Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V. Kinder im KZ Theresienstadt/ Antifaschismus

"informationen" Heft 60, Oktober 2004, 29. Jg.

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Titelbild informationen 60
 
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Auschwitz-Prozess Frankfurt am Main - die Gegenwart des Vergangenen
 


Im Schwerpunktthema
Auschwitz-Prozess Frankfurt am Main - die Gegenwart des Vergangenen

werden einige Aspekte der zeitgenössischen und aktuellen Wahrnehmung dieses umfangreichsten NS-Prozesses behandelt: Schwierigkeiten bei den Ermittlungen gegen die Täter, Abwehrhaltungen innerhalb der Justiz, Reaktionen der Bevölkerung ("Die Mauer des Schweigens"), Bearbeitungen in Film- und Fernsehproduktionen, Aufkommen einer "Väterliteratur" und schließlich Einbindung in die Geschichtspolitik der Berliner Republik.

Zur Gestaltung des Themas haben wir Fotografien ausgewählt, die als Beweismittel im Auschwitz-Prozess vorlagen. Bei den meisten handelt es sich um Fotografien aus jenem Album, das Lili Jacob, eine aus Ungarn nach Auschwitz deportierte Jüdin, unmittelbar nach ihrer Befreiung im KZ Mittelbau-Dora in einer Unterkunft der SS-Wachmannschaft fand. Auf dem Foto auf der ersten Seite erkannte sie Naftali Zwi Weiss, den Rabbiner ihrer Heimatgemeinde Bilke. Die folgenden, säuberlich eingeklebten Fotos zeigten ungarische Juden, im Mai 1944 nach Auschwitz deportiert, von der Ankunft an der Rampe in Birkenau bis zur "Selektion". Lili Jacob erkannte Familienangehörige, Freunde, Nachbarn, sich selbst; es waren die einzigen Fotos, die ihr von ihren ermordeten Verwandten geblieben waren. Das Album wurde im bittersten Sinne ihr Familienalbum.

In der den Prozess begleitenden Auschwitz-Austellung, gezeigt in der Frankfurter Paulskirche,
waren Fotografien aus diesem Album zu sehen. Die Ausstellungsmacher hatten vom Jüdischen Museum in Prag neben anderem Foto-Material Abzüge jener Glasplatten-Negative erhalten, die 1946 mit Zustimmung von Lili Jacob hergestellt worden waren; doch die genaue Herkunft wurde nicht weiter thematisiert. Die Fotografien schienen aussagekräftig genug. Das gesamte Foto-Material dieser Ausstellung befindet sich heute im Archiv des Studienkreises.

Nach dem Auschwitz-Prozess wurde das Album schnell wieder vergessen; niemand interessierte sich dafür. Erst 1980 stießen Beate und Serge Klarsfeld im Jüdischen Museum in Prag auf jene Glasplatten Negative. Sie fanden Lili Jacob, die inzwischen in Miami lebte und nach dem Tod ihres ersten Mannes Max Zelmonovic den aus Hildesheim stammenden Eric Meier geheiratet hatte, und konnten sie überzeugen, das Album der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zu übergeben. Dies geschah am 27. August 1980. Ein Jahr später erschien auf Anregung von Beate und Serge Klarsfeld in den USA eine Reproduktion. Es sollte noch einmal 15 Jahre dauern, bis eine deutsche Ausgabe mit einer sehr informativen Einleitung von Peter Moses-Krause unter dem Titel "Gesichter der Juden in Auschwitz. Lilli Meiers Album" im Berliner Verlag Das Arsenal in kleiner Auflage erscheinen konnte - finanziert durch Spenden und Zuschüsse der "Stiftung Niedersachsen" und der Arbeitsgemeinschaft Bet Shalom in Hildesheim.


Titel-Gestaltung:

Collage mit den für die informationen 60 ausgewählten oben beschriebenen Fotos.
Die Abbildungen befinden sich im "Studienkreis Deutscher Widerstand".
Zusammenstellung: Dr. Gottfried Schmidt
 
 


Inhalt
sverzeichnis

Editorial >>Mehr dazu
Regina Becker-Schmidt: Reaktionen der westdeutschen Bevölkerung auf den Auschwitz-Prozess - Seite 4 
"Der Prozess war etwas, was über den normalen Rahmen hinaus ging, und das Normale war eben schlecht." Ermittlungen im Auschwitz-Prozess Ein Interview mit Heinz Düx von Ursula Krause-Schmitt und Jana Mikota - Seite 10 >>Mehr dazu 
Jana Mikota: "Fragen waren damals nicht beliebt, schon gar nicht die nach der Vergangenheit." Eine Auseinandersetzung mit der so genannten "Väterliteratur" - Seite 17
Tobias Ebbrecht: "So sprechen die Toten hier." (Peter Edel) Der Auschwitz-Prozess im Kontext zeitgenössischer Film- und Fernsehproduktionen - Seite 21
Ulrich Schneider: Auschwitz als Metapher - vom geschichtspolitischen Umgang mit einem Symbol Schlaglichter und Facetten der gesellschaftlichen Diskussion - Seite 25
Ingo Koch: Der Rostocker Historiker Prof. Dr. Karl Heinz Jahnke feierte seinen 70. Geburtstag -
Seite 29
Erika und Josef Schwarz: Die Spurensuche zu den Rechtsanwälten der Roten Hilfe geht weiter -
Seite 30
Johannes Wrobel: Zeugen Jehovas im Konzentrationslager - eine konstante Häftlingskategorie
1933-1945 - Seite 32
Buchbesprechungen - Seite 35 >>Mehr dazu
Ursula Krause-Schmitt: Wieder entdeckt: Peter Edel: Die Bilder des Zeugen Schattmann - Seite 46
 

 
Impressum:

Informationen des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.
Nr. 60, Oktoberi 2004, 29. Jahrgang, ISSN 0938-8672
Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.
Rossertstraße 9, D-60323 Frankfurt am Main,
Telefon (069)72 15 75, Fax (069) 71 03 42 54,
E-Mail: kontakt@studienkreis-widerstand-1933-45.de
Internet: http://www.studienkreis-widerstand-1933-45.de

Redaktion: Ursula Krause-Schmitt, Jana Mikota, Gottfried Schmidt
Gestaltung: Grafik & Satz, Gottfried Schmidt, Mühltal, (06151) 9 51 80 87
Erscheinungsweise: Zweimal jährlich (Frühjahr/Herbst)
Verkaufspreis: Abonnement 11 Euro; Einzelheft 5.50 Euro jeweils zuzüglich Versandkosten
Bankverbindung: Postbank Frankfurt/Main, Konto 314124-603, BLZ 500 100 60
Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion
© Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-45 e.V.


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