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"The
road not taken ..." Grundzüge einer Didaktik der Erinnerung
Peter Krahulec
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Der
Autor ist Erziehungswissenschaftler an der Fachhochschule in Fulda und seit
kurzem auch Vorstandsmitglied im Studienkreis. Selber Angehöriger der ersten
Nachkriegsgeneration, befaßt er sich u.a. mit der Bildungswirksamkeit des
Nationalsozialismus für die dritte und mittlerweile vierte Generation der
Nachgeborenen. Den folgenden, leicht gekürzten Beitrag hielt er auf der
Kasseler geschichtspolitischen Konferenz am 31.1.1998. Er unterbreitete
hierbei einen didaktisch-konzeptionellen Vorschlag, wie selbst aus dem
Zivilisationsbruch der NS-Diktatur noch Stärkung für – vor allem junge –
Menschen zu gewinnen sei. Denn Krahulec folgt der These Hartmut von Hentigs:
"Die Dinge klären, die Menschen stärken!" – das sei die Aufgabe
von Pädagogik und PädagogInnen heute.
Mein
Konzept hat drei erkenntnisleitende Kategorien; zuvörderst die
Multiperspektivität. Ihre (Wieder-)Entdeckung läßt sich ziemlich genau
datieren:
1962
hörte der Rabbi Harold Schulweis aus Kalifornien während des
Eichmann-Prozesses in Jerusalem die Zeugenaussage des deutschen Bauingenieurs
Hermann Gräbe, der mehr als 300 JüdInnen vor dem Tode rettete – (nicht
nur) für ihn "ein schwacher Lichtschein der Erlösung" angesichts
"des entsetzlichen Bildes vom Menschen", das jener Massenmörder mit
dem Werkzeug der Administration offenbarte. Schulweis gründete darauf hin das
"Institute for Righteous Acts" ("Institut für gerechte
Handlungen") in Oakland, um solche Retter zu finden, zu befragen und auch
zu ehren. Einer der ersten, der ihm mittels einer Fernsehproduktion half, war
übrigens Gerald Green, der 1978 "Holocaust" schrieb und verfilmte
(das Medienereignis für die Generation "vor Schindlers Liste").
Schulweis stieß damit eine Forschung an, die im Angelsächsischen
mittlerweile boomt und langsam auch bei uns rezipiert wird.
Einen
vorläufigen Höhepunkt an Brillanz fand sie in einem der schönsten, weil
ehrlichen und doch Mut machenden Bücher,
die ich je gelesen habe, Eva Fogelmans Lebenswerk: "Wir waren keine
Helden. Lebensretter im Angesicht des Holocaust", 1994 unter dem
Originaltitel "Conscience and Courage" erschienen, 1995 auf deutsch
bei Campus.
Die
Milgram-Doktorandin "fesselten jedoch nicht die Menschen, die der Autorität
gehorchten, sondern die anderen, die
ihr nicht Folge leisteten" (S.12). In zehn Jahren führte sie über 300
Tiefeninterviews mit RetterInnen in Nordamerika, Israel, West- und Osteuropa
– immer erstaunt über das monumentale Mißverhältnis: "In den von
Nazis besetzten Gebieten lebten fast 700 Millionen Menschen. Nur ein
verschwindend geringer Bruchteil von ihnen war an Rettungsaktivitäten
beteiligt" (S. 14).
Und
dennoch: Es gab sie! Und sie könnten uns ein ihre Zeit überdauerndes Modell
abgeben auf die Fragen: Wie wird ein
Mensch mutig? Was sind die Bedingungen für Zivilcourage heute? Unter dieser
Überschrift habe ich 1995 in einem Beitrag für die Hessische Landeszentrale
für politische Bildung Ergebnisse der "Rescuer"-Forschung (so der
angelsächsische Terminus) zusammengefaßt 1.
Helfermenschen
(rescuer) haben relativ übereinstimmende Merkmale: eine moralisch stabile
Bezugsperson, ein
gesellschaftliches Außenseiterdasein 2, eine
ausgeprägte Urteilskraft in schwierigen Situationen, ein
großes Maß an Phantasie, um sich in die Lage anderer hineinzuversetzen.
Sie
verfügen also über die Schlüsselqualifikation Empathie. Die
Mehrzahl half nicht wegen abstrakter Prinzipien, sondern wegen konkreter
Menschen. So wird eine Holländerin zitiert: "Es war keine Frage des
Nachdenkens. Es war einfach so. Da gab es hilfsbedürftige Menschen, und wir
halfen ihnen. Die Leute fragen oft, wie wir angefangen haben. Aber wir fingen
nicht an. Es fing an."
Ähnliches
hat mir, alltagsklassisch formuliert, die 85jährige Elli Wilde gesagt, die in
unserem Rhöner Nachbarstädtchen Gersfeld den Juden Theophil Posen zunächst
versteckte und schließlich in die Schweiz schmuggelte: "Wir waren doch
gut zusammen ...!" Und jener Satz: "Einer mußte es doch tun"
des Johann Georg Elser, der am 8. November 1939(!) ganz alleine versuchte,
Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräusaal mit Hilfe einer selbstgebauten
Bombe zu töten, er sei unvergessen.
Eine
zweite großartige An-"Stiftung" muß hier gleichfalls erwähnt
werden, damit sie vielleicht noch größere Verbreitung
finde: die "Facing History and Ourselves National Foundation" in
Brookline/Massachusetts; – in die Bundesrepublik vornehmlich vermittelt
durch das Frankfurter Fritz-Bauer-Institut und wirksam vor allem durch das
voluminöse "Ressource Book" (576 Seiten) samt einer beeindruckenden
Videothek. Im Kontext einer allgemeinen Menschenrechtserziehung in
multikulturellen Gesellschaften werden im achten Kapitel (von elf) auch die
"rescuers" abgehandelt
und ihr majoratives Gegenbild, die "bystanders", die Zu-, besser
auch Wegschauer. Leitmotivisch steht ein Einstein-Wort: "Die Welt ist zu
gefährlich, um darin zu leben – nicht wegen der Menschen, die Böses tun,
sondern wegen der
Menschen, die es zulassen".
Der
Mentor der Holocaust-Forscher, Raul Hilberg, wird so zitiert (alle Zitate in
meiner Übersetzung): "Die meisten Zeitgenossen
der jüdischen Katastrophe waren weder Täter noch Opfer. Viele Menschen hörten
etwas von den Vorkommnissen. Die, die in Hitlers Europa lebten, hätten sich
wahrscheinlich selber, mit wenigen Ausnahmen als Zuschauer bezeichnet. Sie
waren nicht betroffen, sie wollten die Opfer nicht verletzen, und sie wollten
von den Tätern nicht verletzt werden: Die Holländer sorgten sich um ihre
Fahrräder, die Franzosen wegen der Mangelwirtschaft, die Ukrainer litten
unter Lebensmittelknappheit, die Deutschen unter Bombardierungen. All diese
Leute hielten sich für Opfer: des Krieges, der Diktatur, des Schicksals
..."
Die
verschiedenen "readings" (Vorlesungen) bringen nun eine Fülle von
Material dafür: "Wenn eine ganze Bevölkerung im Zuschauen verharrt,
sind die Opfer ohne Verbündete, die Kriminellen werden bekräftigt – und
erst dann wird Heldentum notwendig. Wenn ein Feld voller Schafe steht, ragt
ein Hirsch natürlich heraus. Wenn ein ganzer Kontinent voller Willfährigkeit
ist, dann erst müssen wir lernen, was Heldentum ist" (S. 364). Das
scheint mir der Kern von Multiperspektivität zu sein: In den Blick und in die
kritische Analyse geraten nicht nur "Täter" und "Opfer",
sondern mit neuem Schwerpunkt auch die "Zuschauer" und die
"Retter" – und schließlich die "Widerständler".
Den
"Zuschauern"/Unterlassern wird eine neue, eine Schlüsselrolle
zugewiesen und auf das Konzept der "Handlungsspielräume" beharrlich
hingewiesen. Bekannt ist Niemöllers Diktum, das sinngemäß endet: "und
als sie mich holten, war keiner mehr da zum Protestieren". "Facing
History" schließt wahlverwandt mit einem Gedicht von Robert Frost:
"The Road Not Taken" (Der Weg, den ich nicht genommen habe) – und
dieses wiederum endet mit dem Vers: "and that has made all the
difference" (und das hat den ganzen Unterschied ausgemacht) 3.
Eva
Fogelman faßt die Moral ihrer RetterInnen-Studie mit einem Gedicht der
ungarischen Jüdin Hannah Senesh zusammen:
"Es gibt Sterne, / deren Strahlen auf Erden noch sichtbar sind, /
obgleich sie längst verloschen. / Es gibt Menschen, die die Welt mit ihrem
Glanz erleuchten, / obgleich sie nicht mehr unter den Lebenden weilen. / Diese
Lichter sind am hellsten, /wenn die Nacht am finstersten. / Sie leuchten der
Menschheit ihren Weg" (S. 298).
Sic!
Und sie könnten zum "fruchtbaren Moment im Bildungsprozeß" werden
(wie Copeis etwas antiquierte, aber klassische
Kategorie bereits 1950 hieß) 4.
Der
entscheidende Lernschritt hierfür ist in meiner "Didaktik der
Erinnerung" mittels der zweiten Kategorie anzustrengen, mittels des
biografischen Ansatzes. Ich will ihn by doing biography skizzieren anhand von
Samuel Oliner, heute Soziologieprofessor an der kalifornischen Humboldt State
University 5.
Bis
zum 14. August 1942 lebte Shmulek Oliner im Ghetto von Bobowa, einer Stadt im
Südosten Polens. Dann kamen die
Lastwagen der deutschen Einsatzgruppen. Am 15. August lebte nur noch Shmulek,
dem es als einzigem gelang, sich zu verstecken – und auch (sklavenähnlich)
zu überleben, nicht zuletzt dank seiner blonden Haare und braunen Augen, vor
allem aber dank mehrerer Menschen, die ihn versteckten und versorgten bis zur
Befreiung durch die Rote Armee. Mit Hilfe des Jewish Refugee Committee
wanderte er nach San Francisco aus, machte ein Textilgeschäft auf und beschloß
schließlich im fortgeschrittenen Alter, Soziologie zu studieren. Seine Frau
Pearl schildert jene Jahre so:
"Die Vergangenheit blieb unter Verschluß. Auch mir hat er von ihr oder
seinen Gefühlen sehr wenig erzählt ... Aber sie waren immer da. Jahrelang
hatte er Alpträume, daß er gejagt werde, und schrie im Schlaf ... Bis er mit
seiner Holocaust-Vorlesung an der Humboldt-Universität anfing, konnte er sich
seiner Vergangenheit nicht wirklich stellen und mit ihr umgehen" (S.
183).
Das
geschah erst, als Samuel, wie er sich jetzt nannte, bereits 48 war und an die
nordkalifornische Universität berufen
wurde. Er rechnete wegen des späten Einstiegs nicht mehr mit größeren
Forschungsvorhaben und hatte auch kein dominantes Interesse an einem
bestimmten Lehrgebiet. Doch "als bestimmte Leute zu bestreiten begannen,
daß es überhaupt eine Judenvernichtung gegeben hatte", so erzählt er,
"dachte ich, es wäre an der Zeit, über die Fakten zu reden". Er
konzipierte eine Holocaust-Vorlesung. Damit mußte Oliner die Erfahrungen
seiner Vergangenheit wieder lebendig werden lassen.
Oliner
war darauf gefaßt gewesen, daß die Vorlesung ihn selber quälen würde. Aber
er hatte nicht die Verzweiflung geahnt,
in die viele seiner StudentInnen gestürzt wurden. Wiederum erinnert sich
Pearl: "Sam kam nach Hause und saß im Lehnstuhl am Fenster und schwieg
und brütete. Nach einer Weile erzählte er mir dann, daß Studenten während
seiner Vorlesung geweint hatten und daß er sich fragte, ob es richtig war,
was er machte". Als ihn eine deutsche Studentin schließlich ansprach,
sie könne nicht mehr in seine Vorlesung kommen, sie schäme sich wegen
dessen, "was mein Volk getan hat", antwortete er: "Aber es war
nicht Ihr Volk. es waren einige von ihnen", und er versicherte ihr, daß
es mitten im Holocaust Nichtjuden und auch Deutsche gegeben hatte, die
ungeachtet der Gefahr für ihr eigenes Leben Juden versteckt und versorgt
hatten. Aber der Vorfall beeindruckte ihn tief: "Ich erkannte, daß man
zu einem verzerrten Menschenbild kommt, wenn man sich nur an das Negative hält.
Millionen konnten oder wollten nicht helfen, aber andere riskierten ihr Leben,
um Juden zu retten, wie Balwina Piecuch mich gerettet hatte. Das hatte ich
weggelassen. Ich sah, daß ich den Holocaust aus einem anderen Blickwinkel
betrachten mußte. Ich mußte meinen Studenten ein ausgewogenes Menschenbild
vermitteln. Und ich mußte selber zu einem solchen Bild kommen" (Hunt, S.
184).
Und
so gingen die Oliners nach Berkley, um die eingeschlafene Arbeit des oben erwähnten
"Institute for Righteous Acts"
auf der Suche nach "Gerechten unter den Völkern" fortzusetzen. Nach
Auskunft von Freunden wurde diese Arbeit "seine große Leidenschaft und
seine Erfüllung"; das Projekt habe ihn geheilt: "Er fand den Funken
Anstand im Menschen" (Hunt, S. 189). Und er fand heraus, was
Helfermenschen und Zivilcourage ausmacht: "Das Spannendste, was bisher
herausgekommen ist, ist eine Dimension, bei der Persönlichkeitsmerkmale, verinnnerlichte
Werte und familiale Sozialisation zusammenkommen ... Sie steht für
Einstellungen zu Menschen, die anders
sind als man selbst – also wie weit man Menschen außerhalb der eigenen
Gruppe als Mitmenschen und nicht als sie ansieht ... Sie mißt die Reichweite
des einfühlenden Verhaltens – wie weit es sich auch auf Außenstehende und
nicht nur auf die engeren Wir-Gruppen-Mitglieder erstreckt und wie stark
Gerechtigkeit als etwas empfungen wird, das nicht nur für uns und
unseresgleichen gilt, sondern auch für Menschen außerhalb der eigenen Gruppe
... Wir haben diese Dimension Extensivität genannt ... Extensivität ist der
Kern der altruistischen Persönlichkeit – und von den Daten her haben wir
allen Grund zu der Annahme, daß sie erlernbar ist" (Hunt, S. 194,
Hervorhebung von mir, um die pädagogische Herausforderung und auch
Verpflichtung zu betonen!).
Oliner
zieht selber didaktische Konsequenzen: "Ich bin der festen Überzeugung,
daß der Holocaust nicht nur ins College,
sondern auch in die Highschool gehört, als etwas, das Bestandteil und Bürde
unserer westlichen Zivilisation ist – nicht um im Pessimismus zu versinken,
sondern weil er ein Lehrstück darüber ist, wie die Menschheit auf die
schiefe Bahn kommen und ihr Menschlichstes preisgeben kann. Nun wäre natürlich
ein Unterricht, der nur aus Greueln und Schreckensmeldungen über die
Menschheit besteht, schrecklich deprimierend und würde die Studenten nur in
Verzweiflung stürzen. Mit unseren Ergebnissen kann dieser Unterricht aber
konstruktiv werden. Wenn man den Schülern sagt: Die Menschheit ist nicht nur
schlecht. Seht euch das empirische Material an, und ihnen ein paar Beispiele
und Erkenntnisse über den Altruismus vorführt, macht das den Holocaust-Stoff
erträglich. Sie bekommen ein ausgewogeneres Bild von der Menschheit. Ich
glaube, viele Menschen haben ein solches ausgewogenes Bild und die Hoffnung,
die damit verbunden ist, bitter nötig ..." (Hunt, S. 195f).
Und
nach einer Weile des Schweigens fügte er im Gespräch mit Morton Hunt hinzu:
"Für mich war diese Forschung faszinierend,
weil sie Einsichten in die Vielfalt des menschlichen Verhaltens vermittelt, in
die ganz unterschiedlichen Verhaltensmöglichkeiten, die der Mensch hat –
und zu denen eben auch gehört, daß er mitfühlend, gebend, lieben sein kann.
Eigentlich ist das wunderbar". Dann sagte er noch: "Seit Monaten
habe ich keine Alpträume mehr gehabt" (Hunt, S. 196).
Mit
einer "Multiperspektivität" und einem "biografischen
Ansatz" im Tornister läßt sich trefflich gerüstet aufbrechen ins Feld
selber mit der dritten Kategorie meiner Erinnerungsdidaktik: zur
"Spurensuche". In der außerschulischen politischen Jugendarbeit und
in der Bildungsarbeit allgemein begründen "Spurensicherung",
"oral history", "Alltagsgeschichte" heute qualifizierte
Strategien entdeckenden Lernens mit dem Anspruch gar von Handlungsforschung,
wenn sie – in Anlehnung an Bloch – nicht nur praktizistisch "an den
Sohlen der Wirklichkeit kriechen", sondern wenn sie versuchen, "der
Wirklichkeit die Fackel voranzutragen, die in ihr selber brennt, die aber
bedeutend mehr Sauerstoff braucht, als er ohne den aktiven Menschen auf dieser
Welt vorkommt. Dieser Sauerstoff heißt Begriff, Gewissen des Begriffs" 6.
Nicht
ums bloße Ablichten der (nationalsozialistischen) Alltagswelt geht es also
den von mir intendierten "BarfußhistorikerInnen", sondern um die
analysierende Auseinandersetzung mit dem sonst selbstverständlich Gelebten,
zumal als Antwort auf die multiperspektivische Frage an die aufgespürten
Biographien, warum der eine Zeitgenosse dies tat, die andere so wurde: ob als
TäterIn, ob als Opfer, als ZuschauerIn, als WiderstehendeR oder ob als
RetterIn.
Wie
das größere Stück gelingen kann – worauf Eike Hennig wiederholt
hingewiesen hat – vom Alltag zum Staatsgeschehen, von
den kleinen Leuten zu den Haupt- und Staatspersonen, zu Entscheidungsprozessen
und Machtstrukturen und schließlich von der Vergangenheit zur Gegenwart
aufsteigend-begreifende Verknüpfung zu schaffen, bleibt
"unabgegolten" (Bloch). Hier wie weithin gilt Adornos Diktum:
"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der
anderen noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen".
Ein
Dilemma ist aufzulösen: in den Verhältnissen <drinzustecken>, von
ihnen gefangen zu sein, und mit ihnen etwas <anzufangen>,
sie zu begreifen und gestalten. Spurensuche könnte diesen Widerspruch
partiell auflösen als ein Stück Richtigstellung von Realitätswahrnehmung.
Erzählend und fragend miteinander umzugehen, den gemeinsamen Lebensort als
Lernort 7, als Erfahrungs- und Hoffnungshorizont zu sehen,
Neugierde, Sinnlichkeit und Öffentlichkeit zu entwickeln, das könnte selbst
fürs elend schwarze Kapitel "Nationalsozialismus" zum Vor-Schein
bringen, was Joseph von Eichendorff lyrisch so symbolisierte: "Es schläft
ein Lied in allen Dingen, / die da träumen fort und fort. / Und die Welt fängt
an zu klingen, triffst Du nur das Zauberwort". Micha Brumlik hat's auf
den nüchternen Begriff unserer Zunft gebracht; es geht um eine "künftige
Didaktik der Menschenrechte am Beispiel ihrer Verletzung" 8.
Wegweiser
im wörtlichen zu einer solchen künftigen Didaktik kann uns die nunmehr achtbändige
Reihe mit höchstem Gebrauchswert
des Frankfurter "Studienkreises Deutscher Widerstand" sein:
"Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933–1945". Sie erfaßt zur Zeit die Bundesländer Hessen,
Niedersachsen, Saarland, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Bremen.
Die
beiden Hessen-Bände etwa unterstützte die Hessische Landeszentrale für
politische Bildung. Gedenkstätten-Referatsleiterin Renate Knigge-Tesche
schreibt im 97er-Vorwort: "In jahrelanger mühevoller Arbeit, sehr oft
gegen Widerstände, Anfeindungen und Mauern des Schweigens, haben
Lokalforscherinnen und -forscher, Geschichtsvereine,
Initiativen, Archivare und nicht zuletzt auch Schülerinnen und Schüler in
ihrer Region Spuren der Vergangenheit gesucht. Viele der aus politischen oder
rassistischen Gründen Verfolgten, Deportierten und Ermordeten konnten dadurch
aus der namenlosen Anonymität herausgeholt, ihre Lebens- und
Leidensgeschichten dokumentiert werden. Das Verdienst des neuen nun komplett
vorliegenden Wegweisers zum heutigen Bundesland Hessen ist es, diese
Dokumentationen sowie zahlreiche weitere Quellen recherchiert und ausgewertet
zu haben.
Besonders
bemerkenswert ist, daß hier erstmals für ganz Hessen ein Überblick möglich
ist über die gesamte Bandbreite
von Gruppen und Personen, die der Nazi-Diktatur widerstanden und die ihre
Opfer wurden."
Wenn
"Grabe, wo Du stehst" die Topographie forschenden Lernens
bezeichnet, dann geben uns die "Wegweiser" zielführende Wünschelruten
an die Hand für die Wi(e)deraneignung einer demokratischen Heimatgeschichte.
"Aus
der Geschichte lernen" klang bereits wiederholt an – in Wolfgang
Klafkis zentraler Lernzielformulierung heißt dies "die Zukunftsbedeutung
des Themas", neudeutsch: Zukunftsfähigkeit und Konfliktkompetenz. Ich
erinnere daran, daß bereits Stanley Milgrams Erkenntisinteresse für seine
legendären Gehorsams- und Willfährigkeitsversuche einer möglichen
Wiederholbarkeit des Holocaust galt unter den Bedingungen der formalen
Demokratie in den USA der sechziger Jahre.
Denn,
"wenn man das Problem ausschließlich historisch behandelt, verleiht man
ihm eine allzu große, zu Illusionen verleitende
Distanz" 9 – der Illusion letztlich nämlich, Demokratie sei
ein unverlierbarer Besitz (wie es die Arbeitsgemeinschaft
deutscher Bildungsstätten AdB 1996 als Jahresthema formulierte).
Und
eine nur ins Historische verweisende Abhandlung würde auch jene "Maßstäbe,
an denen Bildung sich bewähren muß"
verfehlen, die Hartmut von Hentig 1996 setzte 10:
–
"Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit" nennt er ("von
Menschenfeindlichkeit" sollte man m.E. nach "Bruder Eichmann" angemessener
sagen),
– "die
Wahrnehmung von Glück",
– "die Fähigkeit
und den Willen, sich zu verständigen"
– und schließlich
"ein Bewußtsein von der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz".
Dieses "schwierigste Pensum" gibt auf, "Identität im Wandel zu
erkennen und die Chance für Veränderung und Vielfalt in der Geltung von
bleibenden Gesetzen".
Auch
hier wieder ein biografischer "Prototyp von heute" (ich folge jetzt,
ohne es eigens auszuweisen, der taz-Berichterstattung vom Frühjahr 1994).
Polizeihauptkommissar Roland Schlosser aus Landau nennt sich einen
"Polizeibeamten mit Leib und Seele". Im Juni 1993 wurden in die
Polizeidirektion, deren Chef er war, drei abgelehnte afrikanische Asylbewerber
zum sogenannten "Abschiebegewahrsam" gebracht. Sie landeten in einer
spärlich eingerichteten Ausnüchterungszelle im Keller: neun Quadratmeter groß,
je eine Holzpritsche mit je einer Decke, kein Wasser, keine Toilette –
Hofgang gab es nicht, da Beamte zur Überwachung fehlten. Diese erniedrigende
Prozedur mochte Schlosser nicht länger mit ansehen. Kurz entschlossen
quartierte er C. bei einem befreundeten Lehrer ein; und acht Tage später
wurde der Haftbefehl auch aufgehoben: C. bekam eine "Duldung". Die
beiden anderen konnten wenigstens
in einer regulären Gefängniszelle auf ihre Abschiebung warten.
Bei
seinen polizeilichen Schulungen sei ihm immer wieder eingeschärft worden, daß
der Ausgangspunkt stets die Würde
des Menschen sein müsse, begründete er. Mußte er überhaupt begründen? Und
ob! Die Institution schlug dreifach zurück: Schlosser wurde einen Punkt in
der Beurteilungsliste herabgestuft; statt der zum 25jährigen Dienstjubiläum
üblichen, auch finanziellen Belobigungen ging er leer aus – und er wurde
wegen "Gefangenenbefreiung"
mit einer Geldstrafe von 2.000 DM belegt. Der Staatsanwalt postulierte, daß
"die Aufhebung eines von der Behörde begründeten Herrschaftsverhältnisses
formal korrekt abzulaufen" habe. Richterin Bärbel Hele schloß sich an:
Der Polizeibeamte habe "keine Berechtigung" gehabt, "aus
eigener Machtvollkommenheit zu handeln". Flankiert von einer breiten
Unterstützerszene wartet Roland Schlosser noch heute darauf, daß Karlsruhe
seine Verfassungsbeschwerde annimmt.
Auch
die Gegenbilder entnehme ich der Tagespresse, so das (vorläufig) jüngste
Beispiel unserer ichbezogenen Wegschau-Gesellschaft vom April 1997: In der
Hamburger S-Bahn wird ein siebzehnjähriges Mädchen vergewaltigt. Sie schreit
nach Hilfe, doch niemand greift ein, niemand holt Beistand; einige Fahrgäste
steigen mit dem weinenden Opfer an der Endstation aus. Der Täter bleibt
sitzen und fährt unbehelligt mit demselben Zug zurück in die Innenstadt. Die
Siebzehnjährige verkriecht sich zu Hause. Kein Zeuge meldet sich bei der
Polizei. Jedoch: "Der mutmaßliche Vergewaltiger hatte schon am Tag vor
der Tat zwei Mädchen auf derselben S-Bahn-Strecke belästigt", berichtet
Susanne Gaschke in der "Zeit" vom 18.4.97. "Ein Fahrgast griff
ein. Diesmal passierte nichts, weder den Mädchen noch dem Helfer. Zwei Tage,
zwei Verhaltensmuster. Jeder von uns hat die Wahl – und wie sie ausfallen muß,
wollen wir in einer freien, einer zivilen Gesellschaft leben, darf keine Frage
sein"; – noch aber werden die Antworten mehrheitlich von einer
"Kultur des Wegsehens" gegeben, wie der Kriminologe Fritz Sack in
der Tagespresse kommentierte.
Also:
Die "bystanders", aber auch die "rescuers" leben "um
uns und in uns". Mit dieser dialektischen Formel hatte Mantell
seinerzeit die Ergebnisse der bundesdeutschen Adaption der Milgram-Experimente
zusammengefaßt (vgl. den Abspann zum Film "Abraham – ein
Versuch", FWU 1971, der nach wie vor ins Basisrüstzeug für
BildungsarbeiterInnen gehört) – auch mit der düsteren Qualifizierung, daß
es wohl die "Mehrheit in uns und um uns" sei, die zum willfährigen
Helfer werde – und sei es auch "nur" per gewähren lassendem
Zuschauen (oder aktiver: als "rebellierende Selbstunterwerfung",
Nora Räthzel). 13
Aber,
und das ist die gute Nachricht der neueren Zivilcourage- bzw.
Altruismus-Forschung: Beide Verhaltensformen – ob
als Helfer, ob als Zuschauer – sind eben nicht Schicksal, sondern erworbene
und durch Sozialisation und Enkulturation langjährig und vielfältig (je nach
dem) verstärkte Eigenschaften im Sinne von Dispositionen. Und hier liegt eine
zentrale Herausforderung für zeitgenössische Bildung und Ausbildung – ein
wenig auch nach dem Gandhi-Wort, das ich vom Mindener Bund für Soziale
Verteidigung übernehme: "Wir werden heutzutage von den erstaunlichsten
Entdeckungen im Bereich der Gewaltanwendung überrascht. Ich vertrete jedoch
die Ansicht, daß noch weit unerhörtere und scheinbar noch unmöglichere
Entdeckungen im Bereich der Gewaltlosigkeit gemacht werden können."
Auch
Eva Fogelman schließt ihre Studie mit der Forderung: "Nach meinem Dafürhalten
genügt es nicht, Toleranz und Mitgefühl
lediglich verbal zu lehren. Werte können nicht in einem Vakuum existieren.
Wenn man Menschen keine Gelegenheit bietet, sich einzumischen und diese Werte
praktisch umzusetzen, lösen sich altruistische Regungen in gute Absichten
auf" (S. 298). Sie formuliert damit auf ihre Weise die alte pädagogische
Maxime: Erfahrung geht vor Belehrung.
Aber
welche Erfahrung? Till Bastian schlägt dafür einen grundlegenden
Perspektivenwechsel vor 11. Er greift dabei Beobachtungen des
israelischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky auf, die dieser notabene an
KZ-Überlebenden gemacht und – im Gegensatz zur "Pathogenese" (Was
macht krank?) – in einem Konzept der "Salutogenese" zusammengefaßt
hat.
Was
erhält gesund? Welche Faktoren verhelfen Menschen, so erfolgreich wie möglich
mit den Bedrohungen des Lebens umzugehen? Antonovsky konstatiert ein
"inneres Kohärenzgefühl" (wie es schon Bruno Bettelheim in
Buchenwald beschrieben hat); nach Bastian "eine Fähigkeit, die die
altruistischen Helfer und Retter in offenbar hohem Maße besitzen. Weder
hemmen sie sich selber durch ein lamentierendes <Es hat ja alles doch
keinen Zweck> noch zweifeln sie über Gebühr daran, daß ihr eigenes Tun
wirksam und von Bedeutung ist ("Selbstwirksamkeitskompetenz" nennen
das Münchmeier u.a.; P.K.). Zudem verfügen sie in hohem Maße über die Fähigkeit,
Isolation und Außenseitertum ertragen zu können – offensichtlich indem sie
sich hierfür Kompensation zu verschaffen wissen. All diese Eigentümlichkeiten
wären es gewiß wert, noch sehr viel gründlicher erforscht zu werden."
Sic!
Mit meinen Bordmitteln habe ich dies 1995 fünffach so umrissen und auf
Zivilcourage focussiert 12:
– Zivilcourage
ist keine bloße Rebellion, keine Antihaltung aus einem Ressentiment heraus,
sondern die Tugend einer humanen Persönlichkeit.
– Zivilcourage
ist weder individualistisches Heldentum noch Erfüllung von Ideologien,
sondern ist auf die konkreten Menschen gerichtet.
– Zivilcourage
beruht auf einer aktiven und gleichberechtigten Beziehung zu anderen Menschen,
nicht auf einer abstrakten Solidarität oder einer herablassenden
Barmherzigkeit.
– Zivilcourage
steht in Wechselwirkung mit anderen Tugenden. In der klassischen –
Formulierung sind das Tapferkeit, Gerechtigkeit, Besonnenheit und Weisheit.
– Zivilcourage
erfordert ein ausgewogenes Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft. Sie
benötigt sowohl die Unabhängigkeit der urteilenden und handelnden Person als
auch eine Bindung und ein starkes Interesse an andere Menschen. Nur so kann
sie die eigene Würde und die gemeinsame Würde mit anderen verteidigen, und
nur so kann sie Mehrheiten widerstehen, ohne sich in die Isolation zurückzuziehen.
Und
1998 füge ich – überzeugter denn je – hinzu: Zivilcourage und
Einmischung wurzeln in empfangener Liebe und erwiesener
Bindung. Solches Urvertrauen könnte die Chancen mehren für die drei Gebote,
die Yehuda Bauer vom Internationalen Zentrum für Holocaust-Studien in Yad
Vashem am 27. Januar 1998 anläßlich des nationalen "Tages des Gedenkens
an die Opfer des Nationalsozialismus" im Deutschen Bundestag postulierte:
–
"Du, deine Kinder und Kindeskinder sollen niemals Täter
werden."
– "Du,
deine Kinder und Kindeskinder dürfen niemals Opfer sein."
– "Du,
deine Kinder und Kindeskinder sollen niemals, aber auch niemals passive
Zuschauer sein bei Massenmord, bei Völkermord und – wir hoffen, daß es
sich nicht wiederholt – bei Holocaust-ähnlichen Tragödien". 14
Und
welche "Sachen" sind jetzt "geklärt"?
Dieser
Beitrag wurde für die Kasseler "Geschichtspolitische Konferenz"
geschrieben. Ich bin dieser Einladung und den Vorgaben
"Gegen das Vergessen / Verdrängen / Verfälschen" gerne
gefolgt.
Mein Konzept fußt allerdings nicht auf einer (wie es weiter in den Vorgaben
heißt) "antifaschistischen Geschichtserinnerung". Soweit ich ein
solches Plakat verstehe, verweist es m.E. auf einen normativen Antifaschismus.
Normativer Antifaschismus konstituiert Faschismus als lupenrein, Terror sans
Phrase. Gewünscht ist ein klarer Begriff, der wiederum eine klare,
unbelastete "Linke" konstituieren kann. Dieser entschiedene Hang zum
klar-beschränkten Faschismusverständnis läuft Gefahr, selbstgerecht und
sich selbst gegenüber unkritisch zu werden.
Es
gilt nach wie vor mit Erich Fried: "Ein Faschist, der nichts ist als ein
Faschist, ist ein Faschist. Ein Antifaschist, der nichts
weiter ist als ein Antifaschist, ist noch lange kein Antifaschist." Bei
wachsenden Krisen wächst der Ideologiebedarf. In diesem "Vorhof des
Faschismus" finden sich breitgefächerte Tendenzen autoritärer,
antiliberaler, antiaufklärerischer, nationalitischer, völkischer,
rassistischer Ideen als Standardrepertoire
der politischen Gefühlswelt des deutschen Konservatismus schon vor 1933 und
auch nach 1945. Hier muß der Kampf um die Köpfe und Herzen ansetzen, und
zwar nicht zuletzt durch eine erkennbare Pro-Positionierung.
Ich
nenne deshalb mein Konzept zusammen mit Arno Klönne und anderen
"historisch-politische Bildung in demokratischer Absicht". Sie könnte
mit Mitscherlich "die Chancen für den freundlichen Deutschen
vermehren". Weil mit der "Unfähigkeit zu trauern ... zusammenhängt:
eine (mißlungene, P.K.) deutsche Art zu lieben", ist "die Last,
Deutscher zu sein" (Giordano) noch wenig gewichen – auch nicht für die
"schuldlos Beladenen" (ebenda).
Anmerkungen:
1
Peter Krahulec: "Warum wehrt sich denn keiner?" – Was uns
hindert, gegen Rechtsextremismus einzuschreiten; in: Schacht/Leif/Janssen:
Hilflos gegen Rechtsextremismus? Ursachen, Handlungsfelder,
Projekterfahrungen. Bund-Verlag, Köln 1995
2
Außenseiter versteht sich hier nicht als "misfit" o.ä.,
sondern mehr in Richtung Nonkonformismus und
Ichstärke, wie es etwa
Hannes Wader besingt mit: "Leben einzeln und frei / wie ein Baum und
dabei / brüderlich wie ein Wald / diese Sehnsucht ist alt ..."
3
Methodisch arbeitet Facing History deshalb u.a.mit fiktiven
Biographien, deren Vorgeschichte den TeilnehmerInnen gegeben
wird mit der Aufgabe, in Tagebüchern diese Lebensläufe anläßlich
bestimmter Ereignisse (April-Boykott, Nürnberger Gesetze, Olympiade,
Novemberpogrom, Überfall auf die Sowjetunion) in probeweiser Rollenübernahme
fortzuschreiben. Multiperspektivität und Spielraumkonzept ermöglichen eine
Auseinandersetzung mit historiographischen Informationen zu einer
exemplarischen Entscheidung anzuregen, die Menschen in ethisch-moralischen
Konfliktsituationen zu fällen hatten – oder eben
"zuschauten"/wegsahen. Zusammen mit Petra Mumme und Frank Männicke
vom Fritz-Bauer-Institut habe ich über eigene FH-Erfahrungen in der
Hessischen Lehrerzeitung 1/97 berichtet unter der Überschrift
"Konfrontationen. Ein pädagogisches Konzept zur Auseinandersetzung mit
dem Holocaust".
4
vgl. Friedrich Copei: Der fruchtbare Moment im Bildungsprozeß. Quelle
& Meyer, Heidelberg 1950
5
vgl. zum Folgenden das Handbuch des us-amerikanischen
Wissenschaftsjournalisten Morton Hunt: Das Rätsel der Nächstenliebe.
Der Mensch zwischen Egoismus und Altruismus. Campus-Verlag, Ffm/New York 1992.
Hunt wiederum folgt der 1979 erschienen Autobiographie Oliners "Restless
Memories".
6
vgl. Ernst Bloch: Noch ist nicht aller Tage abend; in: Widerstand und
Friede. Ffm 1969, S. 72
7
vgl. hierzu den weite Teile des Konzeptes anstiftenden Titel: Detlef
Lecke: Lebensorte als Lernorte: Handbuch Spurensicherung.
Skizzen zum Leben, Arbeiten und Lernen in der Provinz. Verlag Jugend &
Politik, Reinheim 1983
8
vgl. Micha Brumlik: Generationen und Geschichtsvermittlung der
NS-Erfahrung. Einleitende Überlegungen zu einer künftigen Didaktik der
Menschenrechte am Beispiel ihrer Verletzung; in: Kiesel/Kößler/Nickolai/Wittmeier
(Hg): Pädagogik der Erinnerung. Didaktische Aspekte der Gedenkstättenarbeit.
Arnoldshainer Texte 96, Haag + Herchen, Ffm 1997
9
Milgram 1982, S. 207, zitiert nach Fogelman 1995, S. 293
10
vgl. Hartmut von Hentig: Bildung. Hanser-Verlag, München 1996. Das
Kapitel "Über Maßstäbe, an denen sich Bildung bewähren
muß" ist auszugsweise auch auf der Dokumentationsseite der Frankfurter
Rundschau vom 7.8.1996 erschienen.
11
vgl. hierzu Till Bastian: Zivilcourage. Von der Banalität des Guten.
Rotbuch-Verlag, Berlin 1996, insbesondere S. 71ff
12
vgl.Anmerkung 2, S. 87; ich stütze mich hierbei hinwiederum auf:
Wolfgang Heuer: Woher nehmen mutige Menschen im Alltag
und im Extremfall ihre Kraft? Zwischen Anpassung und Widerständigkeit; in:
Frankfurter Rundschau vom 26.8. 1994 (Dokumentationsseite)
13
Auf die zugrundliegenden sozialpsychologischen und gruppendynamischen
Mechanismen ("soziale Hemmung durch die Anwesenheit
anderer", "Diffusion der Verantwortung", "pluralistische
Ignoranz", "Bewertungsangst" u.a.) habe ich wiederholt
hingewiesen, zuletzt in: Kursiv. Journal für politische Bildung 4/97, S. 40ff
14
zitiert u.a. in: Frankfurter Rundschau vom 2.2.1998
(Dokumentationsseite) unter der Überschrift: Der Völkermord kann sich
wiederholen, nicht so, aber sehr ähnlich.
"informationen"
Nr. 48, November 1998
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