|
Auschwitz-Prozess Frankfurt am Main - die
Gegenwart des Vergangenen
|
Im Schwerpunktthema
Auschwitz-Prozess Frankfurt am Main - die Gegenwart des Vergangenen
werden einige Aspekte der zeitgenössischen und aktuellen Wahrnehmung dieses
umfangreichsten NS-Prozesses behandelt: Schwierigkeiten bei den Ermittlungen
gegen die Täter, Abwehrhaltungen innerhalb der Justiz, Reaktionen der
Bevölkerung ("Die Mauer des Schweigens"), Bearbeitungen in Film- und
Fernsehproduktionen, Aufkommen einer "Väterliteratur" und schließlich Einbindung
in die Geschichtspolitik der Berliner Republik.
Zur Gestaltung des Themas haben wir Fotografien ausgewählt, die als
Beweismittel im Auschwitz-Prozess vorlagen. Bei den meisten handelt es sich um
Fotografien aus jenem Album, das Lili Jacob, eine aus Ungarn nach Auschwitz
deportierte Jüdin, unmittelbar nach ihrer Befreiung im KZ Mittelbau-Dora in
einer Unterkunft der SS-Wachmannschaft fand. Auf dem Foto auf der ersten Seite
erkannte sie Naftali Zwi Weiss, den Rabbiner ihrer Heimatgemeinde Bilke. Die
folgenden, säuberlich eingeklebten Fotos zeigten ungarische Juden, im Mai 1944
nach Auschwitz deportiert, von der Ankunft an der Rampe in Birkenau bis zur
"Selektion". Lili Jacob erkannte Familienangehörige, Freunde, Nachbarn, sich
selbst; es waren die einzigen Fotos, die ihr von ihren ermordeten Verwandten
geblieben waren. Das Album wurde im bittersten Sinne ihr Familienalbum.
In der den Prozess begleitenden Auschwitz-Austellung, gezeigt in der Frankfurter
Paulskirche,
waren Fotografien aus diesem Album zu sehen. Die Ausstellungsmacher hatten vom
Jüdischen Museum in Prag neben anderem Foto-Material Abzüge jener
Glasplatten-Negative erhalten, die 1946 mit Zustimmung von Lili Jacob
hergestellt worden waren; doch die genaue Herkunft wurde nicht weiter
thematisiert. Die Fotografien schienen aussagekräftig genug. Das gesamte
Foto-Material dieser Ausstellung befindet sich heute im Archiv des
Studienkreises.
Nach dem Auschwitz-Prozess wurde das Album schnell wieder vergessen; niemand
interessierte sich dafür. Erst 1980 stießen Beate und Serge Klarsfeld im
Jüdischen Museum in Prag auf jene Glasplatten Negative. Sie fanden Lili Jacob,
die inzwischen in Miami lebte und nach dem Tod ihres ersten Mannes Max
Zelmonovic den aus Hildesheim stammenden Eric Meier geheiratet hatte, und
konnten sie überzeugen, das Album der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zu
übergeben. Dies geschah am 27. August 1980. Ein Jahr später erschien auf
Anregung von Beate und Serge Klarsfeld in den USA eine Reproduktion. Es sollte
noch einmal 15 Jahre dauern, bis eine deutsche Ausgabe mit einer sehr
informativen Einleitung von Peter Moses-Krause unter dem Titel "Gesichter der
Juden in Auschwitz. Lilli Meiers Album" im Berliner Verlag Das Arsenal in
kleiner Auflage erscheinen konnte - finanziert durch Spenden und Zuschüsse der
"Stiftung Niedersachsen" und der Arbeitsgemeinschaft Bet Shalom in Hildesheim.
Titel-Gestaltung:
Collage mit den für die informationen 60 ausgewählten oben
beschriebenen Fotos.
Die Abbildungen befinden sich im "Studienkreis Deutscher Widerstand".
Zusammenstellung: Dr. Gottfried Schmidt
|
|
|
|