Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.

Buchbesprechungen "informationen" Nr. 59, Mai 2004

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Lautlose Helfer
Cornelia Schmalz-Jacobsen: Zwei Bäume in Jerusalem. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2002

Cornelia Pieroth >>Mehr dazu

Karrieren vor und nach 1945
Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2003.
Kurt Schilde
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"Opa war kein Nazi"
Harald Welzer, Sabine Moller, Karoline Tschuggnall: "Opa war kein Nazi". Nationalsozialismus und Holocaust im
Familiengedächtnis. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverl., 2002.
Doris Seekamp
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Willi Graf und die Weiße Rose
Tatjana Blaha: Willi Graf und die Weiße Rose. Eine Rezeptionsgeschichte. München: K G Saur, 2003.
Karl Heinz Jahnke
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Verweigerung der Deportation - jüdischer Widerstand
Wolfgang Benz (Hg.): Überleben im Dritten Reich. Juden im Untergrund und ihre Helfer. München: Verlag C. H. Beck, 2003.
Karl Heinz Jahnke
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Neue Studie zum kommunistischen Widerstand in Buchenwald
Ulrich Peters: "Wer die Hoffnung verliert, hat alles verloren." Kommunistischer Widerstand in Buchenwald. Köln: PapyRossa, 2003 (Hochschulschriften 47).
Ulrich Schneider >>Mehr dazu
"Magda" - ein KZ in der Nachbarschaft
Tobias Bütow, Franka Bindernagel: Ein KZ in der Nachbarschaft. Das Magdeburger Außenlager der Brabag und
der "Freundeskreis Himmler". Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2003.
Joachim Neander >>Mehr dazu
Internationale Transportarbeiter gegen den Faschismus
Dieter Nelles: Widerstand und internationale Solidarität. Die Internationale Transportarbeiter Föderation (ITF) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Essen: Klartext, 2001.

Hans Adamo >>Mehr dazu
Das Projekt "Konfrontationen" des Fritz-Bauer-Instituts
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Heft 1: Gottfried Kößler, Petra Mumme: "Identität". Individuum und Gesellschaft / Anfänge des Nationalsozialismus.
- Heft 2: Jacqueline Giere, Gottfried Kößler: "Gruppe". Gemeinschaft und Ausschluss /
Volksgemeinschaft und Verfolgung von Minderheiten.
- Heft 3: Heike Deckert-Peaceman, Uta George, Petra Mumme: "Ausschluss" (in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Hadamar). Voraussetzungen und Zusammenhänge des Ausschlusses von Minderheiten aus der NSVolksgemeinschaft / NS-"Euthanasie"-Verbrechen / Ausschluss und Verfolgung schwarzer Deutscher in der NS-Zeit / Der Weg zum Völkermord an den Sinti und Roma.
- Heft 4: Uta Knolle-Tiesler, Gottfried Kößler, Oliver Tauke: "Ghetto". Vernichtung durch Arbeit: das Ghetto Lodz / Theresienstadt - ein "Musterghetto"? / Der jüdische Aufstand im Warschauer Ghetto.
- Heft 5: Verena Haug, Uta Knolle-Tiesler, Gottfried Kößler: "Deportationen". Leben zwischen Novemberpogrom und Deportation / Ausplünderung / Verschleppung mit einem Beitrag von Peter Longerich: Deportationen. Ein historischer Überblick.
- Heft 6: Jacqueline Giere, Tanja Schmidhofer: "Todesmärsche und Befreiung". Todesmärsche / Befreiung der Lager / "Ein Leben auf's Neu" - Jüdische Displaced Persons 1945 bis 1957
Alle Hefte können bestellt werden beim: Fritz-Bauer-Institut, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main
Internet: www.fritz-bauer-institut.de. E-Mail: info@fritz-bauer-institut.de.
Renate Dreesen >>Mehr dazu

Lautlose Helfer
In der "Allee der Gerechten" in Yad Vashem, Jerusalem, erinnern Bäume an Menschen, die während des Holocaust Juden das Leben gerettet haben. Bis zu Beginn des Jahres 2002 hatten 358 Deutsche die Auszeichnung mit dem Ehrentitel eines "Gerechten unter den Völkern" erhalten. Vor einem großen Johannisbrotbaum steht auf dem Schild "Eberhard Helmrich", dreißig Meter davon entfernt, vor einem kleineren Olivenbaum, "Donata Helmrich". Eberhard und Donata Helmrich waren die Eltern von Cornelia Schmalz-Jacobsen, der Autorin des Buches "Zwei Bäume in Jerusalem". Die langjährige FDP-Politikerin und Journalistin
wurde 1934 in Berlin geboren und hatte viele Ämter und Mandate inne: Unter anderem war sie Stadträtin in München, Berliner Senatorin, Mitglied des Deutschen Bundestages und Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen. Sie lebt heute als freie Autorin in Berlin und engagiert sich ehrenamtlich in humanitären Organisationen.

In ihrem 2002 erschienenen Buch erzählt sie die Geschichte ihrer Eltern während des Nationalsozialismus, die auch die Geschichte ihrer eigenen Kindheit ist. Den Eltern lag es fern, sich mit den neuen Machthabern zu arrangieren; sie standen über viele Jahre hinweg den Notleidenden und Verfolgten bei. Und woraus bestanden ihre Hilfeleistungen? In den ersten Jahren konsultierten sie weiterhin die jüdischen Ärzte, zu denen sie immer schon gegangen waren, auch wenn sie das Honorar nun aus eigener Tasche zahlen mussten. Oder sie beschäftigten, solange dies noch möglich war, gerade jetzt jüdische Handwerker. Als durch die "Nürnberger Gesetze" die jüdische Bevölkerung immer weiter ins Abseits gedrängt wurde, ging man für jüdische Bekannte
einkaufen, gewährte ihnen Unterschlupf oder besorgte ihnen Papiere.

Die Mutter Donata erwies sich dabei als resolut und schauspielerisch begabt, etwa als es darum ging, zum dritten Mal einen neuen Pass für sich selbst zu beantragen - sie hatte ihren mehrmals anderweitig zur Verfügung gestellt. Der Vater Eberhard wurde 1941 eingezogen und arbeitete in dem polnischen Ort Drohobycz
als Gebietslandwirt. Er gründete dort eine "Gartenfarm", auf der er junge jüdische Menschen arbeiten ließ um sie vor der Verfolgung zu bewahren. Zudem schickte er junge Jüdinnen, als "arische" Polinnen getarnt, nach
Berlin, damit Donata ihnen eine Stelle als Haushaltshilfe besorgte.

Die Entscheidung zur Zivilcourage mochte nicht immer leicht gefallen sein, zumal auch die Angehörigen damit in Gefahr gebracht wurden. Den Eltern ging es, wie die Autorin aufzeigt, darum, den eigenen Anstand zu retten. Und die Sicherheit? "Ich weiß nicht, wer von den beiden die folgende sarkastische Rechnung aufmachte - ich schätze, es war Donata, weil es ihrem grimmigen Sinn für Humor entspricht: Sollten sie beide sterben müssen, hätten aber zuvor zwei Menschen gerettet, dann wären sie ‚quitt mit Hitler'. Jede weitere Rettung aber schlüge als ‚Reingewinn' auf ihrer Habenseite zu Buche. Fest steht, dass sie dieses private Duell haushoch gewonnen
haben." (S. 48f.)

Es ist ein "kostbares Stück Familiengeschichte", das Cornelia Schmalz-Jacobsen uns da erzählt. Wie wenig wissen wir doch über die Helfer im Verborgenen. Überzeugend wirkt das Buch auch durch die unzähligen Geschichten der Betroffenen und ihre Achtung gegenüber Donata und Eberhard Helmrich. Der Leser findet eine Antwort darauf, was Solidarität, Menschlichkeit und Beherztheit ist.

Die Ehe der Eltern ging nach dem Krieg auseinander, der Vater wanderte in die USA aus, die Mutter bereiste als Konferenzdolmetscherin die Welt. Unabhängig voneinander wurden beide Eltern auf Vorschlag Geretteter in Yad Vashem geehrt. Der Vater pflanzte seinen Baum 1968 selbst. 19 Jahre später, an einem Apriltag 1987, reiste Cornelia Schmalz-Jacobsen nach Jerusalem, um für ihre Mutter, die einige Monate zuvor gestorben war, einen Baum in der "Allee der Gerechten" zu pflanzen. Es ist für die Autorin ein "sehr tröstlicher Gedanke, dass die Erinnerung an Donata und Eberhard doch noch einen gemeinsamen Ort erhalten hat".

Cornelia Schmalz-Jacobsen: Zwei Bäume in Jerusalem. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2002. Cornelia Pieroth
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Karrieren vor und nach 1945  

Ernst Klee, bekannt für seine engagierten Nachforschungen über Euthanasie, Medizin, Psychiatrie und Kirchen im nationalsozialistischen Deutschland, hat in seiner jahrzehntelangen Arbeit viele biografische Angaben über wichtige Personen des "Dritten Reiches" gesammelt. Er musste wiederholt feststellen, dass nach 1945 viele Karrieren weitergingen. Nun hat er seine Informationen in systematisierter und aktualisierter Form in rund 4.300
lexikalischen Beiträgen zusammengestellt. Der Verlagswerbung ist zumindest an dem folgenden Punkt zuzustimmen: "Es ist unverzichtbar für all diejenigen, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen."

Die Auswahl für das Buch erklärt Klee so: "Es enthält die wichtigsten Personen aus den Bereichen Fürsorge, Judenmord, Justiz, Kirchen, Konzentrationslager, Kultur, Medizin, Ministerialbürokratie, Partei, Polizei, Publizistik, Reichssicherheitshauptamt, Wehrmacht, Wirtschaft und Wissenschaft." (S. 7) Seine Angaben beruhen auf einer breiten Literaturauswertung und stützen sich in erster Linie auf Justizakten bzw. für den Bereich der Wissenschaft auf Akten der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Klee geht nicht davon aus, dass sein Buch fehlerfrei ist, denn es handelt sich um Menschenwerk. Ebenso wie die ausgewerteten Nachschlagewerke und wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat auch seine voluminöse
Zusammenstellung Fehler. Von mir wurden allerdings nur geringfügige Ungenauigkeiten entdeckt.

Die Bedeutung des Lexikons soll anhand von einigen Beispielen illustriert werden. Bei Forschungen zur Finanzbürokratie in der NS-Zeit bin ich auf den Namen Ernst Féaux de la Croix gestoßen und kann über ihn bei Klee erfahren: Dieser Mann arbeitete ab 1949 als Experte im Bundes.nanzministerium und als Co-Autor eines Textes über den Werdegang des Entschädigungsrechts in der vom Bundesfinanzministerium herausgegebenen Reihe "Die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts durch die Bundesrepublik Deutschland" veröffentlichte. Der 1906 geborene gelernte Volkswirt wusste gut Bescheid: Er hat schon ab 1934 im Reichsjustizministeriums - in der völkerrechtlichen Abteilung - gearbeitet. 1938 ist er Mitverfasser einer Denkschrift über Rasse, Volk, Staat und Raum, in der es u.a. heißt: "Fremdrassige können nicht zum deutschen Volk gehören." (S. 145) Ein anderes Beispiel ist der Jurist Ernst Rudolf Huber, der als Verfasser von Standardwerken zur deutschen Verfassungsgeschichte gilt. Er ist 1903 geboren, schreibt 1939 ein Buch über das Verfassungsrecht des Großdeutschen Reiches und wird 1941 Direktor der "Kampfuniversität Straßburg". 1952 hat er wieder - in Freiburg - einen Lehrauftrag, wird 1956 Honorarprofessor und übernimmt 1957 einen
Lehrstuhl an der Hochschule für Sozialwissenschaften in Wilhelmshaven. Der 1969 Emeritierte ist 1990 in Freiburg gestorben.

Noch ein Beispiel ist der SS-Obersturmführer Otto Ernst Schüddekopf. Der 1912 geborene Historiker hat 1938 promoviert und ist als England-Referent des Auslandsnachrichtendienstes Angehöriger des Reichssicherheitshauptamtes. 1953 arbeitet er als Dozent für Geschichte und ist Mitherausgeber des Internationalen Jahrbuchs für Geschichts- und Geographieunterricht. Der 1973 mit dem Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbund geehrte Mann stirbt 1984.

Diese Beispiele sollen genügen. Wer sich mit Personen des "Dritten Reiches" beschäftigt, wird um das neue Buch von Ernst Klee nicht herumkommen, zumal dort viele Leute verzeichnet sind, die in anderen Nachschlagewerken fehlen.
 
Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2003. Kurt Schilde
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"Opa war kein Nazi"
Die AutorInnen Harald Welzer, Sabine Moller und Karoline Tschuggnall stellen die Ergebnisse von Familieninterviews über drei Generationen (Zeitzeugen, Kinder bzw. Eltern, Enkel) ergänzt durch Einzelinterviews vor. In der soziologischen Untersuchung geht es um die Frage der Vermittlung und Rezeption von Geschichte aus der Zeit des Holocaust. In der Stichprobe wurden 142 Menschen interviewt, jeweils etwa 1/3 aus der jeweiligen Generation. Die Ergebnisse dieser qualitativen, also einer tiefgehenden Analyse des Prozesses der Vergangenheitsbildung anhand einer relativ geringen Personenzahl, ließen sich leider durch
Repräsentativumfragen in der deutschen Bevölkerung bestätigen. Höchstens ist bei der Auswertung noch zu berücksichtigen, dass die befragten Menschen immerhin so aufgeschlossen waren, an der Studie teilzunehmen.
Diese Untersuchung ist interessant und erschreckend. Auf sehr eindrückliche Weise gelingt es, die vielfache Umdeutung von Geschichtswissen aus Schule oder Lexika im Rahmen von Familientradierung sichtbar zu machen. In Deutschland, wo der Holocaust Familiengeschichte ist (Raul Hilberg), wo Lexikon und Familienalbum nebeneinander stehen, ist die Familie weitaus prägender für den Umgang mit Nationalsozialismus als jede andere Art der Geschichtsvermittlung. Heraus kommt bei der Untersuchung: Die Familie als sozialer Bezugsrahmen kann nichts mit den Faschisten zu tun gehabt haben. Mögen die Gräueltaten noch so schrecklich gewesen sein, die eigenen Großeltern (von den Enkeln als liebevoll empfunden) können daran nicht aktiv teilgenommen haben. Aus der Großmutter, die erzählte, dass sie es noch im Mai 1945 immer vermeiden wollte, Juden aus dem befreiten KZ Bergen-Belsen ein Nachquartier zu geben ("denn die Juden waren die
schlimmsten"), wird in der Geschichtsbildung der Enkelin diese Großmutter als widerständige Frau, die verfolgte Juden versteckte. Die Enkelin überträgt den Bericht ihres Vaters über eine andere Bäuerin ganz einfach auf die
Großmutter. Im Buch finden sich zahlreiche ähnliche Beispiele.

Die Großeltern scheinen alle Opfer des Faschismus zu sein; sie sind entweder Helden oder sie wussten nichts oder konnten nichts tun, weil sie sonst selbst ins KZ gekommen wären (von denen sie ja angeblich nichts wussten). Die Umdeutung in der Geschichtsbildung durch die Enkel sind aus den Niederschriften der Interviews erschreckend deutlich. Manche Bekenntnisse vom Großvater (aktiv in SA oder SS, Hinrichtungen zumindest zugesehen, in der Reichspogromnacht begeistert mitgemacht etc.) scheinen nur vom Tonband aufgezeichnet
zu werden; in den Köpfen der ZuhörerInnen kommen sie nicht an. Und falls doch ein bisschen Skepsis hängen bleibt, wird dies erklärt mit dem Verweis auf mögliche Bestrafung oder dem alles entschuldigenden Hinweis: "Ich weiß auch nicht, wie ich mich damals verhalten hätte."

Erschreckend ist die Umkehrung des Wissens um die Schrecklichkeiten des Holocaust (woran es der Enkelgeneration in der Untersuchung nicht mangelte), so dass aus dem Antisemitismus der Großeltern Hilfsbereitschaft und Widerstand wird. Das Familiengedächtnis schafft eine Kontinuität im Denken: die Deutschen waren keine Nazis, sie mussten nur mitmachen. Der Holocaust wird weitgehend verdrängt, trotz allem gegenteiligen Wissen. Juden kommen als Menschen in den Erzählungen der Enkel nicht vor, wenn doch, sind sie immer rechtzeitig vorher "ausgereist". Alle allgemeinen Ressentiments, z.B. "die Amerikaner als Befreier, die Russen als Vergewaltiger" werden von den Enkeln übernommen. Nachfragen, geschweige denn kritische Fragen, hat sich die Enkelgeneration längst selbst verboten.

Die Mechanismen gleichen sich in den westlichen und östlichen Bundesländern weitgehend; z.T. kommt in den östlichen Bundesländern eine unzulässige "Gleichsetzung" von Nationalsozialismus und DDR-Realität hinzu. Aus
der Erfahrung von 1989 bringen die Enkel den Großeltern mehr Verständnis entgegen, die - wie sie selbst - in ein komplexes politisches System eingebunden gewesen seien, ohne eine Möglichkeit zur Veränderung. Die antifaschistische Erziehung in der DDR wird als aufgesetzt empfunden. Das Familiengedächtnis ist weitaus prägender für die Art der Geschichtsverarbeitung.

Das Buch wirft viele Fragen auf, wie diese Art von familiärer Geschichtsbildung, die tiefer prägt als jedes anderweitige Geschichtswissen, durchbrochen werden kann. Diese Fragen sind sicher auch über die Thematik Holocaust hinaus bedeutsam; es geht um die Frage des Lernens aus der Geschichte. Und da sind leider wenig bis gar keine positiven Entwicklung sichtbar.

Die Sicht und Rezeption auf Seiten der Opfer und/oder Antifaschisten wird in der Untersuchung hier nicht beachtet. Vielleicht lägen da mehr Ansätze für einen positiven Lernprozess. Die hier vorgestellte Untersuchung zeigt auf, wie weitgehend die Akzeptanz faschistischer Ideologie über das Familiengedächtnis geprägt wird. Es ist ein auf jeden Fall lesenswertes Buch für alle, die sich mit der Vermittlung von Geschichte beschäftigen und den aktuellen Zeitgeist zu verstehen suchen oder gar die kritische Reflexion mit eigener Familiengeschichte
wagen wollen.

Harald Welzer, Sabine Moller, Karoline Tschuggnall: "Opa war kein Nazi". Nationalsozialismus und Holocaust im
Familiengedächtnis. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverl., 2002. Doris Seekamp
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Willi Graf und die Weiße Rose
Dem Buch liegt die von Tatjana Blaha an der Universität Hamburg eingereichte Dissertation zugrunde. Die Autorin gibt als Ziel ihrer Publikation an, "das Leben von Willi Graf und seinen Weg in den Widerstand der Weißen Rose nachzuzeichnen sowie zu untersuchen, wie die Person Willi Grafs ... im öffentlichen Gedenken und in der Forschung gewürdigt und wahrgenommen wurde und wird." (S. 189) Entsprechend diesem Anliegen gliedert sich das Buch in zwei Hauptteile, den biografischen Text und die Rezeptionsgeschichte.

Kindheit und Jugend sowie die Atmosphäre im Elternhaus werden sehr knapp behandelt. Etwas mehr erfährt der Leser über den Einfluß der katholischen Jugendbewegung auf Willi Graf. Stark konzentriert wird der Beginn des
Studiums der Medizin 1937 in Bonn und im Wintersemester 1939/40 in München gestreift. Herausgehoben ist der Einsatz im Krieg 1940 in Frankreich sowie 1941 in Serbien und in der Sowjetunion. Deutlich wird, dass die Ablehnung der NS-Diktatur und die Entscheidung zum Widerstand wesentlich durch die Erfahrungen in der katholischen Jugend und das Kriegserlebnis geprägt wurden.

Neue Erkenntnisse vermitteln die Kapitel V und VI. Dies betrifft vor allem die Teilnahme von Willi Graf an den Aktionen der Weißen Rose zwischen November 1942 und Februar 1943 sowie sein Verhalten nach der Festnahme in der Nacht vom 18. zum 19. Februar bis zur Hinrichtung am 12. Oktober 1943. Die seit 1968/69 in der wissenschaftlichen Literatur unumstrittene Tatsache, dass der Medizinstudent Willi Graf zum engeren Kreis der Weißen Rose gehörte und maßgeblichen Anteil an den Aktionen im Januar/Februar 1943 hatte, kann fundiert bestätigt werden.

Schwierigkeiten macht der Autorin, die Beziehungen zwischen den Hauptbeteiligten der Gruppe objektiv darzustellen. Besonders betrifft dies das Verhältnis von Willi Graf zu Hans und Sophie Scholl. Die Tatsache, dass in der Öffentlichkeit der Nachkriegszeit bei Berichten über die Weiße Rose die Geschwister Scholl stärker in den Vordergrund traten als Alexander Schmorell, Willi Graf, Prof. Dr. Kurt Huber und Christoph Probst, hat offenbar ihre distanzierende Haltung zur Familie Scholl beeinflusst. Sie spricht wiederholt davon, dass es ihr Anliegen sei, Willi Graf "aus dem übermächtigen Schatten der Geschwister Scholl zu heben" (S. 10f.).

Im zweiten Teil wird anhand von sechs Büchern über die Weiße Rose und am Beispiel von drei Tageszeitungen (FAZ, Süddeutsche Zeitung und Saarbrücker Zeitung) untersucht, wie die Geschichte der Weiße Rose und ihrer Hauptakteure dargestellt wurde. Bei den Büchern handelt es sich um: Ricarda Huch "Bilder deutscher Widerstandskämpfer", Inge Scholl "Die Weiße Rose", Klaus Vielhaber, Hubert Hanisch, Anneliese Knoop-Graf "Gewalt und Gewissen. Willi Graf und die Weiße Rose", Christian Petry "Studenten aufs Schafott. Die Weiße Rose und ihr Scheitern" sowie die von Inge Jens herausgegebenen zwei Bände mit Briefen und Aufzeichnungen der Geschwister Scholl und von Willi Graf. Die Analyse dieser Texte bietet wesentliche Aufschlüsse, ist aber keineswegs vollständig. Wichtige nach 1968 entstandene Veröffentlichungen fanden keine Beachtung. Die wissenschaftlichen Arbeiten aus der DDR existieren für die Autorin nicht.

Insgesamt ist das zweite Anliegen der Arbeit, eine Rezeptionsgeschichte zur Darstellung der Rolle von Willi Graf in der Weißen Rose in Forschung und Öffentlichkeit nur in Ansätzen gelöst. Eine umfassende, differenzierte Analyse zu dieser Fragestellung steht damit weiter aus.

Tatjana Blaha: Willi Graf und die Weiße Rose. Eine Rezeptionsgeschichte. München: K G Saur, 2003.
Karl Heinz Jahnke

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Verweigerung der Deportation - jüdischer Widerstand

Zu den vernachlässigten Themen der Geschichtswissenschaft in West und Ost über die NS-Zeit zählte lange Zeit die Tatsache, dass sich Tausende Juden der Deportation entzogen und illegal lebten. Sie konnten dies nur, weil sie Helfer in der nichtjüdischen Bevölkerung fanden. Es ist das Verdienst des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Benz, dass diese Lücke nun teilweise geschlossen wurde. Seit 1997 wird an diesem Ort an dem Projekt "Rettung von
Juden im nationalsozialistischen Deutschland" gearbeitet. Durch eine großzügige Förderung entstanden beneidenswerte Bedingungen. Eine größere Gruppe von festangestellten Fachkräften und Doktoranden konnte mehrere Jahre systematisch forschen.

Das Buch "Überleben im Dritten Reich" enthält wesentliche Ergebnisse dieser Arbeit. 19 Beiträge von 17 Autoren, darunter zwölf Frauen, fanden Aufnahme.
Am Anfang steht eine Einführung von Wolfgang Benz "Juden im Untergrund und ihre Helfer" (S. 11-48). Die meisten Mitarbeiter sind Angehörige der zweiten Nachkriegsgeneration. Etwas heraus fallen die Texte von zwei
Autorinnen, die an Aktionen zur Rettung von Juden beteiligt waren bzw. vom Einsatz der Eltern Kenntnis hatten. Karin Friedrich gehörte dem Widerstandskreis in Berlin an, der später in der Literatur den Namen "Gruppe Onkel Emil" erhielt. In eindrucksvoller Weise schildert sie als letzte Überlebende, wie der Kreis zahlreichen Juden das Leben gerettet hat (S. 97-109).
Cornelia Schmalz-Jacobsen berichtet über ihre Eltern Donata und Eberhard Helmrich, die in Polen zwischen 1941 und 1944 mehreren hundert Juden und anderen verfolgten polnischen Bürgern geholfen haben (S. 67-82).
In den meisten Texten wird über Einzelbeispiele der Rettung gesprochen. Die Mehrzahl der Betroffenen und ihrer Helfer kam aus Berlin. Darüber hinaus wird über Schicksale aus Danzig, Frankfurt am Main, Leipzig, München und Potsdam unterrichtet. Aus anderen Beiträgen ist aufschlussreiches über die Aufnahme von deutschen Juden in Belgien, Polen und der Schweiz zu erfahren.
Das Bestreben der Autoren ist es, in biografischen Skizzen die geretteten Frauen, Männer und Kinder vorzustellen und zu zeigen, wie sich ihr Alltag in der Illegalität gestaltete, wie viel Mut dazu gehörte, den Deportationsbefehl nicht zu befolgen und wie schwer es war, weiterzuleben. Gleichzeitig erfährt der Leser
auch wesentliches über ihre Retter und manch andere Helfer. Die Motive der Beteiligten werden differenziert gezeigt, sie reichen von ehrlicher Solidarität über Menschlichkeit bis zu Bereicherung und Eigennutz.

In dem Text von Doris Tausendfreund "Jüdische Fahnder" wird auf ein außerordentlich tragisches Kapitel jener Zeit eingegangen, die Rolle von Juden im Dienst der Gestapo im Rahmen des "Jüdischen Fahndungsdienstes", um illegal in Berlin lebende Juden zu entdecken und der Deportation zuzuführen (S. 239-256).

Insgesamt handelt es sich um ein sehr wichtiges  Buch, das neue Aufschlüsse über den jüdischen Widerstand und die nichtjüdischen Helfer bietet. Das Thema ist damit nicht abgeschlossen. Dies wird auch aus den von
Benz angegebenen Zahlen deutlich. Ziemlich vage spricht er davon, dass 10.000 bis 15.000 Juden untergetaucht sind, von denen 3.000 bis 5.000 überlebt haben sollen. In der Datenbank des von ihm geleiteten Projekts sind 2.500 Namen von lebensrettenden Helfern für Juden abrufbar. Größere Vollständigkeit ist aufgrund
des zeitlichen Abstands wahrscheinlich nicht mehr möglich. Es leben nur noch wenige der geretteten Menschen und ihrer Helfer.

Das Buch bietet zahlreiche Anregungen für ähnliche Forschungen in anderen Regionen und Städten. Die zerstreut vorliegenden Quellen, u.a. die nach 1945 angelegten Entschädigungsakten, sind bei weitem noch nicht systematisch ausgewertet.

Wolfgang Benz (Hg.): Überleben im Dritten Reich. Juden im Untergrund und ihre Helfer. München: Verlag C. H. Beck, 2003. Karl Heinz Jahnke
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Neue Studie zum kommunistischen Widerstand in Buchenwald
Wenn sich in den letzten Jahren Historiker mit dem organisierten kommunistischen Widerstand beschäftigten, dann zumeist unter der Perspektive der Delegitimierung, der Denunziation früherer Veröffentlichungen - zumeist aus der DDR. Ein erfreuliches Gegenbeispiel findet man in der Dissertation von Ulrich Peters über den kommunistischen Widerstand im KZ Buchenwald, die unter dem Titel "Wer die Hoffnung verliert, hat alles verloren" im PapyRossa-Verlag vorgelegt worden ist.

Während Autoren wie Lutz Niethammer oder Manfred Overesch in den vergangenen Jahren mit ihren Forschungen und Veröffentlichungen aktiv auf eine Revision der Geschichtsschreibung zu Buchenwald hingearbeitet haben, die nicht der Vertiefung des Wissens um die Bedingungen des Häftlingshandelns, sondern
der Abwicklung des gesamten antifaschistischen Selbstverständnisses der DDR dienten, vertritt Peters einen dezidiert anderen Zugang: Er fordert als Voraussetzung für eine kritische Beschäftigung mit dem kommunistischen Widerstand im KZ Buchenwald, "weder die Existenz des Widerstands noch seine Berechtigung
in Frage zu stellen". Dabei hat Peters durchaus ein kritisches Verhältnis gegenüber der früheren DDR-Geschichtsdarstellung zu Buchenwald. Immer wieder hält er ihr Pathos und Heroismus vor, die mit der Realität des Lagers nur bedingt in Einklang zu bringen waren. Dabei ist Peters jedoch fern davon, die Leistungen der KZ-Häftlinge schmälern zu wollen. Wichtiger erscheint es ihm, ihr Handeln glaubhaft und nachvollziehbar zu dokumentieren. "Es gab Helden unter ihnen, wahre Lichtgestalten, denen später ein angemessener Ruhm
beschieden wurde, und widersprüchliche Charaktere, die manchen Mitgefangenen in guter, anderen in schlechter Erinnerung blieben. Und es gab die vielen Namenlosen, die heute niemand mehr kennt, deren Wirken aber nicht minder zur Geschichte des Widerstands gehört" - so fasst der Autor die Bandbreite des Widerstandes zusammen.
Im Zentrum seiner Untersuchung stehen daher "die objektiven und subjektiven Voraussetzungen der Widerstandstätigkeit sowie zweitens das, was man zugespitzt als ‚Bewegungsgesetze' des Widerstands bezeichnen könnte, trefflicher jedoch als seine innere Dynamik, seine Wirkungsweisen, seine Widersprüche."
Als besonderes Merkmal des Widerstands untersucht Peters darüber hinaus den Internationalismus der Kommunisten und ihr Verhältnis zu den jüdischen Häftlingen. Basierend auf zahllosen Erinnerungsberichten
und Interview-Materialien, die er in erster Linie im Bestand der Gedenkstätte Buchenwald einsehen konnte, ergab sich für ihn ein Bild der Lagerrealität, das mit einer Darstellung des "sauberen Widerstands" nur wenig gemein hatte. "Die Umstände zwangen die Häftlinge also, Dinge zu tun, die sie unter Maßgabe anderer gesellschaftlicher Bedingungen nicht nur unterlassen hätten, sondern die sie sonst nicht einmal zu ersinnen imstande gewesen wären." Doch während Niethammer oder die BILD-Zeitung daraus eine Denunziationskampagne entwickelten, versucht Peters heraus zu arbeiten, welchen Nutzen diese Handlungen nicht nur für den einzelnen Häftling, sondern für das kollektive Überleben hatten. Ausführlich beschäftigt er sich mit den Grundlagen und Anfängen des Widerstandes, wobei deutlich wird, dass die politisch bewussten Häftlinge unter Ausnutzung aller sich bietenden Möglichkeiten, die sich einerseits aus der Faulheit und Korrumpierbarkeit der SS, andererseits aus der Verbundenheit und gemeinsamen Erfahrungen im vorherigen
illegalen Kampf ergaben, im Laufe der Jahre ein System entwickeln konnten, in dem verschiedene Formen des Widerstands möglich wurden. Beispielhaft dokumentiert Peters, dass die kommunistischen Häftlinge ihren Ein.uss nicht dazu genutzt haben, um Gruppenprivilegien zu verteidigen, sondern um die Lebensverhältnisse
aller zu verbessern (Strafen zu verhindern etc.). Nur so ist der aktive Einsatz der politischen Häftlinge gegen die Vernichtung jüdischer Mithäftlinge zu erklären. Augenfällig wurde dies auch im Zusammenhang mit dem Eintreffen ausländischer Häftlingsgruppen auf dem Ettersberg und der solidarischen Hilfe für diese neuen
Mithäftlinge. Für unser heutiges Verständnis mag es gewöhnungsbedürftig sein, aber der Widerstand im Lager verstand sich gleichermaßen als internationalistisch und patriotisch. Die kommunistischen Häftlinge sahen sich als "das andere Deutschland". Dies wurde zur Grundlage der Zusammenarbeit mit den ausländischen Häftlingen, die in ihrem Widerstand oftmals nur gegen Deutschland als Okkupationsmacht gekämpft hatten. So war es möglich, ein internationales Lagerkomitee und eine internationale Militärorganisation zu schaffen, die über hohe Autorität in der Häftlingsgesellschaft verfügten.
Peters stützt sich in seiner Forschung nicht allein auf die Verfolgerakten der SS, sondern in erster Linie auf die - oftmals verschriftlichten - Aussagen der Häftlinge selber. Eine grundsätzliche Schwierigkeit aktueller und zukünftiger Forschungen zur Geschichte des KZ ist jedoch, dass diese Informationen bald nicht mehr hinterfragbar sind. Immer weniger stehen die Häftlinge selber als Gesprächspartner zur Verfügung. Wer ihre Sicht auf die Ereignisse kennen lernen will, ist auf Materialien angewiesen, die als Video, als Tondokument oder
als gedruckter Text vorliegen. Die Unmittelbarkeit des Gesprächs und der Nachfrage wird bald nicht mehr gegeben sein. Um so wichtiger ist es, so umfangreich, wie Peters es getan hat, die veröffentlichte Literatur der Überlebenden selber zur Kenntnis zu nehmen.
Ein Kernpunkt jeder aktuellen Buchenwald-Darstellung ist die Auseinandersetzung mit dem 11. April 1945, der Selbstbefreiung der Häftlinge - so auch in der Arbeit von Peters. Er weist die frühere DDR-Darstellung vom "Aufstand gegen die SS" als falsche Dramatisierung zurück. Dabei benutzt er jedoch den selben Kunstgriff, den er der DDR-Historiografie vorhält, er verabsolutiert die Darstellung eines (in diesem Falle anderen) Zeitzeugen, des Häftlings Fritz Freudenberg, der seine Perspektive auf die Ereignisse vom Nachmittag des 11. April 1945 beschreibt. Hier wäre eine Rückfrage bei noch lebenden Beteiligten der Aktion hilfreich gewesen.  Hervorzuheben ist in Peters Darstellung jedoch, dass er bei aller Kritik an der Heroisierung früherer Darstellungen nicht in Frage stellt, dass die Häftlinge durch ihren Widerstand, der auch eine militärische Dimension hatte, einen entscheidenden Beitrag zur Selbstbefreiung des Lagers geleistet haben.
Nicht nur dadurch unterscheidet sich diese Darstellung wohltuend von manchen anderen Publikationen, die im gegenwärtigen ideologischen Mainstream den antifaschistischen Widerstand aus "objektiv historischer Perspektive" denunzieren.

Ulrich Peters: "Wer die Hoffnung verliert, hat alles verloren." Kommunistischer Widerstand in Buchenwald. Köln: PapyRossa, 2003 (Hochschulschriften 47).
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"Magda" - ein KZ in der Nachbarschaft
Als Anfang 1944 die Bemühungen der deutschen Arbeitsverwaltung, zivile Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern zu rekrutieren, endgültig gescheitert waren, schlug die Stunde der SS. Himmler, mit seinem unbeschränkten Zugriff auf Juden und KZ-Häftlinge, bot sich an, dem chronischen Arbeitskräftemangel der
deutschen Kriegswirtschaft abzuhelfen. Und die Industriemanager griffen, wenn auch zum Teil zögerlich, zu. Hunderte von "KZs in der Nachbarschaft" wurden im letzten Kriegsjahr bei Großbaustellen und Industriebetrieben angelegt. Eines von ihnen war das am 17. Juni 1944 eingerichtete, am 9. Februar 1945
wieder aufgelöste Außenlager "Magda" des KZ Buchenwald am Rande einer Arbeitersiedlung im Magdeburger Industrievorort Rothensee. Unmittelbarer Anlass der Gründung von "Magda" war die Bombardierung des Hydrierwerks der "Braunkohle-Benzin Aktiengesellschaft" (Brabag), das durch einen Luftangriff am 28. Mai 1944 erstmals schwer getroffen wurde. Die ab Mitte Mai 1944 einsetzende systematische Bombardierung der Erdölraffinerien und Hydrierwerke durch die Alliierten hatte als strategisches Ziel, nicht zuletzt im Hinblick auf die kurz bevorstehende Landung in der Normandie, die deutschen Streitkräfte "am Boden festzunageln". Besonders lohnende Ziele waren Hydrierwerke, in denen aus Stein- oder Braunkohle Flug- und Motorenbenzin hergestellt wurde und die im Frühjahr 1944 etwa die Hälfte des Treibstoffes für die deutschen Streitkräfte lieferten.

Die AutorInnen geben zu Beginn - vornehmlich auf der Basis bisher kaum genutzten Archivmaterials - einen Abriss der Firmengeschichte der Ende 1934 auf staatliche Initiative hin gegründeten Brabag. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei der Biografie des Vorstandssprechers Fritz Kranefuß, Jg. 1900, der in einer für viele Führungspersönlichkeiten aus der "Jungen Garde" des Dritten Reiches nicht untypischen Art in seiner Person Fachkompetenz, Organisationstalent, unbändigen Arbeitswillen und fanatische NS-Überzeugung vereinte. Kranefuß leitete den "Freundeskreis Reichsführer-SS" und galt als "Vertrauter Himmlers." Die AutorInnen sehen in diesem "Freundeskreis" mit seinen vielfältigen, auf personalen Bindungen beruhenden Verflechtungen zwischen Wirtschaft und SS ein zu Unrecht von der Historiographie bisher wenig beachtetes Entscheidungsgremium im NS-Staat. Im Laufe seiner beruflichen Karriere konnte Kranefuß schließlich zehn Aufsichtsratsmandate sammeln; in der (Allgemeinen) SS brachte er es bis zum Brigadeführer. Seine Spur verliert sich Anfang Mai 1945 im Dunkeln. Nach dem Vorbild des am 1. März 1944 gegründeten "Jägerstabs" ernannte Hitler Anfang Juni 1944 auf Vorschlag von Rüstungsminister Albert Speer den bisherigen Leiter des Hauptausschusses Munition, Edmund Geilenberg, zum "Generalkommissar für die Sofortmaßnahmen" und übertrug ihm unter Zugestehung fast unbeschränkter Vollmachten als erste Aufgabe den Wiederaufbau der
bombengeschädigten Treibstoffwerke. Auch Geilenberg, Jg. 1902, zählte zur "Jungen Garde", war ein ebenso fähiger Organisator wie fanatischer Nationalsozialist und ging bei der Verwirklichung seiner Aufgaben im Wortsinne über Leichen, hier über die von KZ-Häftlingen, die vorwiegend die gefahrenträchtigen Enttrümmerungs- und Bergungsarbeiten verrichten mussten, die der Reparatur und dem Wiederaufbau der zerstörten Fabrikanlagen voran gingen.
Von Kranefuß schon unmittelbar nach der Bombardierung des Werkes direkt bei der SS angefordert, trafen die ersten 900 Häftlinge, in der großen Mehrzahl ungarische Juden, aus Buchenwald am 17. Juni 1944 in Magdeburg
ein und bezogen die Baracken des KZ-Außenlagers "Magda", dem die AutorInnen die zweite Hälfte ihrer Studie widmen. In den knapp sieben Monaten seines Bestehens wurden 2172 Häftlinge als Zugänge registriert, von denen 550 nachweislich in Magdeburg starben. Wie viele von den übrigen, nach Buchenwald zurück oder nach Bergen-Belsen verlegten Häftlingen das Kriegsende überlebten, ist nicht bekannt. Die AutorInnen schätzen, dass es "nur einige hundert" gewesen sein können. "Magda" galt bei der SS als "Judenlager". Es war von vornherein nur als Provisorium gedacht, da man bei Werksleitung und Geilenberg-Stab mit etwa zwei Monaten bis zur Beseitigung aller Bombenschäden rechnete. Nicht nur das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt, dem die Konzentrationslager unterstanden, sondern auch die Betriebsleitung des Brabag-Werkes, die in dieser Hinsicht durchaus Spielräume hatte, gaben sich daher keine sonderliche Mühe mit Unterkunft, Verpflegung, Bekleidung und gesundheitlicher Versorgung der Häftlinge, worauf die AutorInnen hinzuweisen nicht müde werden. Sicher spielte hierbei der Umstand, dass die übergroße Mehrzahl der Häftlinge nach NS-Definition "Juden" waren, eine Rolle. Sie sollte jedoch nicht überschätzt werden, denn auch die Häftlinge in - gänzlich oder weitgehend - "judenfreien" Bau-KZs - wie "Dora" in seiner Anfangsphase oder Ellrich-Juliushütte bis Ende 1944 - hatten mit "Magda" vergleichbare Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie Todesraten.
Ausführlich schildern die AutorInnen - vor allem auf der Grundlage von Berichten von und Interviews mit jüdischen Überlebenden - den Häftlingsalltag im Lager und auf den Arbeitsstellen beim Trümmerräumen und Bau von Schutzbunkern für die deutsche Belegschaft, die Struktur der Häftlingsgesellschaft mit ihrer Hierarchisierung nach "völkisch-rassischen" Kriterien, das Verhältnis der "gewöhnlichen" Häftlinge untereinander und zu den Bewachern - überwiegend zur SS dienstverpflichtete nicht (mehr) fronttaugliche Soldaten - sowie zu Werksangehörigen. Man liest von Schikanen und Prügeleien durch Wachpersonal, Kapos, Vorarbeiter und Meister, und nur selten von menschlich mitfühlendem Verhalten dieser Personen. Besonders hart gehen die AutorInnen mit dem Betriebsarzt ins Gericht, von dem sie vermuten, er "dürfte ... die Selektion" für Vernichtungstransporte "kontrolliert und geleitet haben" (S. 148), ferner sei "nicht auszuschließen", dass er in dem ihm unterstehenden Krankenrevier die Tötung von Häftlingen durch Phenol- oder Evipaninjektionen angeordnet habe. (S. 166)
Ein eigenes Kapitel behandelt die gegenseitige Wahrnehmung von Häftlingen und deutscher Zivilbevölkerung. Hierfür haben die AutorInnen außer Häftlingsmemoiren auch Interviews mit ZeitzeugInnen ausgewertet. Hunderte von BürgerInnen sahen zweimal am Tag die durch die Wohnstraßen marschierenden Kolonnen. Ihre Reaktionen reichten von Beschimpfungen der Häftlinge über distinguiertes Naserümpfen oder ignorierendes Wegschauen bis zur "Legende vom Butterbrot", das man den Häftlingen unter eigener Lebensgefahr heimlich
zugesteckt habe (S. 175), das jedoch (nicht weiter verwunderlich) "nicht Teil der Erinnerung der überlebenden Häftlinge" ist (S. 176).
Ein Nachwort ist der alles andere als ruhmreichen "Vergangenheitsbewältigung" von Brabag und dem KZ "Magda" nach 1945 gewidmet. Lokalstudien wie die hier vorgelegte sind in erster Linie wichtig für die politische Bildungsarbeit vor Ort. Sie machen einmal deutlich, dass die NS-Verbrechen nicht nur irgendwo "fern im Osten", sondern zumindest im letzten Kriegsjahr buchstäblich vor der eigenen Haustür stattfanden. Sie zeigen zum anderen, dass die deutsche Bevölkerung sehr wohl wusste, zumindest ohne sich in Gefahr zu bringen wissen konnte, was sich im "KZ in der Nachbarschaft" abspielte. Sie zeigen auch das Ausmaß an Billigung oder Hinnahme in der Zivilbevölkerung. "Magda" war - das zeigt der Vergleich mit anderen Lokalstudien zu KZs und Zwangsarbeiterlagern - nichts Außergewöhnliches. Es war "ein KZ wie alle anderen".

Tobias Bütow, Franka Bindernagel: Ein KZ in der Nachbarschaft. Das Magdeburger Außenlager der Brabag und
der "Freundeskreis Himmler". Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2003.
Joachim Neander
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Internationale Transportarbeiter gegen den Faschismus
Bei dem Buch von Dieter Nelles über die Internationale Transportarbeiter Föderation (ITF) handelt es sich um eine überarbeitete Fassung seiner Dissertation, ein Resultat seiner fast 20jährigen Beschäftigung mit der radikalen Linken und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. In einer Zeit, in der Veröffentlichungen über Arbeiterbewegung, Faschismus und Widerstand fast schon Seltenheitswert haben, verdient eine solche Arbeit an sich schon Beachtung. Dies um so mehr, da es sich wohl um die bisher umfassendste Veröffentlichung über ein Thema handelt, das bisher nur unzureichend erforscht wurde: Die Arbeitsbedingungen und die Herausbildung des Widerstands der Seeleute und Transportarbeiter: Widerstand der ITF unter Seeleuten in Europa und den USA; Widerstand verschiedener Gruppen im Exil und während des zweiten
Weltkrieges.

Der ITF-Widerstand unter dem legendären holländischen Sozialisten Edo Fimmen bildete organisatorisch und programmatisch eine eigenständige Richtung des Arbeiterwiderstands, die weder in der sozialdemokratischen
noch in der kommunistischen Tradition der deutschen Arbeiterbewegung stand. Die Funktionäre verstanden sich als Sozialisten und vertraten meistens syndikalistische Auffassungen. Vom ihrem Zentrum in Amsterdam
organisierte die ITF Kurierdienste, den Transport illegaler Druckschriften und gab linken antifaschistischen Gruppen finanzielle Hilfe. Sie verfügte über eigene Gruppen und Stützpunkte in See- und Rheinhäfen und hatte
zahlreiche Kontakte zu Vertrauensleuten auf Hochsee- und Rheinschiffen.
Leider ist es nicht gelungen, die Dissertation populär zu überarbeiten. Die Leser werden mit Fußnoten erschlagen. Allein im Vorwort sind es schon über 130. Von der unzulänglichen Strukturierung des Buches abgesehen, ergeben sich mehrere inhaltliche Probleme. Warum wurde auf den Abdruck einiger programmatischer Aussagen der ITF oder ihrer Flugblätter verzichtet? Eine eigenständige Erarbeitung und Vermittlung wäre erleichtert worden.
Die IG Metall hat zum Beispiel in ihrem Buch "Fünfundsiebzig Jahre Industriegewerkschaft 1891 bis 1966" eine Veröffentlichung der ITF dokumentiert, obwohl diese nicht das zentrale Thema des Buches war.
Problematisch ist es weiterhin, wie Dieter Nelles den Vorsitzenden der ITF, Edo Fimmen, darstellt. Es gibt nicht einmal den Ansatz für eine Biografie. Wer über Fimmen etwas Näheres erfahren will, sollte unbedingt die Münzenberg-Biografie von Babette Gross zur Hand nehmen. Hier erfährt man, dass der weltweit bekannte und populäre Sozialist und Gewerkschafter Fimmen aus dem holländischen Bürgertum stammt, leitender Angestellter in einem großen Ölkonzern war. Seine Frau war aktives Mitglied der Heilsarmee, und durch sie bekam er den ersten Einblick in das soziale Elend seiner Vaterstadt Amsterdam. Nach kurzer Zeit trat auch er in die Heilsarmee ein, wurde dann Sekretär in der niederländischen Angestelltengewerkschaft und schließlich einer der bekanntesten internationalen Gewerkschaftsführer zwischen den Weltkriegen. Was sollte der Grund dafür sein, warum Nelles den Entwicklungsweg von Edo Fimmen verschweigt?
Babette Gross stellt die Freundschaft zwischen ihrem Lebensgefährten Münzenberg und Fimmen auch anders dar als Dieter Nelles. Für ihn fällt sie in die Zeit des Bruchs Münzenbergs mit Moskau und der KPD. Nach Babette Gross begann sie jedoch bereits Anfang der 1920er Jahre mit der Organisierung der Internationalen
Arbeiterhilfe für die Hungernden in Russland. Gemeinsam arbeiteten beide an der Vorbreitung für das große Welttreffen der Solidarität mit den unterdrückten Völkern in Brüssel und der Gründung der Liga gegen den Imperialismus. Dies wohlgemerkt zu einer Zeit, als Münzenberg noch an sektiererischen Fehlentscheidungen der Kommunistischen Internationalen (KI) und der KPD beteiligt war. Er hat aber nie die verhängnisvolle Ausgrenzungs- und Abgrenzungspolitik auf Personen übertragen, und Gleiches gilt natürlich erst recht für Fimmen. Dies dürfte ein wesentlicher Grund für die Freundschaft und den Erfolg der beiden bedeutenden Antifaschisten sein. Leider hat Nelles für seine Arbeit hieraus keine Schlussfolgerung gezogen. In seiner Sympathie für Syndikalismus grenzt er sich verständlicher Weise von der KI und der KPD ab. Diese Abgrenzung darf aber bei einem Historiker nicht zur gewollten Ausgrenzung führen. So sucht man im Personenregister z. B. vergeblich nach dem Namen Ernst Thälmann, obwohl dieser viele Jahre gerade das Symbol für die internationale antifaschistische Solidarität der Seeleute, Hafen- und Werftarbeiter war. Ähnliches gilt auch für Dimitroff oder Lilo Hermann und andere deutsche Antifaschisten. Sollte ausgerechnet der 7. Weltkongress, der die antifaschistische Politik der Volksfront einleitete, bei den Antifaschisten der ITF völlig unbeachtet geblieben sein, wo sie es doch waren, die die auf Veranlassung Münzenbergs in Straßburg gedruckten Dokumente als Tarnschriften über den Rhein abtransportierten? Die Fragen ließen sich leider fortsetzen.
Ein nicht gerade erfreuliches Fazit: Eine im Ansatz begrüßenswerte Arbeit in der Widerstandsforschung verliert ihre Objektivität, weil sie von ideologischen und politischen Interessen geprägt ist. Am Schluss seines Buches
betont Nelles, dass man den Widerstand im Kontext seiner Zeit bewerten müsse, ihn nicht zur Legitimation politischer Ziele in der Gegenwart instrumentalisieren dürfe. Leider hat er sich selbst an diesen Grundsatz nicht gehalten.

Dieter Nelles: Widerstand und internationale Solidarität. Die Internationale Transportarbeiter Föderation (ITF) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Essen: Klartext, 2001. Hans Adamo
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Das Projekt "Konfrontationen" des Fritz-Bauer-Instituts
Das Projekt "Konfrontationen" wurde in den letzten zehn Jahren im Fritz-Bauer-Institut entwickelt und basiert auf dem amerikanischen Programm FACING HISTORY AND OURSELVES - HOLOCAUST AND HUMAN BEHAVIOR
(FHAO). FHAO wurde vor etwa 30 Jahren in den USA entwickelt, um das Rassismus-Problem anzugehen. Der Ansatz - wie meiner Ansicht nach schon der Titel verdeutlicht - bezieht sowohl den einzelnen wie auch die Gegenwart in die Beschäftigung mit der Geschichte ein. FHAO setzt ein bei Fragen nach der eigenen Identität, beginnend mit der Kindergeschichte "The bear hat was't". Basierend auf dieser Geschichte wird eine Identity
Chart erstellt, in der jeder für sich beschreibt, welche Eigenschaften er hat, in welchen Rollen er sich sieht oder von anderen gesehen wird. Im nächsten Schritt geht es darum, sich selbst und andere wahrzunehmen in der Unterschiedlichkeit. Neben dem Erstaunen über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede spielen Respekt und Achtung hier eine besondere Rolle. Vertieft wird das z.B. durch eine Übung über Diskriminierung mit Fragestellungen: Wo habe ich selbst Diskriminierung erfahren und wo habe ich andere diskriminiert. Hier kann
man bereits über - auch eigene - Vorurteile und Anfänge von Ausgrenzung reflektieren. Erst auf dieser Basis setzt die Arbeit mit der Geschichte des Holocaust ein.

Die Konfrontationen-Hefte des Fritz-Bauer-Instituts steigen dann z.B. ein mit dem Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933, in dem sie Biografien einführen und Übungen vorschlagen, in denen über eine Rollenübernahme
von einzelnen Personen deren Verhalten in der bestimmten historischen Situationen zunächst gespielt und anschließend reflektiert werden kann.
Die Konfrontationen-Hefte sind als Bausteine konzipiert, die variabel eingesetzt werden können. Thematisch strukturiert bieten die Hefte interessante Texte und Materialien zu verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten.
Gleichzeitig enthalten sie eine Vielzahl von methodischen Zugängen bis zu ganz konkreten Arbeitsaufträgen und Übungen. Deshalb sind die Hefte sehr gut für die Arbeit im Unterricht geeignet und bieten darüber hinaus auch viele Anregungen für Projekte vor Ort. Das Fritz-Bauer-Institut bietet auch seit vielen Jahren Seminare zu dem Konfrontationen-Projekt an. Bisher gibt es in der Reihe Konfrontationen folgende "Bausteine für die pädagogische Annäherung an Geschichte und Wirkung des Holocaust":

- Heft 1: Gottfried Kößler, Petra Mumme: "Identität". Individuum und Gesellschaft / Anfänge des Nationalsozialismus.
- Heft 2: Jacqueline Giere, Gottfried Kößler: "Gruppe". Gemeinschaft und Ausschluss /
Volksgemeinschaft und Verfolgung von Minderheiten.
- Heft 3: Heike Deckert-Peaceman, Uta George, Petra Mumme: "Ausschluss" (in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Hadamar). Voraussetzungen und Zusammenhänge des Ausschlusses von Minderheiten aus der NSVolksgemeinschaft / NS-"Euthanasie"-Verbrechen / Ausschluss und Verfolgung schwarzer Deutscher in der NS-Zeit / Der Weg zum Völkermord an den Sinti und Roma.
- Heft 4: Uta Knolle-Tiesler, Gottfried Kößler, Oliver Tauke: "Ghetto". Vernichtung durch Arbeit: das Ghetto Lodz / Theresienstadt - ein "Musterghetto"? / Der jüdische Aufstand im Warschauer Ghetto.
- Heft 5: Verena Haug, Uta Knolle-Tiesler, Gottfried Kößler: "Deportationen". Leben zwischen Novemberpogrom und Deportation / Ausplünderung / Verschleppung mit einem Beitrag von Peter Longerich: Deportationen. Ein historischer Überblick.
- Heft 6: Jacqueline Giere, Tanja Schmidhofer: "Todesmärsche und Befreiung". Todesmärsche / Befreiung der Lager / "Ein Leben auf's Neu" - Jüdische Displaced Persons 1945 bis 1957
Alle Hefte können bestellt werden beim: Fritz-Bauer-Institut, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main
Internet: www.fritz-bauer-institut.de. E-Mail: info@fritz-bauer-institut.de.
Renate Dreesen
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