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zum Heft "informationen" Nr. 59
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Lautlose Helfer
Cornelia Schmalz-Jacobsen: Zwei Bäume in Jerusalem. Hamburg: Hoffmann und
Campe, 2002
Cornelia Pieroth >>Mehr dazu
Karrieren vor und nach 1945
Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten
Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2003.
Kurt Schilde
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"Opa war kein Nazi"
Harald Welzer, Sabine Moller, Karoline Tschuggnall: "Opa war kein Nazi".
Nationalsozialismus und Holocaust im
Familiengedächtnis. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverl., 2002.
Doris Seekamp
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Willi Graf und die Weiße Rose
Tatjana Blaha: Willi Graf und die Weiße Rose. Eine Rezeptionsgeschichte.
München: K G Saur, 2003. Karl Heinz Jahnke
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Verweigerung der Deportation - jüdischer Widerstand
Wolfgang Benz (Hg.): Überleben im Dritten Reich. Juden im Untergrund und ihre
Helfer. München: Verlag C. H. Beck, 2003.
Karl Heinz Jahnke
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Neue Studie zum kommunistischen Widerstand in Buchenwald
Ulrich Peters: "Wer die Hoffnung verliert, hat alles verloren."
Kommunistischer Widerstand in Buchenwald. Köln: PapyRossa, 2003
(Hochschulschriften 47).
Ulrich Schneider
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"Magda" - ein KZ in der Nachbarschaft
Tobias Bütow, Franka Bindernagel: Ein KZ in der Nachbarschaft. Das
Magdeburger Außenlager der Brabag und
der "Freundeskreis Himmler". Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2003.
Joachim Neander >>Mehr dazu
Internationale Transportarbeiter gegen den Faschismus
Dieter Nelles: Widerstand und internationale Solidarität. Die
Internationale Transportarbeiter Föderation (ITF) im Widerstand gegen den
Nationalsozialismus. Essen: Klartext, 2001.
Hans Adamo
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Das Projekt "Konfrontationen" des Fritz-Bauer-Instituts
-
Heft 1: Gottfried Kößler, Petra Mumme: "Identität". Individuum und
Gesellschaft / Anfänge des Nationalsozialismus.
- Heft 2: Jacqueline Giere, Gottfried Kößler: "Gruppe". Gemeinschaft und
Ausschluss /
Volksgemeinschaft und Verfolgung von Minderheiten.
- Heft 3: Heike Deckert-Peaceman, Uta George, Petra Mumme: "Ausschluss" (in
Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Hadamar). Voraussetzungen und
Zusammenhänge des Ausschlusses von Minderheiten aus der NSVolksgemeinschaft /
NS-"Euthanasie"-Verbrechen / Ausschluss und Verfolgung schwarzer Deutscher in
der NS-Zeit / Der Weg zum Völkermord an den Sinti und Roma.
- Heft 4: Uta Knolle-Tiesler, Gottfried Kößler, Oliver Tauke: "Ghetto".
Vernichtung durch Arbeit: das Ghetto Lodz / Theresienstadt - ein
"Musterghetto"? / Der jüdische Aufstand im Warschauer Ghetto.
- Heft 5: Verena Haug, Uta Knolle-Tiesler, Gottfried Kößler: "Deportationen".
Leben zwischen Novemberpogrom und Deportation / Ausplünderung / Verschleppung
mit einem Beitrag von Peter Longerich: Deportationen. Ein historischer
Überblick.
- Heft 6: Jacqueline Giere, Tanja Schmidhofer: "Todesmärsche und Befreiung".
Todesmärsche / Befreiung der Lager / "Ein Leben auf's Neu" - Jüdische
Displaced Persons 1945 bis 1957
Alle Hefte können bestellt werden beim: Fritz-Bauer-Institut, Grüneburgplatz
1, 60323 Frankfurt am Main
Internet: www.fritz-bauer-institut.de. E-Mail: info@fritz-bauer-institut.de.
Renate Dreesen
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Lautlose Helfer In der "Allee der
Gerechten" in Yad Vashem, Jerusalem, erinnern Bäume an Menschen, die während des
Holocaust Juden das Leben gerettet haben. Bis zu Beginn des Jahres 2002 hatten
358 Deutsche die Auszeichnung mit dem Ehrentitel eines "Gerechten unter den
Völkern" erhalten. Vor einem großen Johannisbrotbaum steht auf dem Schild
"Eberhard Helmrich", dreißig Meter davon entfernt, vor einem kleineren
Olivenbaum, "Donata Helmrich". Eberhard und Donata Helmrich waren die Eltern von
Cornelia Schmalz-Jacobsen, der Autorin des Buches "Zwei Bäume in Jerusalem". Die
langjährige FDP-Politikerin und Journalistin
wurde 1934 in Berlin geboren und hatte viele Ämter und Mandate inne: Unter
anderem war sie Stadträtin in München, Berliner Senatorin, Mitglied des
Deutschen Bundestages und Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen.
Sie lebt heute als freie Autorin in Berlin und engagiert sich ehrenamtlich in
humanitären Organisationen.
In ihrem 2002 erschienenen Buch erzählt sie die Geschichte ihrer Eltern während
des Nationalsozialismus, die auch die Geschichte ihrer eigenen Kindheit ist. Den
Eltern lag es fern, sich mit den neuen Machthabern zu arrangieren; sie standen
über viele Jahre hinweg den Notleidenden und Verfolgten bei. Und woraus
bestanden ihre Hilfeleistungen? In den ersten Jahren konsultierten sie weiterhin
die jüdischen Ärzte, zu denen sie immer schon gegangen waren, auch wenn sie das
Honorar nun aus eigener Tasche zahlen mussten. Oder sie beschäftigten, solange
dies noch möglich war, gerade jetzt jüdische Handwerker. Als durch die
"Nürnberger Gesetze" die jüdische Bevölkerung immer weiter ins Abseits gedrängt
wurde, ging man für jüdische Bekannte
einkaufen, gewährte ihnen Unterschlupf oder besorgte ihnen Papiere.
Die Mutter Donata erwies sich dabei als resolut und schauspielerisch begabt,
etwa als es darum ging, zum dritten Mal einen neuen Pass für sich selbst zu
beantragen - sie hatte ihren mehrmals anderweitig zur Verfügung gestellt. Der
Vater Eberhard wurde 1941 eingezogen und arbeitete in dem polnischen Ort
Drohobycz
als Gebietslandwirt. Er gründete dort eine "Gartenfarm", auf der er junge
jüdische Menschen arbeiten ließ um sie vor der Verfolgung zu bewahren. Zudem
schickte er junge Jüdinnen, als "arische" Polinnen getarnt, nach
Berlin, damit Donata ihnen eine Stelle als Haushaltshilfe besorgte.
Die Entscheidung zur Zivilcourage mochte nicht immer leicht gefallen sein, zumal
auch die Angehörigen damit in Gefahr gebracht wurden. Den Eltern ging es, wie
die Autorin aufzeigt, darum, den eigenen Anstand zu retten. Und die Sicherheit?
"Ich weiß nicht, wer von den beiden die folgende sarkastische Rechnung aufmachte
- ich schätze, es war Donata, weil es ihrem grimmigen Sinn für Humor entspricht:
Sollten sie beide sterben müssen, hätten aber zuvor zwei Menschen gerettet, dann
wären sie ‚quitt mit Hitler'. Jede weitere Rettung aber schlüge als ‚Reingewinn'
auf ihrer Habenseite zu Buche. Fest steht, dass sie dieses private Duell
haushoch gewonnen
haben." (S. 48f.)
Es ist ein "kostbares Stück Familiengeschichte", das Cornelia Schmalz-Jacobsen
uns da erzählt. Wie wenig wissen wir doch über die Helfer im Verborgenen.
Überzeugend wirkt das Buch auch durch die unzähligen Geschichten der Betroffenen
und ihre Achtung gegenüber Donata und Eberhard Helmrich. Der Leser findet eine
Antwort darauf, was Solidarität, Menschlichkeit und Beherztheit ist.
Die Ehe der Eltern ging nach dem Krieg auseinander, der Vater
wanderte in die USA aus, die Mutter bereiste als Konferenzdolmetscherin die
Welt. Unabhängig voneinander wurden beide Eltern auf Vorschlag Geretteter in Yad
Vashem geehrt. Der Vater pflanzte seinen Baum 1968 selbst. 19 Jahre später, an
einem Apriltag 1987, reiste Cornelia Schmalz-Jacobsen nach Jerusalem, um für
ihre Mutter, die einige Monate zuvor gestorben war, einen Baum in der "Allee der
Gerechten" zu pflanzen. Es ist für die Autorin ein "sehr tröstlicher Gedanke,
dass die Erinnerung an Donata und Eberhard doch noch einen gemeinsamen Ort
erhalten hat".
Cornelia Schmalz-Jacobsen: Zwei Bäume in
Jerusalem. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2002. Cornelia Pieroth
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Karrieren vor und nach 1945
Ernst Klee, bekannt für seine engagierten Nachforschungen über
Euthanasie, Medizin, Psychiatrie und Kirchen im nationalsozialistischen
Deutschland, hat in seiner jahrzehntelangen Arbeit viele biografische Angaben
über wichtige Personen des "Dritten Reiches" gesammelt. Er musste wiederholt
feststellen, dass nach 1945 viele Karrieren weitergingen. Nun hat er seine
Informationen in systematisierter und aktualisierter Form in rund 4.300
lexikalischen Beiträgen zusammengestellt. Der Verlagswerbung ist zumindest an
dem folgenden Punkt zuzustimmen: "Es ist unverzichtbar für all diejenigen, die
sich mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen."
Die Auswahl für das Buch erklärt Klee so: "Es enthält die wichtigsten Personen
aus den Bereichen Fürsorge, Judenmord, Justiz, Kirchen, Konzentrationslager,
Kultur, Medizin, Ministerialbürokratie, Partei, Polizei, Publizistik,
Reichssicherheitshauptamt, Wehrmacht, Wirtschaft und Wissenschaft." (S. 7)
Seine Angaben beruhen auf einer breiten Literaturauswertung und stützen sich
in erster Linie auf Justizakten bzw. für den Bereich der Wissenschaft auf
Akten der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Klee geht nicht davon aus, dass sein Buch fehlerfrei ist, denn es handelt sich
um Menschenwerk. Ebenso wie die ausgewerteten Nachschlagewerke und
wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat auch seine voluminöse
Zusammenstellung Fehler. Von mir wurden allerdings nur geringfügige
Ungenauigkeiten entdeckt.
Die Bedeutung des Lexikons soll anhand von einigen Beispielen illustriert
werden. Bei Forschungen zur Finanzbürokratie in der NS-Zeit bin ich auf den
Namen Ernst Féaux de la Croix gestoßen und kann über ihn bei Klee erfahren:
Dieser Mann arbeitete ab 1949 als Experte im Bundes.nanzministerium und als
Co-Autor eines Textes über den Werdegang des Entschädigungsrechts in der vom
Bundesfinanzministerium herausgegebenen Reihe "Die Wiedergutmachung
nationalsozialistischen Unrechts durch die Bundesrepublik Deutschland"
veröffentlichte. Der 1906 geborene gelernte Volkswirt wusste gut Bescheid: Er
hat schon ab 1934 im Reichsjustizministeriums - in der völkerrechtlichen
Abteilung - gearbeitet. 1938 ist er Mitverfasser einer Denkschrift über Rasse,
Volk, Staat und Raum, in der es u.a. heißt: "Fremdrassige können nicht zum
deutschen Volk gehören." (S. 145) Ein anderes Beispiel ist der Jurist Ernst
Rudolf Huber, der als Verfasser von Standardwerken zur deutschen
Verfassungsgeschichte gilt. Er ist 1903 geboren, schreibt 1939 ein Buch über
das Verfassungsrecht des Großdeutschen Reiches und wird 1941 Direktor der
"Kampfuniversität Straßburg". 1952 hat er wieder - in Freiburg - einen
Lehrauftrag, wird 1956 Honorarprofessor und übernimmt 1957 einen
Lehrstuhl an der Hochschule für Sozialwissenschaften in Wilhelmshaven. Der
1969 Emeritierte ist 1990 in Freiburg gestorben.
Noch ein Beispiel ist der SS-Obersturmführer Otto Ernst Schüddekopf. Der 1912
geborene Historiker hat 1938 promoviert und ist als England-Referent des
Auslandsnachrichtendienstes Angehöriger des Reichssicherheitshauptamtes. 1953
arbeitet er als Dozent für Geschichte und ist Mitherausgeber des
Internationalen Jahrbuchs für Geschichts- und Geographieunterricht. Der 1973
mit dem Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbund geehrte Mann stirbt 1984.
Diese Beispiele sollen genügen. Wer sich mit Personen des "Dritten Reiches"
beschäftigt, wird um das neue Buch von Ernst Klee nicht herumkommen, zumal
dort viele Leute verzeichnet sind, die in anderen Nachschlagewerken fehlen.
Ernst Klee: Das Personenlexikon
zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main: S.
Fischer, 2003.
Kurt Schilde
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"Opa war kein Nazi"
Die AutorInnen Harald Welzer, Sabine Moller und Karoline Tschuggnall stellen die
Ergebnisse von Familieninterviews über drei Generationen (Zeitzeugen, Kinder
bzw. Eltern, Enkel) ergänzt durch Einzelinterviews vor. In der soziologischen
Untersuchung geht es um die Frage der Vermittlung und Rezeption von Geschichte
aus der Zeit des Holocaust. In der Stichprobe wurden 142 Menschen interviewt,
jeweils etwa 1/3 aus der jeweiligen Generation. Die Ergebnisse dieser
qualitativen, also einer tiefgehenden Analyse des Prozesses der
Vergangenheitsbildung anhand einer relativ geringen Personenzahl, ließen sich
leider durch
Repräsentativumfragen in der deutschen Bevölkerung bestätigen. Höchstens ist bei
der Auswertung noch zu berücksichtigen, dass die befragten Menschen immerhin so
aufgeschlossen waren, an der Studie teilzunehmen.
Diese Untersuchung ist interessant und erschreckend. Auf sehr eindrückliche
Weise gelingt es, die vielfache Umdeutung von Geschichtswissen aus Schule oder
Lexika im Rahmen von Familientradierung sichtbar zu machen. In Deutschland, wo
der Holocaust Familiengeschichte ist (Raul Hilberg), wo Lexikon und
Familienalbum nebeneinander stehen, ist die Familie weitaus prägender für den
Umgang mit Nationalsozialismus als jede andere Art der Geschichtsvermittlung.
Heraus kommt bei der Untersuchung: Die Familie als sozialer Bezugsrahmen kann
nichts mit den Faschisten zu tun gehabt haben. Mögen die Gräueltaten noch so
schrecklich gewesen sein, die eigenen Großeltern (von den Enkeln als liebevoll
empfunden) können daran nicht aktiv teilgenommen haben. Aus der Großmutter, die
erzählte, dass sie es noch im Mai 1945 immer vermeiden wollte, Juden aus dem
befreiten KZ Bergen-Belsen ein Nachquartier zu geben ("denn die Juden waren die
schlimmsten"), wird in der Geschichtsbildung der Enkelin diese Großmutter als
widerständige Frau, die verfolgte Juden versteckte. Die Enkelin überträgt den
Bericht ihres Vaters über eine andere Bäuerin ganz einfach auf die
Großmutter. Im Buch finden sich zahlreiche ähnliche Beispiele.
Die Großeltern scheinen alle Opfer des Faschismus zu sein; sie sind entweder
Helden oder sie wussten nichts oder konnten nichts tun, weil sie sonst selbst
ins KZ gekommen wären (von denen sie ja angeblich nichts wussten). Die Umdeutung
in der Geschichtsbildung durch die Enkel sind aus den Niederschriften der
Interviews erschreckend deutlich. Manche Bekenntnisse vom Großvater (aktiv in SA
oder SS, Hinrichtungen zumindest zugesehen, in der Reichspogromnacht begeistert
mitgemacht etc.) scheinen nur vom Tonband aufgezeichnet
zu werden; in den Köpfen der ZuhörerInnen kommen sie nicht an. Und falls doch
ein bisschen Skepsis hängen bleibt, wird dies erklärt mit dem Verweis auf
mögliche Bestrafung oder dem alles entschuldigenden Hinweis: "Ich weiß auch
nicht, wie ich mich damals verhalten hätte."
Erschreckend ist die Umkehrung des Wissens um die Schrecklichkeiten des
Holocaust (woran es der Enkelgeneration in der Untersuchung nicht mangelte), so
dass aus dem Antisemitismus der Großeltern Hilfsbereitschaft und Widerstand
wird. Das Familiengedächtnis schafft eine Kontinuität im Denken: die Deutschen
waren keine Nazis, sie mussten nur mitmachen. Der Holocaust wird weitgehend
verdrängt, trotz allem gegenteiligen Wissen. Juden kommen als Menschen in den
Erzählungen der Enkel nicht vor, wenn doch, sind sie immer rechtzeitig vorher
"ausgereist". Alle allgemeinen Ressentiments, z.B. "die Amerikaner als Befreier,
die Russen als Vergewaltiger" werden von den Enkeln übernommen. Nachfragen,
geschweige denn kritische Fragen, hat sich die Enkelgeneration längst selbst
verboten.
Die Mechanismen gleichen sich in den westlichen und östlichen Bundesländern
weitgehend; z.T. kommt in den östlichen Bundesländern eine unzulässige
"Gleichsetzung" von Nationalsozialismus und DDR-Realität hinzu. Aus
der Erfahrung von 1989 bringen die Enkel den Großeltern mehr Verständnis
entgegen, die - wie sie selbst - in ein komplexes politisches System eingebunden
gewesen seien, ohne eine Möglichkeit zur Veränderung. Die antifaschistische
Erziehung in der DDR wird als aufgesetzt empfunden. Das Familiengedächtnis ist
weitaus prägender für die Art der Geschichtsverarbeitung.
Das Buch wirft viele Fragen auf, wie diese Art von familiärer Geschichtsbildung,
die tiefer prägt als jedes anderweitige Geschichtswissen, durchbrochen werden
kann. Diese Fragen sind sicher auch über die Thematik Holocaust hinaus
bedeutsam; es geht um die Frage des Lernens aus der Geschichte. Und da sind
leider wenig bis gar keine positiven Entwicklung sichtbar.
Die Sicht und Rezeption auf Seiten der Opfer und/oder Antifaschisten wird in der
Untersuchung hier nicht beachtet. Vielleicht lägen da mehr Ansätze für einen
positiven Lernprozess. Die hier vorgestellte Untersuchung zeigt auf, wie
weitgehend die Akzeptanz faschistischer Ideologie über das Familiengedächtnis
geprägt wird. Es ist ein auf jeden Fall lesenswertes Buch für alle, die sich mit
der Vermittlung von Geschichte beschäftigen und den aktuellen Zeitgeist zu
verstehen suchen oder gar die kritische Reflexion mit eigener Familiengeschichte
wagen wollen.
Harald Welzer, Sabine Moller, Karoline Tschuggnall: "Opa war kein Nazi".
Nationalsozialismus und Holocaust im
Familiengedächtnis. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverl., 2002.
Doris Seekamp
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Willi Graf und die Weiße Rose
Dem Buch liegt die von Tatjana Blaha an der Universität Hamburg eingereichte
Dissertation zugrunde. Die Autorin gibt als Ziel ihrer Publikation an, "das
Leben von Willi Graf und seinen Weg in den Widerstand der Weißen Rose
nachzuzeichnen sowie zu untersuchen, wie die Person Willi Grafs ... im
öffentlichen Gedenken und in der Forschung gewürdigt und wahrgenommen wurde und
wird." (S. 189) Entsprechend diesem Anliegen gliedert sich das Buch in zwei
Hauptteile, den biografischen Text und die Rezeptionsgeschichte.
Kindheit und Jugend sowie die Atmosphäre im Elternhaus werden sehr knapp
behandelt. Etwas mehr erfährt der Leser über den Einfluß der katholischen
Jugendbewegung auf Willi Graf. Stark konzentriert wird der Beginn des
Studiums der Medizin 1937 in Bonn und im Wintersemester 1939/40 in München
gestreift. Herausgehoben ist der Einsatz im Krieg 1940 in Frankreich sowie 1941
in Serbien und in der Sowjetunion. Deutlich wird, dass die Ablehnung der
NS-Diktatur und die Entscheidung zum Widerstand wesentlich durch die Erfahrungen
in der katholischen Jugend und das Kriegserlebnis geprägt wurden.
Neue Erkenntnisse vermitteln die Kapitel V und VI. Dies betrifft vor allem die
Teilnahme von Willi Graf an den Aktionen der Weißen Rose zwischen November 1942
und Februar 1943 sowie sein Verhalten nach der Festnahme in der Nacht vom 18.
zum 19. Februar bis zur Hinrichtung am 12. Oktober 1943. Die seit 1968/69 in der
wissenschaftlichen Literatur unumstrittene Tatsache, dass der Medizinstudent
Willi Graf zum engeren Kreis der Weißen Rose gehörte und maßgeblichen Anteil an
den Aktionen im Januar/Februar 1943 hatte, kann fundiert bestätigt werden.
Schwierigkeiten macht der Autorin, die Beziehungen zwischen den Hauptbeteiligten
der Gruppe objektiv darzustellen. Besonders betrifft dies das Verhältnis von
Willi Graf zu Hans und Sophie Scholl. Die Tatsache, dass in der Öffentlichkeit
der Nachkriegszeit bei Berichten über die Weiße Rose die Geschwister Scholl
stärker in den Vordergrund traten als Alexander Schmorell, Willi Graf, Prof. Dr.
Kurt Huber und Christoph Probst, hat offenbar ihre distanzierende Haltung zur
Familie Scholl beeinflusst. Sie spricht wiederholt davon, dass es ihr Anliegen
sei, Willi Graf "aus dem übermächtigen Schatten der Geschwister Scholl zu heben"
(S. 10f.).
Im zweiten Teil wird anhand von sechs Büchern über die Weiße Rose und am
Beispiel von drei Tageszeitungen (FAZ, Süddeutsche Zeitung und Saarbrücker
Zeitung) untersucht, wie die Geschichte der Weiße Rose und ihrer Hauptakteure
dargestellt wurde. Bei den Büchern handelt es sich um: Ricarda Huch "Bilder
deutscher Widerstandskämpfer", Inge Scholl "Die Weiße Rose", Klaus Vielhaber,
Hubert Hanisch, Anneliese Knoop-Graf "Gewalt und Gewissen. Willi Graf und die
Weiße Rose", Christian Petry "Studenten aufs Schafott. Die Weiße Rose und ihr
Scheitern" sowie die von Inge Jens herausgegebenen zwei Bände mit Briefen und
Aufzeichnungen der Geschwister Scholl und von Willi Graf. Die Analyse dieser
Texte bietet wesentliche Aufschlüsse, ist aber keineswegs vollständig. Wichtige
nach 1968 entstandene Veröffentlichungen fanden keine Beachtung. Die
wissenschaftlichen Arbeiten aus der DDR existieren für die Autorin nicht.
Insgesamt ist das zweite Anliegen der Arbeit, eine Rezeptionsgeschichte zur
Darstellung der Rolle von Willi Graf in der Weißen Rose in Forschung und
Öffentlichkeit nur in Ansätzen gelöst. Eine umfassende, differenzierte Analyse
zu dieser Fragestellung steht damit weiter aus.
Tatjana Blaha: Willi Graf und die Weiße Rose. Eine Rezeptionsgeschichte.
München: K G Saur, 2003. Karl Heinz Jahnke
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Verweigerung der Deportation - jüdischer Widerstand
Zu den vernachlässigten Themen der Geschichtswissenschaft in West und Ost über
die NS-Zeit zählte lange Zeit die Tatsache, dass sich Tausende Juden der
Deportation entzogen und illegal lebten. Sie konnten dies nur, weil sie Helfer
in der nichtjüdischen Bevölkerung fanden. Es ist das Verdienst des Zentrums für
Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin unter Leitung von
Prof. Dr. Wolfgang Benz, dass diese Lücke nun teilweise geschlossen wurde. Seit
1997 wird an diesem Ort an dem Projekt "Rettung von
Juden im nationalsozialistischen Deutschland" gearbeitet. Durch eine großzügige
Förderung entstanden beneidenswerte Bedingungen. Eine größere Gruppe von
festangestellten Fachkräften und Doktoranden konnte mehrere Jahre systematisch
forschen.
Das Buch "Überleben im Dritten Reich" enthält wesentliche Ergebnisse dieser
Arbeit. 19 Beiträge von 17 Autoren, darunter zwölf Frauen, fanden Aufnahme.
Am Anfang steht eine Einführung von Wolfgang Benz "Juden im Untergrund und ihre
Helfer" (S. 11-48). Die meisten Mitarbeiter sind Angehörige der zweiten
Nachkriegsgeneration. Etwas heraus fallen die Texte von zwei
Autorinnen, die an Aktionen zur Rettung von Juden beteiligt waren bzw. vom
Einsatz der Eltern Kenntnis hatten. Karin Friedrich gehörte dem Widerstandskreis
in Berlin an, der später in der Literatur den Namen "Gruppe Onkel Emil" erhielt.
In eindrucksvoller Weise schildert sie als letzte Überlebende, wie der Kreis
zahlreichen Juden das Leben gerettet hat (S. 97-109).
Cornelia Schmalz-Jacobsen berichtet über ihre Eltern Donata und Eberhard
Helmrich, die in Polen zwischen 1941 und 1944 mehreren hundert Juden und anderen
verfolgten polnischen Bürgern geholfen haben (S. 67-82).
In den meisten Texten wird über Einzelbeispiele der Rettung gesprochen. Die
Mehrzahl der Betroffenen und ihrer Helfer kam aus Berlin. Darüber hinaus wird
über Schicksale aus Danzig, Frankfurt am Main, Leipzig, München und Potsdam
unterrichtet. Aus anderen Beiträgen ist aufschlussreiches über die Aufnahme von
deutschen Juden in Belgien, Polen und der Schweiz zu erfahren.
Das Bestreben der Autoren ist es, in biografischen Skizzen die geretteten
Frauen, Männer und Kinder vorzustellen und zu zeigen, wie sich ihr Alltag in der
Illegalität gestaltete, wie viel Mut dazu gehörte, den Deportationsbefehl nicht
zu befolgen und wie schwer es war, weiterzuleben. Gleichzeitig erfährt der Leser
auch wesentliches über ihre Retter und manch andere Helfer. Die Motive der
Beteiligten werden differenziert gezeigt, sie reichen von ehrlicher Solidarität
über Menschlichkeit bis zu Bereicherung und Eigennutz.
In dem Text von Doris Tausendfreund "Jüdische Fahnder" wird auf ein
außerordentlich tragisches Kapitel jener Zeit eingegangen, die Rolle von Juden
im Dienst der Gestapo im Rahmen des "Jüdischen Fahndungsdienstes", um illegal in
Berlin lebende Juden zu entdecken und der Deportation zuzuführen (S. 239-256).
Insgesamt handelt es sich um ein sehr wichtiges Buch, das neue Aufschlüsse
über den jüdischen Widerstand und die nichtjüdischen Helfer bietet. Das Thema
ist damit nicht abgeschlossen. Dies wird auch aus den von
Benz angegebenen Zahlen deutlich. Ziemlich vage spricht er davon, dass 10.000
bis 15.000 Juden untergetaucht sind, von denen 3.000 bis 5.000 überlebt haben
sollen. In der Datenbank des von ihm geleiteten Projekts sind 2.500 Namen von
lebensrettenden Helfern für Juden abrufbar. Größere Vollständigkeit ist aufgrund
des zeitlichen Abstands wahrscheinlich nicht mehr möglich. Es leben nur noch
wenige der geretteten Menschen und ihrer Helfer.
Das Buch bietet zahlreiche Anregungen für ähnliche Forschungen in anderen
Regionen und Städten. Die zerstreut vorliegenden Quellen, u.a. die nach 1945
angelegten Entschädigungsakten, sind bei weitem noch nicht systematisch
ausgewertet.
Wolfgang Benz (Hg.): Überleben im Dritten Reich. Juden im Untergrund und ihre
Helfer. München: Verlag C. H. Beck, 2003. Karl Heinz
Jahnke
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Neue Studie zum kommunistischen Widerstand in Buchenwald
Wenn sich in den letzten Jahren Historiker mit dem
organisierten kommunistischen Widerstand beschäftigten, dann zumeist unter der
Perspektive der Delegitimierung, der Denunziation früherer Veröffentlichungen -
zumeist aus der DDR. Ein erfreuliches Gegenbeispiel findet man in der
Dissertation von Ulrich Peters über den kommunistischen Widerstand im KZ
Buchenwald, die unter dem Titel "Wer die Hoffnung verliert, hat alles verloren"
im PapyRossa-Verlag vorgelegt worden ist.
Während Autoren wie Lutz Niethammer oder Manfred Overesch in den vergangenen
Jahren mit ihren Forschungen und Veröffentlichungen aktiv auf eine Revision der
Geschichtsschreibung zu Buchenwald hingearbeitet haben, die nicht der Vertiefung
des Wissens um die Bedingungen des Häftlingshandelns, sondern
der Abwicklung des gesamten antifaschistischen Selbstverständnisses der DDR
dienten, vertritt Peters einen dezidiert anderen Zugang: Er fordert als
Voraussetzung für eine kritische Beschäftigung mit dem kommunistischen
Widerstand im KZ Buchenwald, "weder die Existenz des Widerstands noch seine
Berechtigung
in Frage zu stellen". Dabei hat Peters durchaus ein kritisches Verhältnis
gegenüber der früheren DDR-Geschichtsdarstellung zu Buchenwald. Immer wieder
hält er ihr Pathos und Heroismus vor, die mit der Realität des Lagers nur
bedingt in Einklang zu bringen waren. Dabei ist Peters jedoch fern davon, die
Leistungen der KZ-Häftlinge schmälern zu wollen. Wichtiger erscheint es ihm, ihr
Handeln glaubhaft und nachvollziehbar zu dokumentieren. "Es gab Helden unter
ihnen, wahre Lichtgestalten, denen später ein angemessener Ruhm
beschieden wurde, und widersprüchliche Charaktere, die manchen Mitgefangenen in
guter, anderen in schlechter Erinnerung blieben. Und es gab die vielen
Namenlosen, die heute niemand mehr kennt, deren Wirken aber nicht minder zur
Geschichte des Widerstands gehört" - so fasst der Autor die Bandbreite des
Widerstandes zusammen.
Im Zentrum seiner Untersuchung stehen daher "die objektiven und subjektiven
Voraussetzungen der Widerstandstätigkeit sowie zweitens das, was man zugespitzt
als ‚Bewegungsgesetze' des Widerstands bezeichnen könnte, trefflicher jedoch als
seine innere Dynamik, seine Wirkungsweisen, seine Widersprüche."
Als besonderes Merkmal des Widerstands untersucht Peters darüber hinaus den
Internationalismus der Kommunisten und ihr Verhältnis zu den jüdischen
Häftlingen. Basierend auf zahllosen Erinnerungsberichten
und Interview-Materialien, die er in erster Linie im Bestand der Gedenkstätte
Buchenwald einsehen konnte, ergab sich für ihn ein Bild der Lagerrealität, das
mit einer Darstellung des "sauberen Widerstands" nur wenig gemein hatte. "Die
Umstände zwangen die Häftlinge also, Dinge zu tun, die sie unter Maßgabe anderer
gesellschaftlicher Bedingungen nicht nur unterlassen hätten, sondern die sie
sonst nicht einmal zu ersinnen imstande gewesen wären." Doch während Niethammer
oder die BILD-Zeitung daraus eine Denunziationskampagne entwickelten, versucht
Peters heraus zu arbeiten, welchen Nutzen diese Handlungen nicht nur für den
einzelnen Häftling, sondern für das kollektive Überleben hatten. Ausführlich
beschäftigt er sich mit den Grundlagen und Anfängen des Widerstandes, wobei
deutlich wird, dass die politisch bewussten Häftlinge unter Ausnutzung aller
sich bietenden Möglichkeiten, die sich einerseits aus der Faulheit und
Korrumpierbarkeit der SS, andererseits aus der Verbundenheit und gemeinsamen
Erfahrungen im vorherigen
illegalen Kampf ergaben, im Laufe der Jahre ein System entwickeln konnten, in
dem verschiedene Formen des Widerstands möglich wurden. Beispielhaft
dokumentiert Peters, dass die kommunistischen Häftlinge ihren Ein.uss nicht dazu
genutzt haben, um Gruppenprivilegien zu verteidigen, sondern um die
Lebensverhältnisse
aller zu verbessern (Strafen zu verhindern etc.). Nur so ist der aktive Einsatz
der politischen Häftlinge gegen die Vernichtung jüdischer Mithäftlinge zu
erklären. Augenfällig wurde dies auch im Zusammenhang mit dem Eintreffen
ausländischer Häftlingsgruppen auf dem Ettersberg und der solidarischen Hilfe
für diese neuen
Mithäftlinge. Für unser heutiges Verständnis mag es gewöhnungsbedürftig sein,
aber der Widerstand im Lager verstand sich gleichermaßen als
internationalistisch und patriotisch. Die kommunistischen Häftlinge sahen sich
als "das andere Deutschland". Dies wurde zur Grundlage der Zusammenarbeit mit
den ausländischen Häftlingen, die in ihrem Widerstand oftmals nur gegen
Deutschland als Okkupationsmacht gekämpft hatten. So war es möglich, ein
internationales Lagerkomitee und eine internationale Militärorganisation zu
schaffen, die über hohe Autorität in der Häftlingsgesellschaft verfügten.
Peters stützt sich in seiner Forschung nicht allein auf die Verfolgerakten der
SS, sondern in erster Linie auf die - oftmals verschriftlichten - Aussagen der
Häftlinge selber. Eine grundsätzliche Schwierigkeit aktueller und zukünftiger
Forschungen zur Geschichte des KZ ist jedoch, dass diese Informationen bald
nicht mehr hinterfragbar sind. Immer weniger stehen die Häftlinge selber als
Gesprächspartner zur Verfügung. Wer ihre Sicht auf die Ereignisse kennen lernen
will, ist auf Materialien angewiesen, die als Video, als Tondokument oder
als gedruckter Text vorliegen. Die Unmittelbarkeit des Gesprächs und der
Nachfrage wird bald nicht mehr gegeben sein. Um so wichtiger ist es, so
umfangreich, wie Peters es getan hat, die veröffentlichte Literatur der
Überlebenden selber zur Kenntnis zu nehmen.
Ein Kernpunkt jeder aktuellen Buchenwald-Darstellung ist die Auseinandersetzung
mit dem 11. April 1945, der Selbstbefreiung der Häftlinge - so auch in der
Arbeit von Peters. Er weist die frühere DDR-Darstellung vom "Aufstand gegen die
SS" als falsche Dramatisierung zurück. Dabei benutzt er jedoch den selben
Kunstgriff, den er der DDR-Historiografie vorhält, er verabsolutiert die
Darstellung eines (in diesem Falle anderen) Zeitzeugen, des Häftlings Fritz
Freudenberg, der seine Perspektive auf die Ereignisse vom Nachmittag des 11.
April 1945 beschreibt. Hier wäre eine Rückfrage bei noch lebenden Beteiligten
der Aktion hilfreich gewesen. Hervorzuheben ist in Peters Darstellung
jedoch, dass er bei aller Kritik an der Heroisierung früherer Darstellungen
nicht in Frage stellt, dass die Häftlinge durch ihren Widerstand, der auch eine
militärische Dimension hatte, einen entscheidenden Beitrag zur Selbstbefreiung
des Lagers geleistet haben.
Nicht nur dadurch unterscheidet sich diese Darstellung wohltuend von manchen
anderen Publikationen, die im gegenwärtigen ideologischen Mainstream den
antifaschistischen Widerstand aus "objektiv historischer Perspektive"
denunzieren.
Ulrich Peters: "Wer die Hoffnung verliert, hat alles verloren." Kommunistischer
Widerstand in Buchenwald. Köln: PapyRossa, 2003 (Hochschulschriften 47).
Ulrich Schneider
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"Magda" - ein KZ in der Nachbarschaft
Als Anfang 1944 die Bemühungen der deutschen Arbeitsverwaltung, zivile
Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern zu rekrutieren, endgültig gescheitert
waren, schlug die Stunde der SS. Himmler, mit seinem unbeschränkten Zugriff auf
Juden und KZ-Häftlinge, bot sich an, dem chronischen Arbeitskräftemangel der
deutschen Kriegswirtschaft abzuhelfen. Und die Industriemanager griffen, wenn
auch zum Teil zögerlich, zu. Hunderte von "KZs in der Nachbarschaft" wurden im
letzten Kriegsjahr bei Großbaustellen und Industriebetrieben angelegt. Eines von
ihnen war das am 17. Juni 1944 eingerichtete, am 9. Februar 1945
wieder aufgelöste Außenlager "Magda" des KZ Buchenwald am Rande einer
Arbeitersiedlung im Magdeburger Industrievorort Rothensee. Unmittelbarer Anlass
der Gründung von "Magda" war die Bombardierung des Hydrierwerks der
"Braunkohle-Benzin Aktiengesellschaft" (Brabag), das durch einen Luftangriff am
28. Mai 1944 erstmals schwer getroffen wurde. Die ab Mitte Mai 1944 einsetzende
systematische Bombardierung der Erdölraffinerien und Hydrierwerke durch die
Alliierten hatte als strategisches Ziel, nicht zuletzt im Hinblick auf die kurz
bevorstehende Landung in der Normandie, die deutschen Streitkräfte "am Boden
festzunageln". Besonders lohnende Ziele waren Hydrierwerke, in denen aus Stein-
oder Braunkohle Flug- und Motorenbenzin hergestellt wurde und die im Frühjahr
1944 etwa die Hälfte des Treibstoffes für die deutschen Streitkräfte lieferten.
Die AutorInnen geben zu Beginn - vornehmlich auf der Basis bisher kaum genutzten
Archivmaterials - einen Abriss der Firmengeschichte der Ende 1934 auf staatliche
Initiative hin gegründeten Brabag. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei der
Biografie des Vorstandssprechers Fritz Kranefuß, Jg. 1900, der in einer für
viele Führungspersönlichkeiten aus der "Jungen Garde" des Dritten Reiches nicht
untypischen Art in seiner Person Fachkompetenz, Organisationstalent, unbändigen
Arbeitswillen und fanatische NS-Überzeugung vereinte. Kranefuß leitete den
"Freundeskreis Reichsführer-SS" und galt als "Vertrauter Himmlers." Die
AutorInnen sehen in diesem "Freundeskreis" mit seinen vielfältigen, auf
personalen Bindungen beruhenden Verflechtungen zwischen Wirtschaft und SS ein zu
Unrecht von der Historiographie bisher wenig beachtetes Entscheidungsgremium im
NS-Staat. Im Laufe seiner beruflichen Karriere konnte Kranefuß schließlich zehn
Aufsichtsratsmandate sammeln; in der (Allgemeinen) SS brachte er es bis zum
Brigadeführer. Seine Spur verliert sich Anfang Mai 1945 im Dunkeln. Nach dem
Vorbild des am 1. März 1944 gegründeten "Jägerstabs" ernannte Hitler Anfang Juni
1944 auf Vorschlag von Rüstungsminister Albert Speer den bisherigen Leiter des
Hauptausschusses Munition, Edmund Geilenberg, zum "Generalkommissar für die
Sofortmaßnahmen" und übertrug ihm unter Zugestehung fast unbeschränkter
Vollmachten als erste Aufgabe den Wiederaufbau der
bombengeschädigten Treibstoffwerke. Auch Geilenberg, Jg. 1902, zählte zur
"Jungen Garde", war ein ebenso fähiger Organisator wie fanatischer
Nationalsozialist und ging bei der Verwirklichung seiner Aufgaben im Wortsinne
über Leichen, hier über die von KZ-Häftlingen, die vorwiegend die
gefahrenträchtigen Enttrümmerungs- und Bergungsarbeiten verrichten mussten, die
der Reparatur und dem Wiederaufbau der zerstörten Fabrikanlagen voran gingen.
Von Kranefuß schon unmittelbar nach der Bombardierung des Werkes direkt bei der
SS angefordert, trafen die ersten 900 Häftlinge, in der großen Mehrzahl
ungarische Juden, aus Buchenwald am 17. Juni 1944 in Magdeburg
ein und bezogen die Baracken des KZ-Außenlagers "Magda", dem die AutorInnen die
zweite Hälfte ihrer Studie widmen. In den knapp sieben Monaten seines Bestehens
wurden 2172 Häftlinge als Zugänge registriert, von denen 550 nachweislich in
Magdeburg starben. Wie viele von den übrigen, nach Buchenwald zurück oder nach
Bergen-Belsen verlegten Häftlingen das Kriegsende überlebten, ist nicht bekannt.
Die AutorInnen schätzen, dass es "nur einige hundert" gewesen sein können.
"Magda" galt bei der SS als "Judenlager". Es war von vornherein nur als
Provisorium gedacht, da man bei Werksleitung und Geilenberg-Stab mit etwa zwei
Monaten bis zur Beseitigung aller Bombenschäden rechnete. Nicht nur das
SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt, dem die Konzentrationslager unterstanden,
sondern auch die Betriebsleitung des Brabag-Werkes, die in dieser Hinsicht
durchaus Spielräume hatte, gaben sich daher keine sonderliche Mühe mit
Unterkunft, Verpflegung, Bekleidung und gesundheitlicher Versorgung der
Häftlinge, worauf die AutorInnen hinzuweisen nicht müde werden. Sicher spielte
hierbei der Umstand, dass die übergroße Mehrzahl der Häftlinge nach
NS-Definition "Juden" waren, eine Rolle. Sie sollte jedoch nicht überschätzt
werden, denn auch die Häftlinge in - gänzlich oder weitgehend - "judenfreien"
Bau-KZs - wie "Dora" in seiner Anfangsphase oder Ellrich-Juliushütte bis Ende
1944 - hatten mit "Magda" vergleichbare Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie
Todesraten.
Ausführlich schildern die AutorInnen - vor allem auf der Grundlage von Berichten
von und Interviews mit jüdischen Überlebenden - den Häftlingsalltag im Lager und
auf den Arbeitsstellen beim Trümmerräumen und Bau von Schutzbunkern für die
deutsche Belegschaft, die Struktur der Häftlingsgesellschaft mit ihrer
Hierarchisierung nach "völkisch-rassischen" Kriterien, das Verhältnis der
"gewöhnlichen" Häftlinge untereinander und zu den Bewachern - überwiegend zur SS
dienstverpflichtete nicht (mehr) fronttaugliche Soldaten - sowie zu
Werksangehörigen. Man liest von Schikanen und Prügeleien durch Wachpersonal,
Kapos, Vorarbeiter und Meister, und nur selten von menschlich mitfühlendem
Verhalten dieser Personen. Besonders hart gehen die AutorInnen mit dem
Betriebsarzt ins Gericht, von dem sie vermuten, er "dürfte ... die Selektion"
für Vernichtungstransporte "kontrolliert und geleitet haben" (S. 148), ferner
sei "nicht auszuschließen", dass er in dem ihm unterstehenden Krankenrevier die
Tötung von Häftlingen durch Phenol- oder Evipaninjektionen angeordnet habe. (S.
166)
Ein eigenes Kapitel behandelt die gegenseitige Wahrnehmung von Häftlingen und
deutscher Zivilbevölkerung. Hierfür haben die AutorInnen außer Häftlingsmemoiren
auch Interviews mit ZeitzeugInnen ausgewertet. Hunderte von BürgerInnen sahen
zweimal am Tag die durch die Wohnstraßen marschierenden Kolonnen. Ihre
Reaktionen reichten von Beschimpfungen der Häftlinge über distinguiertes
Naserümpfen oder ignorierendes Wegschauen bis zur "Legende vom Butterbrot", das
man den Häftlingen unter eigener Lebensgefahr heimlich
zugesteckt habe (S. 175), das jedoch (nicht weiter verwunderlich) "nicht Teil
der Erinnerung der überlebenden Häftlinge" ist (S. 176).
Ein Nachwort ist der alles andere als ruhmreichen "Vergangenheitsbewältigung"
von Brabag und dem KZ "Magda" nach 1945 gewidmet. Lokalstudien wie die hier
vorgelegte sind in erster Linie wichtig für die politische Bildungsarbeit vor
Ort. Sie machen einmal deutlich, dass die NS-Verbrechen nicht nur irgendwo "fern
im Osten", sondern zumindest im letzten Kriegsjahr buchstäblich vor der eigenen
Haustür stattfanden. Sie zeigen zum anderen, dass die deutsche Bevölkerung sehr
wohl wusste, zumindest ohne sich in Gefahr zu bringen wissen konnte, was sich im
"KZ in der Nachbarschaft" abspielte. Sie zeigen auch das Ausmaß an Billigung
oder Hinnahme in der Zivilbevölkerung. "Magda" war - das zeigt der Vergleich mit
anderen Lokalstudien zu KZs und Zwangsarbeiterlagern - nichts Außergewöhnliches.
Es war "ein KZ wie alle anderen".
Tobias Bütow, Franka Bindernagel: Ein KZ in der Nachbarschaft. Das Magdeburger
Außenlager der Brabag und
der "Freundeskreis Himmler". Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2003.
Joachim Neander
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Internationale Transportarbeiter gegen
den Faschismus
Bei dem Buch von Dieter Nelles über die Internationale
Transportarbeiter Föderation (ITF) handelt es sich um eine überarbeitete Fassung
seiner Dissertation, ein Resultat seiner fast 20jährigen Beschäftigung mit der
radikalen Linken und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. In einer
Zeit, in der Veröffentlichungen über Arbeiterbewegung, Faschismus und Widerstand
fast schon Seltenheitswert haben, verdient eine solche Arbeit an sich schon
Beachtung. Dies um so mehr, da es sich wohl um die bisher umfassendste
Veröffentlichung über ein Thema handelt, das bisher nur unzureichend erforscht
wurde: Die Arbeitsbedingungen und die Herausbildung des Widerstands der Seeleute
und Transportarbeiter: Widerstand der ITF unter Seeleuten in Europa und den USA;
Widerstand verschiedener Gruppen im Exil und während des zweiten
Weltkrieges.
Der ITF-Widerstand unter dem legendären holländischen Sozialisten Edo Fimmen
bildete organisatorisch und programmatisch eine eigenständige Richtung des
Arbeiterwiderstands, die weder in der sozialdemokratischen
noch in der kommunistischen Tradition der deutschen Arbeiterbewegung stand. Die
Funktionäre verstanden sich als Sozialisten und vertraten meistens
syndikalistische Auffassungen. Vom ihrem Zentrum in Amsterdam
organisierte die ITF Kurierdienste, den Transport illegaler Druckschriften und
gab linken antifaschistischen Gruppen finanzielle Hilfe. Sie verfügte über
eigene Gruppen und Stützpunkte in See- und Rheinhäfen und hatte
zahlreiche Kontakte zu Vertrauensleuten auf Hochsee- und Rheinschiffen.
Leider ist es nicht gelungen, die Dissertation populär zu überarbeiten. Die
Leser werden mit Fußnoten erschlagen. Allein im Vorwort sind es schon über 130.
Von der unzulänglichen Strukturierung des Buches abgesehen, ergeben sich mehrere
inhaltliche Probleme. Warum wurde auf den Abdruck einiger programmatischer
Aussagen der ITF oder ihrer Flugblätter verzichtet? Eine eigenständige
Erarbeitung und Vermittlung wäre erleichtert worden.
Die IG Metall hat zum Beispiel in ihrem Buch "Fünfundsiebzig Jahre
Industriegewerkschaft 1891 bis 1966" eine Veröffentlichung der ITF dokumentiert,
obwohl diese nicht das zentrale Thema des Buches war.
Problematisch ist es weiterhin, wie Dieter Nelles den Vorsitzenden der ITF, Edo
Fimmen, darstellt. Es gibt nicht einmal den Ansatz für eine Biografie. Wer über
Fimmen etwas Näheres erfahren will, sollte unbedingt die Münzenberg-Biografie
von Babette Gross zur Hand nehmen. Hier erfährt man, dass der weltweit bekannte
und populäre Sozialist und Gewerkschafter Fimmen aus dem holländischen Bürgertum
stammt, leitender Angestellter in einem großen Ölkonzern war. Seine Frau war
aktives Mitglied der Heilsarmee, und durch sie bekam er den ersten Einblick in
das soziale Elend seiner Vaterstadt Amsterdam. Nach kurzer Zeit trat auch er in
die Heilsarmee ein, wurde dann Sekretär in der niederländischen
Angestelltengewerkschaft und schließlich einer der bekanntesten internationalen
Gewerkschaftsführer zwischen den Weltkriegen. Was sollte der Grund dafür sein,
warum Nelles den Entwicklungsweg von Edo Fimmen verschweigt?
Babette Gross stellt die Freundschaft zwischen ihrem Lebensgefährten Münzenberg
und Fimmen auch anders dar als Dieter Nelles. Für ihn fällt sie in die Zeit des
Bruchs Münzenbergs mit Moskau und der KPD. Nach Babette Gross begann sie jedoch
bereits Anfang der 1920er Jahre mit der Organisierung der Internationalen
Arbeiterhilfe für die Hungernden in Russland. Gemeinsam arbeiteten beide an der
Vorbreitung für das große Welttreffen der Solidarität mit den unterdrückten
Völkern in Brüssel und der Gründung der Liga gegen den Imperialismus. Dies
wohlgemerkt zu einer Zeit, als Münzenberg noch an sektiererischen
Fehlentscheidungen der Kommunistischen Internationalen (KI) und der KPD
beteiligt war. Er hat aber nie die verhängnisvolle Ausgrenzungs- und
Abgrenzungspolitik auf Personen übertragen, und Gleiches gilt natürlich erst
recht für Fimmen. Dies dürfte ein wesentlicher Grund für die Freundschaft und
den Erfolg der beiden bedeutenden Antifaschisten sein. Leider hat Nelles für
seine Arbeit hieraus keine Schlussfolgerung gezogen. In seiner Sympathie für
Syndikalismus grenzt er sich verständlicher Weise von der KI und der KPD ab.
Diese Abgrenzung darf aber bei einem Historiker nicht zur gewollten Ausgrenzung
führen. So sucht man im Personenregister z. B. vergeblich nach dem Namen Ernst
Thälmann, obwohl dieser viele Jahre gerade das Symbol für die internationale
antifaschistische Solidarität der Seeleute, Hafen- und Werftarbeiter war.
Ähnliches gilt auch für Dimitroff oder Lilo Hermann und andere deutsche
Antifaschisten. Sollte ausgerechnet der 7. Weltkongress, der die
antifaschistische Politik der Volksfront einleitete, bei den Antifaschisten der
ITF völlig unbeachtet geblieben sein, wo sie es doch waren, die die auf
Veranlassung Münzenbergs in Straßburg gedruckten Dokumente als Tarnschriften
über den Rhein abtransportierten? Die Fragen ließen sich leider fortsetzen.
Ein nicht gerade erfreuliches Fazit: Eine im Ansatz begrüßenswerte Arbeit in der
Widerstandsforschung verliert ihre Objektivität, weil sie von ideologischen und
politischen Interessen geprägt ist. Am Schluss seines Buches
betont Nelles, dass man den Widerstand im Kontext seiner Zeit bewerten müsse,
ihn nicht zur Legitimation politischer Ziele in der Gegenwart
instrumentalisieren dürfe. Leider hat er sich selbst an diesen Grundsatz nicht
gehalten.
Dieter Nelles: Widerstand und internationale
Solidarität. Die Internationale Transportarbeiter Föderation (ITF) im Widerstand
gegen den Nationalsozialismus. Essen: Klartext, 2001.
Hans Adamo
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Das Projekt "Konfrontationen" des Fritz-Bauer-Instituts
Das Projekt "Konfrontationen" wurde in den letzten zehn
Jahren im Fritz-Bauer-Institut entwickelt und basiert auf dem amerikanischen
Programm FACING HISTORY AND OURSELVES - HOLOCAUST AND HUMAN BEHAVIOR
(FHAO). FHAO wurde vor etwa 30 Jahren in den USA entwickelt, um das
Rassismus-Problem anzugehen. Der Ansatz - wie meiner Ansicht nach schon der
Titel verdeutlicht - bezieht sowohl den einzelnen wie auch die Gegenwart in die
Beschäftigung mit der Geschichte ein. FHAO setzt ein bei Fragen nach der eigenen
Identität, beginnend mit der Kindergeschichte "The bear hat was't". Basierend
auf dieser Geschichte wird eine Identity
Chart erstellt, in der jeder für sich beschreibt, welche Eigenschaften er hat,
in welchen Rollen er sich sieht oder von anderen gesehen wird. Im nächsten
Schritt geht es darum, sich selbst und andere wahrzunehmen in der
Unterschiedlichkeit. Neben dem Erstaunen über die Gemeinsamkeiten und
Unterschiede spielen Respekt und Achtung hier eine besondere Rolle. Vertieft
wird das z.B. durch eine Übung über Diskriminierung mit Fragestellungen: Wo habe
ich selbst Diskriminierung erfahren und wo habe ich andere diskriminiert. Hier
kann
man bereits über - auch eigene - Vorurteile und Anfänge von Ausgrenzung
reflektieren. Erst auf dieser Basis setzt die Arbeit mit der Geschichte des
Holocaust ein.
Die Konfrontationen-Hefte des Fritz-Bauer-Instituts steigen dann z.B. ein mit
dem Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933, in dem sie Biografien
einführen und Übungen vorschlagen, in denen über eine Rollenübernahme
von einzelnen Personen deren Verhalten in der bestimmten historischen
Situationen zunächst gespielt und anschließend reflektiert werden kann.
Die Konfrontationen-Hefte sind als Bausteine konzipiert, die variabel eingesetzt
werden können. Thematisch strukturiert bieten die Hefte interessante Texte und
Materialien zu verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten.
Gleichzeitig enthalten sie eine Vielzahl von methodischen Zugängen bis zu ganz
konkreten Arbeitsaufträgen und Übungen. Deshalb sind die Hefte sehr gut für die
Arbeit im Unterricht geeignet und bieten darüber hinaus auch viele Anregungen
für Projekte vor Ort. Das Fritz-Bauer-Institut bietet auch seit vielen Jahren
Seminare zu dem Konfrontationen-Projekt an. Bisher gibt es in der Reihe
Konfrontationen folgende "Bausteine für die pädagogische Annäherung an
Geschichte und Wirkung des Holocaust":
-
Heft 1: Gottfried Kößler, Petra Mumme: "Identität". Individuum und
Gesellschaft / Anfänge des Nationalsozialismus.
- Heft 2: Jacqueline Giere, Gottfried Kößler: "Gruppe". Gemeinschaft und
Ausschluss /
Volksgemeinschaft und Verfolgung von Minderheiten.
- Heft 3: Heike Deckert-Peaceman, Uta George, Petra Mumme: "Ausschluss" (in
Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Hadamar). Voraussetzungen und Zusammenhänge
des Ausschlusses von Minderheiten aus der NSVolksgemeinschaft /
NS-"Euthanasie"-Verbrechen / Ausschluss und Verfolgung schwarzer Deutscher in
der NS-Zeit / Der Weg zum Völkermord an den Sinti und Roma.
- Heft 4: Uta Knolle-Tiesler, Gottfried Kößler, Oliver Tauke: "Ghetto".
Vernichtung durch Arbeit: das Ghetto Lodz / Theresienstadt - ein "Musterghetto"?
/ Der jüdische Aufstand im Warschauer Ghetto.
- Heft 5: Verena Haug, Uta Knolle-Tiesler, Gottfried Kößler: "Deportationen".
Leben zwischen Novemberpogrom und Deportation / Ausplünderung / Verschleppung
mit einem Beitrag von Peter Longerich: Deportationen. Ein historischer
Überblick.
- Heft 6: Jacqueline Giere, Tanja Schmidhofer: "Todesmärsche und Befreiung".
Todesmärsche / Befreiung der Lager / "Ein Leben auf's Neu" - Jüdische Displaced
Persons 1945 bis 1957
Alle Hefte können bestellt werden beim: Fritz-Bauer-Institut, Grüneburgplatz 1,
60323 Frankfurt am Main
Internet: www.fritz-bauer-institut.de. E-Mail: info@fritz-bauer-institut.de.
Renate Dreesen
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