Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V. / Antifaschismus

Katalog zur Ausstellung: "Kinder im KZ Theresienstadt - Zeichnungen, Gedichte, Texte"

  Kinder im KZ Theresienstadt/ Antifaschismus
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Inhalt

Vorwort von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse - Seite 4>>

Einleitung - Seite 5

Kinder im KZ Theresienstadt - Zeichnungen, Gedichte, Texte - Seite 8

Zeittafel - Seite 34

Weiter leben - Lebensläufe nach Theresienstadt und Auschwitz - Seite 36

"Wir mussten als Kinder schon erwachsen sein".
Erinnerungen von Edith Erbrich geb. Bär an ihre Kindheit in Frankfurt/Main
und im KZ Theresienstadt. Aufgezeichnet von Ursula Krause-Schmitt - Seite 41

"Erst wollten wir nicht erzählen, aber man muss ja ..."
Interview mit dem Ehepaar Rohan. Aufgezeichnet von Barbara Leissing - Seite 49

Barbara Leissing: Empfehlungen zur pädagogischen Arbeit mit der Ausstellung -
Seite 57

Die Gedenkstätte Theresienstadt/Terezín - Seite 61

Das jüdische Museum in Prag - Seite 63

Literatur und Medien für den Unterricht - Seite 65
 

Herausgeber:
Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945

Redaktion:

Ursula Krause-Schmitt
Barbara Leissing
Gottfried Schmidt

 

Die Opfer

Bis Ende 1944 kamen 140.528 jüdische Menschen für einen kürzeren oder
längeren Zeitraum nach Theresienstadt:

75.661 aus der Tschechoslowakei, 41.900 aus Deutschland,
15.266 aus Österreich, 4.894 aus den Niederlanden, 1.260 aus Polen,
1.150 aus Ungarn, 476 aus Dänemark, 310 aus Luxemburg, 3 aus Frankreich.

In Theresienstadt waren etwa 11.000 Kinder im Alter bis 15 Jahren. Den Tag
der Befreiung erlebten 2.440 Kinder. 33.950 Menschen starben in Theresienstadt
an Hunger und Krankheiten; ungefähr 500 wurden von der Gestapo verhaftet und verschwanden spurlos. 88.196 Menschen mussten von hier einen Transport in ein Vernichtungslager antreten, nur etwa 4.000 von ihnen haben dies überlebt.

Über 4000 Kinderzeichnungen, einige Gedichte und Tagebuchaufzeichnungen konnten gerettet werden. In Theresienstadt entstandene Zeichnungen und Gedichte sowie Texte von Kindern, die überlebt haben, dokumentierren das an diesen Kindern begangene Verbrechen des Nationalsozialismus.


 


Ruza Zentner, geboren am 26. März 1933, gehörte zu einem Transport nach Auschwitz, wo sie den Tod fand.
 

Josef Novák, geboren am 25. Oktober 1931 in Prag ....nach Auschwitz deportiert und ermordet

Ruza Zentner, geboren am 26. März 1933, traf am 17. Dezember 1941 in Theresienstadt ein. Knapp drei Jahre
später gehörte sie zu einem Transport nach Auschwitz, wo sie den Tod fand.

Josef Novák, geboren am 25. Oktober 1931 in Prag, wurde am 24. April 1942 nach Theresienstadt und zwei Jahre später nach Auschwitz deportiert und ermordet.


Margit Ullrich war bei ihrer Ankunft in Theresienstadt zwölf Jahre alt ...nach Auschwitz deportiert und ermordet
 

Renka Glücklich, elf Jahre alt ... nach Auschwitz deportiert und ermordet

Margit Ullrich war bei ihrer Ankunft in Theresienstadt zwölf Jahre alt. Am 16. Oktober 1944 wurde sie nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Renka Glücklich, elf Jahre alt, traf am 27. August 1942 in Theresienstadt ein. Am 28. Oktober 1944 wurde sie nach Auschwitz deportiert und ermordet.

   
 
         
 

Wolfgang Thierse
Präsident des Deutschen Bundestages


Tiefste Beklemmung erfüllt mich bei der Betrachtung der Zeichnungen, beim Lesen der Gedichte und Texte dieser Ausstellung. Einige der jungen Zeichner, Dichter und Autoren überlebten die Hölle des Konzentrationslagers.

Doch viele, die meisten von ihnen, starben. Verhungert, von Seuchen hingerafft, in den Gaskammern von Auschwitz getötet. Die mit Zeichnungen und Texten versehenen Blätter sind oft die letzten Spuren junger Menschen, die ermordet wurden, nur weil sie Juden
waren, von der irrsinnigen nationalsozialistischen Ideologie als "minderwertige Rasse" etikettiert.

Klugerweise lässt die Ausstellung Bilder und Texte für sich sprechen und verzichtet so gut wie ganz auf jede historische Kommentierung. In der Tat bedarf das, was die Kinder in ihrer Pein und Todesangst zu Papier gebracht haben, keiner Erläuterung, keiner interpretierenden Auslegung. Wem diese Dokumente von Kindern, die an Seele und Körper so entsetzlich gequält wurden, nicht nahe gehen, hat kein Herz.

Immer wieder fragen wir uns: Wie hat es geschehen können? Warum ging damals der Maßstab für Recht und Unrecht verloren? Wie war es möglich, dass die Fähigkeit zu fühlen und mitzufühlen bei so vielen abhanden kam? Wie kann es sein, dass eine große Mehrheit in der Gesellschaft Menschenverachtung, Verfolgung und Ermordung selbst von Kindern einfach geschehen lässt, ohne sich dagegen aufzulehnen? Vor allem: Wo war der Widerspruch am Anfang? Bevor das Regime wie eine Krake vom Staat, von den Bürgern, einfach von allem Besitz ergreifen konnte, wäre es nötig und möglich gewesen, dass viele
widersprochen hätten, dass sich die Mehrheit schützend vor die drangsalierten Minderheiten gestellt hätte.

Erich Kästner hat nach 1945 die Lehre daraus in einem eindringlichen Bild formuliert: "Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat. Das ist die Lehre, das ist das Fazit dessen, was uns 1933 widerfuhr, das ist der Schluss, den wir aus unseren Erfahrungen ziehen müssen."

Elie Wiesel hat den Fanatismus der Massen und die Gleichgültigkeit des Einzelnen als größte Bedrohung der Menschheit bezeichnet. Er hat Recht: Ohne den Fanatismus der Massen und ohne die Gleichgültigkeit der Einzelnen wäre Hitlers totale Diktatur nicht möglich gewesen, hätte es auch nicht zu der Tragödie der 11.000 Kinder, die nach Theresienstadt verschleppt wurden, kommen können.

Das Schicksal dieser Kinder können wir nicht ungeschehen machen. Umso wichtiger also, dass wir die richtigen Schlüsse für Gegenwart und Zukunft ziehen. Lassen wir es nie wieder dazu kommen, dass Menschen ausgegrenzt werden. Seien wir hellhörig. Und treten wir bereits den leisesten Anfängen von Unfreiheit, Rechtsbruch und Menschenverachtung entschieden entgegen. In unserer Demokratie geht es nicht um Widerstand, sondern um Widerspruch. Der Kampf um die alltägliche Menschlichkeit und die Verteidigung ziviler Tugenden müssen die Sache aller sein.

Möge diese Ausstellung möglichst viele überzeugen - gerade auch junge Menschen -, wie sehr es darauf ankommt, für Toleranz und Menschenrechte einzutreten. Immer wieder. Jeden Tag.

Ich wünsche der Ausstellung viele Besucherinnen und Besucher.
 
   

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