurden wir jedoch Anfang Juli 1943 zum Balkan transportiert und erfuhren, daß wir nach Griechenland kommen würden. Unsere Versuche, bei einem kurzen Zwischenaufenthalt im jugoslawischen Mazedonien mit der Bevölkerung und dadurch mit den dortigen Partisanen Kontakt zu bekommen, schlugen
wegen der sprachlichen Schwierigkeiten fehl. Auch bei einer abermals auf wenige Tage beschränkten Stationierung in Saloniki und bei einem kurzfristigen Einsatz im Olymp-Bereich gelang uns das nicht.

Das konnte nur bei längerem Aufenthalt an einem Ort besser werden, wie wir bald wußten, zumal von uns niemand neugriechisch konnte und nur ein einziger – ein SAP-Kamerad aus Hamburg, Arthur Riehl – altgriechisch.

Die illegale Organisation der ‚Politischen’ in beiden Kompanien war sehr eng und funktionierte.

Als wir bald darauf nach Lemnos weitergebracht und dort in Kastron stationiert wurden, änderte sich das Bild bald. Zwei Dinge kamen uns zu Hilfe: die (wenn man die Studenten, die wegen der Kriegslage zu Hause bleiben und nicht weiterstudieren konnten, und die Lehrer des Gymnasiums, die Mediziner und Anwälte mitzählt) relative Intelligenzschicht sprach Französisch, aber manche Seeleute, die nun ‚zu Hause’ saßen, auch ein Englisch, das zwar nicht dem sogenannten Oxford-Englisch entsprach, wie es unsere zwei Intelligenzler unter dem Politischen Riehl (ein Volkswirt) und ich gelernt hatten, das wir aber doch langsam verstehen konnten. So
konnten wir zwischen unseren ‚Politischen’ (und denen einer weiteren Kompanie des XXII. Bataillons ‚999’, die bald in der Nähe auf Lemnos stationiert wurde) erste Berührungen vermitteln. Die illegale Organisation der ‚Politischen’ in beiden Kompanien war sehr eng und funktionierte – von einem Komitee mit einem Leipziger
KPD-Genossen, Werner Schmiedgen, dem gleichfalls Leipziger SAP-Kameraden Kurt Sonntag und einem Leipziger KPD-Opposition-Genossen Emil Kirsten gut kombiniert – ausgezeichnet.

Allerdings waren noch einige Schwierigkeiten zu überwinden. Die politische Situation in Griechenland (und zwar auch auf Lemnos) kannten wir zunächst nur unzureichend; und deshalb bedurfte es anfänglich großer Vorsicht. Wir wußten wohl, daß die Mehrheit der Bevölkerung schon wegen der bitteren Erfahrungen, die sie zur Zeit der Hungersnot zu Beginn der deutschen Okkupation hatte machen müssen, von ihren nationalsozialistischen Besetzern nichts wissen wollte, obwohl sie sich uns ‚999’-ern gegenüber freundlich verhielt, weil sie wußte, daß wir keine ‚durchschnittlichen’ deutschen Soldaten waren. Aber wir wußten auch, daß es – besonders in der ökonomischen Oberschicht – Gruppierungen gab, die – schon, weil sie Geschäfte mit der Besatzung machen wollten – durchaus anders dachten und jederzeit bereit gewesen wären, uns bei der ‚Geheimen Feldpolizei’, wenn man so will, der Wehrmachts-Gestapo, zu denunzieren, wenn sie von unserer Aktivität erfahren hätten. Wir wußten auch, was die Metaxas
7-Diktatur vor dem italienischen (und dann auch deutschen) Angriff auf sie zu bedeuten hatte und daß man also der Polizei und den Verwaltungsbeamten, die sie hinterlassen hatte, nicht trauen dürfe (und hatten also sehr unsere Zweifel, wenn sie – oder auch ein Teil der Ärzte und der Rechtsanwälte – sich bei uns durch anti-nationalsozialistische Äußerungen gleichsam ‚anbiedern‘ wollten, wenn sie mit uns ins Gespräch kamen). Wir erfuhren auch bald von den Gegensätzen zwischen EDES8 und ELAS9 auf dem Kontinent und lernten langsam, sie zu durchschauen. So wurde uns auch die EAM zum Begriff und auch die Rolle, die die KKE10 in ihr spielte. Von den Kombinationen der Exil-Regierungspolitik in Ägypten erfuhren wir dadurch, daß wir den britischen Sender Jerusalem systematisch abhörten. Deshalb setzten wir uns bald zum Ziel, feste Verbindungen zu KKE und EAM zu bekommen; denn zu dieser Zeit gab es in unserem Inselbereich noch keine ELAS-Einheiten.

Dabei kam uns bald die Dummheit unserer Armee-Führung zu Hilfe. Die Kommandantur zur Insel-Verwaltung, die
von der militärischen Inselkommandantur errichtet war, war neu zu besetzen, weil ihr bisheriger Chef (wahrscheinlich wegen irgendeiner der in solchen Dienststellen üblichen Korruptionsaffären) abberufen und durch einen österreichischen Freiherrn (und Oberleutnant der Hitler-Armee) ersetzt worden. Er suchte sich einen neuen ‚Stab’ von Schreibern, weil die bisherigen ihm mit dem, was vor seiner Dienstzeit lag, zu sehr verfilzt zu sein schienen. Und so wollte er ‚politische’ 999er haben, die die sachliche Voraussetzung, Fremdsprachen (Englisch und Französisch) zu verstehen und mindestens ein wenig zu sprechen und ein wenig von Verwaltung zu begreifen, erfüllten. Denn bei politischen Zuchthäuslern glaubte er – mit Recht – sicher zu sein, daß sie mit Korruption nichts zu tun haben wollten. Also holte er den SAP-Kameraden Arthur Riehl und mich als ‚Schreiber’ (ohne Dienstgrad natürlich) in seine Kommandantur. Dadurch konnten wir bald an alle ‚Verwaltungsakten’ herankommen; vor allem aber lernten wir nun die griechische Administration (einschließlich des Chefs ihrer Polizei) und die Oberschicht genauer kennen, weil wir uns mit allen ohne Dolmetscher unterhalten konnten. Nur – Neugriechisch konnten wir nicht. Weil wir bei ‚dienstlich’ erforderlichen Gesprächen mit den Bürgermeistern der Dörfer oder ‚Dienstverpflichteten’ Bauern, Fischern und Seeleuten oder auch Geistlichen auf ihn angewiesen blieben, ihm aber natürlich überhaupt nicht trauen konnten, half uns das zunächst auch nur begrenzt weiter. So blieben wir auf die Zufallskontakte mit griechischen Studenten auf den Straßen und Cafes auch weiter angewiesen (und auf alle Vorsicht, die dabei erforderlich war). Doch die konnten wir nun auch intensiver pflegen, weil unsere Stellung in der Inselkommandantur uns aus der Kaserne herausgeführt und uns ebenso das Rundfunk-Abhören wesentlich erleichtert hatte.

Bald kam uns jedoch ein weiterer Zufall zu Hilfe. Das von Metaxas errichtete Konzentrationslager auf Aghios Efstratios war von den Engländern befreit worden, die aber diese winzige Insel ebenso wenig okkupiert hatten wie die Deutschen. Administrativ gehörte sie aber zu ‚unserer‘ Inselkommandantur. Also wurde ich (zusammen mit dem Mann, dem mit der Inselkommandantur betrauten Offizier) mit einem ‚Kaiki‘ dorthin beordert, um die ‚Tatbestände‘ festzustellen und das, was die von den Engländern befreiten Häftlinge hinterlassen haben mochten, nach Kastron auf Lemnos zu bringen.

Mein ‚neuer’ Inselkommandant war übrigens – anders als sein österreichischer Vorgänger, der ein korrekter, anständiger, wenn auch relativ reaktionärer, aber nicht nazistischer Mann gewesen war – typische Durchschnittsware dessen, was im Dritten Reich in der Armee aufstieg. Auch das war mein – und unser – Glück. Denn deshalb ‚soff’ er sich mit dem Bischof dieser kleinen Klosterinsel fest, brauchte dabei den Dolmetscher, damit sie gemeinsam trinken konnten und beauftragte mich, die Verladung der paar Betten aus dem KZ mit ein paar griechischen Inselbewohnern, die er dazu ‚dienstverpflichtet’ hatte, weiter durchzuführen.

... wie stark die antifaschistische Solidarität auch über den Kreis der konspirativ unmittelbar Beteiligten hinaus in der griechischen Bevölkerung wirkte ...

Dabei sprach mich ein griechischer Mann auf Französisch an, offensichtlich ein Intellektueller. Er wußte über die ‚999’-Situation Bescheid und begann lange Diskussionen über die Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung. Er examinierte mich gleichsam über die verschiedenen Phasen der Entwicklung der Kommunistischen Internationale, um dann – als ich sie offensichtlich sehr genau kannte – politisch offen zu reden. Er ließ sich über die Lage in der 999-Kompanien auf Lemnos orientieren und gab mir
als ‚Anlaufstelle’ für uns bzw. für sich den Zahnarzt Noullas in Kastron an.

Von nun an bestand also ein steter systematischer Kontakt mit KKE und EAM auf der Insel. Die gegenseitige Information (und Teilnahme an der Willensbildung) hat voll funktioniert und bestanden, bis der Rückzugsbefehl der Wehrmacht für die deutsche Inselbesatzung im August 1944 eintraf. Von unserer Position in der deutschen
‚Inselkommandantur’ aus konnte durch den kommunistischen Zahnarzt Noullas manche Unterdrückungsaktion in Form von ‚Dienstverpflichtung’ der Bevölkerung für die deutschen militärischen Belange der EAM auf der Insel gleichsam vorangekündigt werden. Und auch als unser Kamerad Riehl wegkommandiert und durch einen Kriminellen ersetzt wurde, änderte sich daran nichts, weil er nur halb willens, aber jedenfalls nicht fähig war, mich zu kontrollieren; übrigens der leitende Offizier auch nicht. Als unser Kamerad Emil Kirsten, der ebenso im Zentrum unserer konspirativen Arbeit gestanden hatte – übrigens als einziger von uns allen – wegen eines schweren Bombenschadens für seine Familie in Leipzig Heimaturlaub erhalten hatte, aber dort – wie wir rasch erfuhren – im Zusammenhang mit der dortigen illegalen Organisationswelt der Gestapo in die Hände gefallen war, fürchteten wir zwar sehr um unsere Situation auf der Insel. Aber er hat nichts preisgegeben.

In dieser Zeit hat übrigens ein eigenes Erlebnis mir deutlich gezeigt, wie stark die antifaschistische Solidarität auch über den Kreis der an der konkreten Zusammenarbeit mit der lokalen KKE und EAM konspirativ unmittelbar Beteiligten hinaus in der griechischen Bevölkerung wirkte. Ich war mit einem Maschinengewehr im Arm bei einem Besuch auf einem militärischen Stützpunkt meiner Kompanie mehrere Meter tief gestürzt und war erst Stunden, dann Tage lang ohne Bewußtsein. Das Lazarett der Insel hatte nur einen deutschen Arzt als Leiter, der im Privatberuf Kinderarzt war und glaubte, ich habe Rippenbrüche und Gehirnerschütterung. Trotz seiner Behandlungsversuche wurde mein Zustand ständig schlechter. Die griechischen Kameraden, die bald merkten,
daß ich nicht mehr zu konspirativen Zusammenkünften kam und Aufträge (wie Beschaffung von deutschen Ausweisen für sie) nicht mehr erledigen konnte, weil ich nicht mehr auf der Kommandantur arbeitete, haben  einen griechischen Arzt zu dem deutschen Chef des Lazaretts gleichsam heran vermittelt, der (mit dessen Zustimmung) mich diagnostizierte und trotz meiner ständigen Bewußtlosigkeit richtig erkannte, daß ich einen Darmverschluß hatte und mich operierte, so daß mein Leben gerettet wurde. Ich verdanke es also griechischer Solidarität.


Fast die gesamte Presse der drei westlichen Besatzungszonen und der BRD hatte allen Köpfen seit 40 Jahren ein völlig verzerrtes Bild der griechischen Ereignisse eingehämmert.

So blieb die Lage, bis ich im August von dem Rückzugsbefehl für die Besatzung der Insel erfuhr. Gleichzeitig wurde die Truppe angewiesen, große Sprengungen auf der Insel vorzunehmen. Einer unserer Kameraden, der österreichische Genosse Willi Wehofer war, früher Sozialdemokrat, als Mitglied der KP Österreichs zu einer langen Zuchthausstrafe verurteilt gewesen – als deutscher Aufsichtsmann im Elektrizitätswerk der Insel eingesetzt gewesen und sollte die Sprengung der elektrischen Versorgungsanlagen organisieren. Stattdessen verschwand er mit allen Unterlagen über das Elektrizitätswerk und wurde zunächst in Kastron illegal untergebracht. Wenige Tage später mußte ich ihm folgen. Nach wenigen Tagen, die wir in einer Höhle in den Bergen an der Küste lebten, wurden wir, weil der Abzug der deutschen Truppen sich verzögert hatte und sie uns systematisch suchten, von den griechischen Genossen nachts durch ein Boot nach Lesbos gebracht. Um Lemnos wurde noch einige Tage gekämpft.

Lesbos war inzwischen von einer Einheit der ELAS befreit, die noch dem britischen Oberkommando für den Mittleren Osten unterstand. Die englische Armee verlangte unsere Auslieferung als Kriegsgefangene, obwohl wir in der Insel-Verwaltung tätig waren. Die ELAS stellte uns frei, nach Bulgarien zu gehen. Wir haben das nicht
getan, weil ich wegen meiner früheren Konflikte mit der Stalin’schen Führung und den bitteren Erfahrungen seit der Periode der Prozesse gegen die Opposition 1936/37 nicht in die Gefahr neuer Gegensätze hineingezogen
werden wollte. So gelangten wir über das britisch okkupierte Chios nach Ägypten in ein Kriegsgefangenen-Lager. Die britische Armee versuchte, uns über die ELAS in ihrem Lager in Mahdi zu vernehmen. Aber Wehofer und ich haben ihr natürlich keine Auskünfte gegeben.“11

In der BRD hielt es Abendroth stets für notwendig, an die Situation in Griechenland, wie sie seit dessen Befreiung von der Herrschaft des Dritten Reiches durch die Partisanen der ELAS und dann seiner Okkupation durch die Flotte und die Armee Churchills und die Armee der königlichen Regierung in Kairo entstanden war, ins Gedächtnis zu rufen.

Fast die gesamte Presse der drei westlichen Besatzungszonen und der BRD hatte „allen Köpfen seit vierzig Jahren ein völlig verzerrtes Bild der damaligen griechischen Ereignisse eingehämmert.“12 Gleichzeitig erinnerte Abendroth daran, dass es „keinen Krieg (und erst recht keinen Bürgerkrieg) ohne tragische Folgen für die Bevölkerung“13 gibt.

„Zahlreiche ehemalige politische Gefangene Hitlers, die mit den ‚Bewährungsbataillonen’ 999 in Griechenland eingesetzt waren und dort Verbindung zum EAM und ELAS aufgenommen hatten – auch ich –, haben diesen ganzen Prozeß (oft mit bitteren Folgen für sich selbst) miterleben müssen und waren nach ihrer Rückkehr nach Deutschland über das vorurteilsbestimmte falsche Bild entsetzt, das die durch die Propaganda des Kalten Krieges getäuschte westliche Bevölkerung über sie hatte.“14

Umso mehr betrachtete Wolfgang Abendroth es als seine Aufgabe, immer wieder an den „gemeinsamen Kampf mit den Griechen“15 zu erinnern.

Obwohl Abendroth nur etwa 375 Tage vom 20. September 1943 bis etwa zum 20. Oktober 1944, bis zu seiner britischen Kriegsgefangenschaft, am griechischen Widerstand aktiv beteiligt war, davon ca. die letzten 30 Tage als Mitglied der EAM mit militärischem Dienstrang in der ELAS: Es waren diese Erfahrungen im griechischen antifaschistischen Widerstand, die Abendroth befähigten und bereit machten, gleich zur Stelle zu sein, als am 21. April 1967 die Obristen in Griechenland mit Unterstützung der CIA gegen die demokratisch gewählte Regierung putschten und nach vorübergehendem Scheitern im November 1973 unter Papadopoulos erneut die Macht an sich rissen.

Im Zeichen der internationalen Solidarität erinnerte Abendroth daran, dass das „Dritte Reich“ während des Zweiten Weltkriegs „das griechische Volk schamlos unterdrückt“16 habe. Das griechische Volk sei dann am Ende des Zweiten Weltkrieges „durch den britischen Imperialismus, vereint mit den griechischen herrschenden Klassen und unter Wiederseinsetzung auch der korruptesten Elemente der griechischen herrschenden Klassen, die noch kurz vorher Hitler unterstützt hatten, niedergewalzt“ worden.

„Es konnte dann gleichwohl noch eine formale Demokratie unter Ausnutzung des Gleichgewichtsspieles der Großmächte bewahren, aber diese nur noch formale Demokratie konnte jetzt [durch den Putsch vom 21. April 1967] mit einem Federstrich durch die griechischen Generäle beiseite gefegt werden. Das war nur möglich, weil die griechische Arbeiterklasse 1944 und wieder 1946/47 geschlagen worden war. Wir hoffen, dass diese griechische Arbeiterklasse und dass die griechischen Intellektuellen, die mit ihnen gemeinsam kämpfen, bald die Chance erhalten, die Freiheit Griechenlands wieder herzustellen. Aber das werden die demokratischen Kräfte Griechenlands nicht können ohne die Solidarität der Arbeiterklasse und der Intellektuellen in den Ländern Westeuropas, die es den herrschenden Klassen ihrer Länder unmöglich machen müssen, die Diktatur der faschistischen Offiziere in Griechenland zu unterstützen.“17 Es sei für uns auch „eine nationale Pflicht, die Ehre des deutschen Volkes dadurch wiederherzustellen, dass wir unsere Regierung zwingen, die ebenso schamlose Unterstützung der griechischen Diktatur durch Belieferung von Waffen einzustellen. Das Schicksal der griechischen Arbeiter und Intellektuellen, die heute dieser Wiederholung des alten Metaxas-Regimes ausgeliefert sind, ist kein Einzelfall der Staatenwelt der spätkapitalistischen Gesellschaft.“18

Als Papadopoulos im November 1973 nach seiner zwischenzeitlicher Vertreibung Abendroth in seiner Rede am 20. November 1973 in Frankfurt19 – in Solidarität mit den griechischen Arbeitern und Studenten: „Das Regime des Putsches vom 21. April 1967 ist sich gleich geblieben, trotz aller Schönheitsoperationen, die im Interesse seiner besseren Verkäuflichkeit in den bürgerlichen Demokratien Westeuropas an ihm vorgenommen worden sind. Papadopoulos20, seine Obristen und seine Geheimpolizei bleiben, was sie immer waren, ob sie mit oder ohne Markezinis21, mit oder ohne angekündigte Scheinwahlen zu einem Scheinparlament auftreten. Die Demonstrationen und Massenaktionen der griechischen Studenten und Arbeiter haben den Schleier der Anpassungsideologien zerrissen, mit dem CIA, amerikanischer Imperialismus, die Interessen des
...

Antikommunismus, der in allen Ländern der Vorwand ist für jede Gewalttat, für die Zerstörung demokratischer Rechte und für die Errichtung der reaktionären und faschistischen Diktaturen ...

internationalen Monopolkapitals und der Regierungen der westeuropäischen NATO-Partner Griechenlands die Öffentlichkeit betrügen wollten. Die nackte Gewalt, mit der die Mörderbande, die Griechenland regiert, das Volk noch einmal niederwerfen konnte, läßt sich nun nicht mehr vertuschen. Deshalb sind die Opfer, die die tapferen
Studenten und Arbeiter von Athen in diesen Tagen bringen mussten, nicht umsonst gewesen. Sie sind für die Freiheit Griechenlands, für die Demokratie und auch für die Verteidigung demokratischer Rechte gegen die Gewaltherrschaft des amerikanischen Imperialismus und seiner Lakaien in den anderen Ländern Europas gebracht worden. Wir dürfen und werden sie niemals vergessen. [...]

Die griechische Demokratie wurde am 21. April 1967 durch die Militärdiktatur zerstört, weil jeder wusste, dass die bevorstehenden Wahlen eine Linksmehrheit ergeben hätten. Der Vorwand war der Antikommunismus, der in allen Ländern der Vorwand ist für jede Gewalttat, für die Zerstörung demokratischer Rechte und für die Errichtung der reaktionären und faschistischen Diktaturen, wenn das Monopolkapital fürchten muß, dass das Volk gelernt hat, seine demokratischen Rechte gegen seine Ausbeuter und gegen die Politik der amerikanischen
Militärstützpunkte zu gebrauchen. Das galt damals für Griechenland, es galt vor kurzem in Chile, es gilt jetzt wieder in Athen. Es gilt für uns – wenn auch in gemäßigten Formen – hier in der Bundesrepublik Deutschland. Wer hier nach dem Berufsverbot für Kommunisten schreit, wird morgen, wenn es nottut, die Demokratie vollends zerstören, wenn das Volk nicht aufpasst.

Nur die geschlossene Front des Volkes kann hier, wo es noch nicht so weit ist, die Aushöhlung der demokratischen Rechte hindern. Kommunisten, Sozialisten, Demokraten müssen gemeinsam kämpfen, um die Demokratie in Griechenland, in Chile, in Spanien, in Portugal wiederherzustellen, um in solchen Ländern wie der Bundesrepublik die Demokratie zu schützen. Das ist die Lehre, für die wir den Arbeitern und Studenten von Athen zu danken haben. Und deshalb gilt ihnen unsere Solidarität!“22

1980 beklagte Abendroth, dass es den westdeutschen Kommunikationsmitteln möglich sei, „solche wichtigen Diskussionen und Demonstrationen wie den Krefelder Kongress gegen die Atomwaffen und die Frankfurter Tagung der FIR (des internationalen Zusammenschlusses der Widerstandskämpfer gegen das Dritte Reich, von den französischen, italienischen und griechischen Partisanen, gleichgültig ob Kommunisten, Sozialisten, Christen oder der Gaullisten, bis zur deutschen VVN) einfach totzuschweigen“.23 Es müsse „das strategische Ziel“ verfolgt werden, „die gegenseitige Toleranz, die sich in diesen Kämpfen notwendig ergibt, zu einer einheitlichen Konzeption weiter zu entwickeln, durch die die abhängig arbeitende Klasse auch wieder zu einer parlamentarischen Repräsentanz gelangen kann.“24

In seinem letzten Lebensjahr, im Oktober 1984, besuchte Wolfgang Abendroth mit seiner Frau, der Historikerin Dr. Lisa Abendroth, noch einmal Griechenland als Teilnehmer des Kongresses der „Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen“ in Athen. Seine Hoffnung, dort noch viele alte Bekannte zu treffen, erfüllte sich nicht. Viele seiner ehemaligen Mitstreiter waren inzwischen gestorben.25 In seinem Hotel zeigte er den Angestellten seinen alten Ausweis der Widerstandsorganisation und wurde geradezu ehrfürchtig behandelt. Für den Teilnehmer Martin Kutscha26 war Abendroths offene Art beeindruckend, frei von jedem bei Professoren weit verbreiteten Standesdünkel die aktuellen politischen Probleme anzusprechen. Dabei ging es ihm immer um die „gemeinsame Sache“, nie um die Selbstdarstellung seiner Person. Über seine Aktivitäten im griechischen Widerstand sprach er nicht. „Wahrscheinlich war er dafür zu bescheiden“.27
 
Anlässlich der 100. Wiederkehr seines Geburtstages am 2. Mai 2006 lohnt es sich, nicht nur an den wissenschaftlichen Politiker Wolfgang Abendroth28 zu erinnern, sondern sich bewusst zu werden, was zu tun ist. Der griechische Musiker Mikis Theodorakis, selbst KZ-Opfer griechischer (Folter-)Zustände hat in seinem Protest29 gegen den EU-Beschluß wider den „Kommunismus“30 einen Weg dafür gewiesen. Die Zukunft der demokratischen Bewegung in allen Ländern hängt auch davon ab, wie sehr wir uns der Vergangenheit erinnern und uns in die gegenwärtigen herrschenden Verhältnisse, so gut es eben geht, einmischen, getreu der Aufgabe, der sich Abendroth ein Leben lang verpflichtet fühlte: Jenes Begreifen zu fördern, das rationales Eingreifen im Interesse von Demokratie, Frieden, Antifaschismus und Sozialismus ermöglicht. Abendroths revolutionärer Mut zur Einheit der Arbeiterbewegung wird dabei – trotz aller unvermeidlichen Differenzen und Widersprüche – ein großes Vorbild bleiben. Nach der Ermordung des linkssozialistischen Arbeiterführers Grigoris Lambrakis im Jahre 1963 malten abermals unterlegene griechischen Arbeiter und Intellektuelle den Buchstaben Z auf Häuser und Straßen, was im Altgriechischen so viel bedeutet wie: Er lebt.31

Zwanzig Jahre nach dem Tode von Wolfgang Abendroth am 15. September 1985 lebt Abendroth zwar nicht bei allen, die das Glück hatten, bei ihm – vor dem Epochenwechsel der Jahre 1989ff. – in die Schule der wissenschaftlich begründeten Solidarität zu gehen, wohl aber bei den wenigen, die an seinen Grundüberzeugungen festhalten, in ihren Köpfen und Herzen und in ihrem Bestreben nach einer anderen, besseren Welt fort.

Anmerkungen

1 Wolfgang Abendroth: Ein Leben in der Arbeiterbewegung. Gespräche, aufgezeichnet und herausgegeben von Barbara Dietrich und Joachim Perels, (Suhrkamp Verlag), Frankfurt/M. 11976, 21977, 31981 288 S. [Gesamtauflage 17.000], hier S. 183–189; Wolfgang Abendroth: Der gemeinsame Kampf mit den Griechen. In:
Information der Interessengemeinschaft ehemaliger deutscher Widerstandskämpfer in den vom Faschismus okkupierten Ländern (IEDW), 3/1978, (September), S. 11–12. Unter dem Titel „999er kämpfen mit den griechischen Partisanen“ nachgedruckt in: DGB-Bildungswerk Hessen und Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Deutschen Widerstandes 1933–1945 (Hrsg.), Hessische Gewerkschafter im Widerstand 1933–1945, Gießen 1983, [2. unveränderte Auflage 1984], S. 294-297; Wolfgang Abendroth: Deutsche Ausweise für griechischen Widerstand. In: die tat, 30. Jg., (1979), Nr. 2 vom 12. Januar 1979, S. 14.

2 Wolfgang Abendroth: SPD auf Kommunistenjagd, in: Neues Forum 4/1972, S.15-18, hier: S. 17.

3 Wolfgang Abendroth: Meine wissenschaftliche Entwicklung vor dem Dritten Reich und während der Illegalität, [Ms. im IISG], 1983, 12 S. Abschrift in Privatarchiv Friedrich-Martin Balzer (PAB).

4 Interview mit Prof. Wolfgang Abendroth [geführt von 3 Mitgliedern der DKP-Ortsgruppe Tübingen am 12. August 1976 in Stuttgart]. in: Aktion Gläsernes Rathaus, 2. Jg., (1976), Nr. 6, (August/September), S. 3–4. Siehe Friedrich-Martin Balzer: Wolfgang Abendroth als Berater der organisierten Studentenbewegung, demnächst nachlesbar in der 2. Auflage der CD-ROM Friedrich-Martin Balzer (Hrsg.): Wolfgang Abendroth für Einsteiger und Fortgeschrittene, Bonn 2. Auflage 2006.

5 Wolfgang Abendroth: Ein Leben in der Arbeiterbewegung, a.a.O., S. 182. Zur Person Werner Illmer (1914– 1944) siehe: Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED (Hrsg.): Deutsche Widerstandskämpfer 1933-1945. Biographien und Briefe, Band 1, Berlin/DDR, 1970, S. 448–450.

6 SAP = die im Oktober 1931 nach dem Parteiausschluss u.a. der linken Reichstagsabgeordneten Max Seydewitz und Kurt Rosenfeld aus der SPD gegründete „Sozialistische Arbeiterpartei“.

7 Ioannis Metaxas, (1871–1941), faschistischer General, der den Monarcho-Faschismus in Griechenland von 1936 bis 1941 anführte. Siehe neuerdings: Hannibal Velliadis: Metaxas-Hitler. Griechisch-deutsche Beziehungen während der Metaxas-Diktatur 1936–1941, übersetzt von Gerhard Blümlein, Berlin 2006.

8 EDES = national-republikanische, bürgerliche Widerstandsgruppe unter Führung des ehemaligen Obersten der griechischen Armee Napoleonas Zervas.

9 ELAS = die aus der linksgerichteten Widerstandsgruppe EAM im Frühjahr 1942 hervorgegangene paramilitärische Organisation unter Führung des Kommunisten Aris Velouchiotis. Nach dessen Absetzung übernahm Stephanos Seraphis das Kommando über die kommunistische ELAS. Im Sommer 1943 verfügte die ELAS über ca. 16.000 Kämpfer, die EDES über ca. 7.000. Ein Jahr später hatte sich die Anzahl bei der ELAS
verdreifacht, bei der EDES verdoppelt. Insgesamt wurden etwa 70.000 bis 80.000 Griechen im Partisanenkrieg oder bei Vergeltungsaktionen von deutschen, italienischen und bulgarischen Truppen, getötet, rund 1.700 griechische Dörfer zerstört.

10 KKE = Kommunistische Partei Griechenlands.

11 Wolfgang Abendroth: Meine wissenschaftliche Entwicklung aaO.

12 Wolfgang Abendroth: Leserbrief. In: Frankfurter Rundschau, 40. Jg., (1984), vom 19. Dezember 1984, S. 4.

13 Ebenda.

14 Ebenda.

15 Siehe Fußnote 1.

16 Wolfgang Abendroth: Sozialistisches Zentrum – notwendige politische Gegenmacht. Referat über die gesellschaftlichen Bedingungen der Gründung eines sozialistischen Zentrums und dessen Aufgaben. In: Sozialistische Hefte, 7. Jg., (1968), 3/1968, (März), S. 157–166, hier: S. 157.

17 Ebenda.

18 Ebenda.

19 In: Informationsdienst, hg. vom Ausschuss „Griechenland-Solidarität Bundesrepublik Deutschland“ vom 21. November 1973, verantwortlich für den Inhalt Josef Weber, Düsseldorf, S. 2–4.

20 Georgios Papadopoulos (1919–1999), griechischer Politiker, errichtete am 21. April 1967 mit Unterstützung einer Militärjunta ein diktatorisches Regime mit Ausnahmezustand, Gleichschaltung der Presse, Massenverhaftungen und -Deportationen sowie Konzentrationslagern auf den Inseln Jaros und Leros. Nach einem gescheiterten Gegenputsch des Königs Konstantin II. im Dezember 1967 mußte Papadopoulos ins Exil gehen. Am 1. Juni 1973 rief Papadopulos die Republik aus und wurde selbst Staatspräsident. Nach einem unblutigen Putsch gegen ihn im November 1973 übernahm General Phaidon Dimitriou Gizikis die Präsidentschaft. Papadopulos wurde verhaftet und schließlich zu lebenslanger Haft verurteilt, in der er 1999 verstarb.

21 Spyros Markezinis, griechischer Politiker, vom 1.10.1973 bis 25.11.1973 griechischer Premierminister.

22 Ebenda. Eine Analyse der griechischen Arbeiterbewegung in den 60er Jahren liefert Wolfgang Abendroth: Sozialgeschichte der europäischen Arbeiterbewegung, 13. Aufl. [83. Tausend], Frankfurt am Main 1981, S. 204–06. Zum zentralen Begriff der Solidarität im Denken von Wolfgang Abendroth siehe Abendroths letzte Veröffentlichung „Warum Solidarität?“ [letzte politische Äußerung von Wolfgang Abendroth, siehe Vorbemerkung von Lisa Abendroth], in: Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft, 8. Jg., (1985), H. 29, (Oktober), S. 402–403 und „Solidarität ist nur wirklich, wenn sie konkret ist“. In: Gewerkschaftliche Monatshefte, 28. Jg., (1977), H. 4, (April), S. 233–236.

23 Ganz im Sinne der Feststellung von William Blum „The media’s most effective tool – silence“. Zit. nach Richard Albrecht: Karl Liebknecht und Genossen. Die „Ausrottung der Armenier“ während des Ersten Weltkrieges und die deutsche politische Linke 1914/18. (unveröffentlicht)

24 Wolfgang Abendroth: Die abermals verpaßte Chance. In: express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, Offenbach, Nr. 12 vom 22 . Dezember 1980, S. 6.

25 Im Privatarchiv Lisa Abendroth befinden sich Briefe der griechischen Antifaschisten Christos Cargopulos vom 26. November 1983 und Panayiotis Kemerlis vom 28. März 1984, die beide ihre lebhafte Erinnerung und Dankbarkeit an Wolfgang Abendroth bezeugen.

26 Siehe den Brief von Martin Kutscha an Andreas Diers vom 18.11.2005. Diers hat u.a. Abendroths Tätigkeit im griechischen Widerstand in seiner Dissertation detailliert und wissenschaftlich untersucht: Andreas Diers: Arbeiterbewegung – Demokratie – Staat. Wolfgang Abendroth. Leben und Werk 1906–1948, Hamburg 2006.

27 Ebenda.

28 Neben der gerade erschienenen höchst aufschlussreichen Arbeit von Diers über Abendroths erste Lebenshälfte (1906-1948) wird auf den Band Friedrich-Martin Balzer/Hans Manfred Bock/Uli Schöler (Hrsg.): Wolfgang Abendroth 1906–1985. Wissenschaftlicher Politiker. Bio-Bibliographische Beiträge, Opaden 2001 und an die zum 100. Geburtstag erscheinende 2. Auflage der CD-ROM „Friedrich-Martin Balzer (Hrsg.): Wolfgang
Abendroth für Einsteiger und Fortgeschrittene, Bonn 2006“ verwiesen, auf der dieser Beitrag auch nachzulesen sein wird. Bezug über www.friedrich-martin-balzer.de

29 „Im Namen meiner gefallenen Genossen“. Eine Erklärung von Mikis Theodorakis. In: Junge Welt vom 3.1.2006, S. 6. Die Erklärung des 80-jährigen Komponisten, Schriftstellers und Politikers richtet sich gegen einen Beschluss des EU-Parlaments „Über die Notwendigkeit der internationalen Verurteilung der Verbrechen totalitärer kommunistischer Regimes“.

30 Wolfgang Abendroth: Zur Rolle des Antikommunismus heute, [Verbesserte Fassung des in den Marxistischen Blättern 5/1973, S. 24–32 zuerst erschienenen Aufsatzes] in: Das Argument, 16. Jg., (1974), Nr. 87, (November), H. 7–9, S. 634–645.

31 Siehe den Filmklassiker von Constantin Costa-Gavras und Jorge Semprun: „Z“ nach dem gleichnamigen Roman von Vassilis Vassilikos. Während meiner 30-jährigen Tätigkeit als Lehrer habe ich diesen Film wiederholt meinen Schulklassen im Unterricht vorgeführt.
 

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